„Älter werden in Gievenbeck“
Im Einsatz nicht nur für Senioren

Münster-Gievenbeck -

Es war in jüngster Zeit ein wenig still geworden um den Arbeitskreis „Älter werden in Gievenbeck“. Doch das soll sich ändern, verraten die Mitstreiter im Gespräch mit unserer Zeitung.

Dienstag, 10.12.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 12.12.2019, 12:20 Uhr
Sprachen über die Tätigkeitsfelder des Arbeitskreises „Älter werden in Gievenbeck“: Margarete Bollrath und Klaus Stoppe.
Sprachen über die Tätigkeitsfelder des Arbeitskreises „Älter werden in Gievenbeck“: Margarete Bollrath und Klaus Stoppe. Foto: kbö

Ein Arbeitskreis, der unter dem Titel „Älter werden in Gievenbeck“ firmiert und das in einem Stadtteil, der gemeinhin als sehr jung gilt – ein Widerspruch? Mitnichten, wie Klaus Stoppe, stellvertretender Vorsitzender der kommunalen Seniorenvertretung Münster und Margarete Bollrath vom Caritasverband für die Stadt Münster in einem Gespräch mit unserem Redakteur Kay Böckling festhalten.

Frau Bollrath, Herr Stoppe, es ist still geworden um den Arbeitskreis. Man hat lange nichts gehört. . .

Stoppe: Vielleicht liegt das ein wenig an unserer Öffentlichkeitsarbeit. Aber wir sind nach wie vor sehr aktiv im Stadtteil. Wir haben in diesem Jahr nicht nur regelmäßig getagt. Das gilt nicht nur für den Arbeitskreis, sondern auch für die Vorbereitungsgruppe. Zu den Aktivitäten gehörte jüngst noch ein Spaziergang durch den Stadtteil, der sehr gut besucht war.

Was hat es mit dem Spaziergang auf sich?

Stoppe: Wir haben uns für einen gewissen Zeitraum insgesamt fünf Ziele überlegt, die wir ansteuern wollen. Davon haben wir jetzt im September ein Ziel – den Mergelberg – realisiert. Der Abschluss war im Haus Mariengrund. Ein nächstes Ziel wird im Bereich Toppheide liegen, wo sich damals das Lager befand. Weitere Spaziergänge befinden sich in der Planung. Wir sind bemüht, Zeitzeugen als Referenten zu gewinnen, die wertvolle Informationen zu den jeweiligen Zielen haben.

Wie sieht es mit weiteren Veranstaltungen aus?

Bollrath: Wir haben Veranstaltungen in Kooperation mit dem Mehrgenerationenhaus und Mütterzentrum MuM. Da gibt es aktuell eine kleine Vortragsreihe. Das letzte Mal ging es um das Thema „Patientenverfügung“, dann haben wir die Taschengeldbörse thematisiert, und dann ging es um „Erste Hilfe für Senioren“.

Stoppe: Im nächsten Jahr haben wir auch vor, die Broschüre „Älter werden in Gievenbeck“ neu aufzulegen.

Was hat es damit auf sich?

Bollrath: Darin finden sich geballt alle Angebote für ältere Menschen speziell in Gievenbeck, und es gibt auch einen Teil für ganz Münster. Die letzte Broschüre ist 2015 aufgelegt worden. Sie muss nun aktualisiert werden.

Wer zeichnet eigentlich für das Projekt „Älter werden in...“, das es ja auch in anderen Stadtteilen gibt, verantwortlich?

Bollrath: Es ist ein Kooperationsprojekt vom Sozialamt, der Kommunalen Seniorenvertretung und immer auch einem der vor Ort vertretenden Wohlfahrtsverbände. Für Gievenbeck ist als Wohlfahrtsverband die Caritas zuständig.

Wie gestaltete sich die Arbeit zu Beginn?

Stoppe: Die ersten Angebote waren Gesprächskreise. Alle Vereine und Institutionen, die mit Seniorenarbeit zu tun haben, haben wir angeschrieben und diese zu Treffen eingeladen. Es wurde ein Netzwerk aufgebaut.

Gab es nicht einmal eine Umfrage unter Senioren?

Stoppe: Das war 2014. Dabei kamen sehr interessante Ergebnisse heraus. Beispiel: Der Gievenbecker möchte nur ungerne seinen Kirchturm verlassen. Heißt: Weit über 80 Prozent möchten gerne hier bleiben. Aus dieser Umfrage gab es weitere Ergebnisse, die in unsere Arbeit Einfluss hatten.

Ein Beispiel?

Stoppe: Öffentlicher Personennahverkehr. Schon damals fiel der Blick auf das Oxford-Gelände. Diskutiert wurde eine Kurzstrecke Oxford-Arnheimweg. Das ist ja auch weiter aktuell in der Diskussion.

Jeder Stadtteil hat seinen eigenen Charakter. Wie unterscheidet sich die Arbeit in Gievenbeck von der in einem anderen Ort?

Stoppe: Nehmen wir noch einmal das Thema ÖPNV: Gievenbeck hat mit dem Zehn-Minuten-Takt kein Problem. Ganz anders sieht es da in Nienberge aus. Da ist der Bedarf groß.

Bollrath: Jeder Stadtteil hat ja auch seine ganz eigenen Fragestellungen und Wünsche, die es zu bearbeiten gilt. Ebenso sind die Arbeitskreise vor Ort ganz unterschiedlich besetzt. Hier in Gievenbeck haben wir eine Mischung: Ältere Menschen arbeiten ebenso mit wie Hauptamtliche.

Hauptamtliche?

Bollrath: Diejenigen, die hauptamtlich in der Seniorenarbeit tätig sind.

Ambulante Pflegedienste, stationäre Pflege, Tagespflege, Seniorenwohnungen – in puncto Angebote für ältere Menschen ist Gievenbeck gut aufgestellt. Drückt dennoch irgendwo der Schuh?

Stoppe: Großes Thema ist die Barrierefreiheit. Oder blindengerechte Bauweise wie die taktilen Streifen. Daran hat man an der Diecknannstraße bei deren Bau überhaupt nicht gedacht. Da sind wir auch erst später wach geworden. Bei künftigen Bauprojekten müssen wir diesbezüglich mehr darauf achten. Und dabei haben wir nicht nur die Senioren im Auge: Ein abgesenkter Bordstein ist für den Rollstuhlfahrer mindestens genau so wichtig, wie für die Mutter mit Kinderwagen oder für das Kind auf dem Roller.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7123940?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F136%2F
Neuer Plan gegen alte Probleme
Viele Klinikärzte fühlen sich überlastet. Dazu trägt auch der Fachkräftemangel an deutschen Krankenhäusern bei.
Nachrichten-Ticker