Waldorf-Schüler bringen „Die Nashörner“ auf die Bühne
Schweres Stück souverän gemeistert

Münster-Nienberge -

Eine schwere Aufgabe souverän gemeistert: Die Schülerinnen und Schüler der zwölften Klasse der Waldorfschule führten das Stück „Die Nashörner“ auf; als obligatorische Aufgabe im Rahmen ihres künstlerischen Waldorf-Abschlusses.

Dienstag, 28.01.2020, 17:18 Uhr aktualisiert: 29.01.2020, 17:38 Uhr
Szene aus dem Stück „Die Nashörner“, das die Zwölftklässler der Waldorfschule mehrmals auf die Bühne brachten.
Szene aus dem Stück „Die Nashörner“, das die Zwölftklässler der Waldorfschule mehrmals auf die Bühne brachten. Foto: ann

Manche Tiere können sich verwandeln. Dass aus Kaulquappen Frösche, aus Raupen Schmetterlinge oder aus dicken weißen Engerlingen prächtige Maikäfer werden, weiß fast jedes Kind. Aber dass Menschen zu Nashörnern werden, ist nicht möglich. Dennoch machte der französische Dramatiker Eugène Ionesco , einer der bedeutendsten Vertreter des Absurden Theaters, eine solche Metamorphose zum Thema seines Schauspiels „Die Nashörner“.

Die Schülerinnen und Schüler der zwölften Klasse der Waldorfschule führten das Stück jetzt auf; als obligatorische Aufgabe im Rahmen ihres künstlerischen Waldorf-Abschlusses. Zunächst hatten sie sich im Unterricht ausführlich mit dem Werk beschäftigt, dann wurde es mit ganztägigem Einsatz in einer intensiven zweiwöchigen Probenzeit, inklusive Bühnenaufbau und großen Bühnenbildern sowie Kostümen und Musik ( Williams Waltons „Belshazzar‘s Feast“) zur Bühnenreife gebracht.

Diesen beachtlichen Einsatz würdigte der begleitende Lehrer Günter Moseler als Regisseur mit langjähriger Erfahrung. „ Das geht bestimmt daneben“, habe er während der Proben einige Mal gedacht, wie er im Nachhinein sagte. „Mitnichten“, habe er dann schließlich feststellen können. Das Schülerteam bescheinigte auch ihm im Programmheft sehr viel Engagement und „Herzblut“.

Zur Einführung gab der Lehrer einige Erläuterungen zu dem „schwierigen Stück“. Es sei zu einer Zeit entstanden, in dem Ideologien Hochkonjunktur gehabt hätten (Stichwort: „Kalter Krieg“). Insofern gäbe es durchaus einen aktuellen Bezug zu heute.

Dennoch sei es ein schweres Stück, bei dem man nicht alles sofort verstehen würde. „Das macht aber nichts. Wenn alles glatt läuft und man über nichts mehr sprechen muss, läuft etwas falsch“, erklärte Moseler. Selbstbewusst und mit großer Spielfreude zeichneten die jungen Darsteller die Charaktere. Behringer, der Protagonist, der sich als Einziger am Ende nicht in ein Nashorn verwandelt, hetzte zu Beginn durch den Zuschauerraum und über labyrinthartige Wege vor der Bühne – ein von der Masse der Menschen Getriebener.

Ihm stellte die Inszenierung zwei alte Egos zur Seite, die Stimmen seines Gewissens. Alle anderen Figuren erschienen weitgehend eindimensional: sein Freund Hans, ein rigider Vertreter einer Ordnung, die mehr aufgesetzte Fassade ist und die zu bröckeln beginnt, als er sich schnaubend und schnaufend in ein Nashorn verwandelt.

Bürokollege Stech sieht in den Nashörnern eine unbedeutende temporäre Erscheinung, der Logiker scheitert an seinen verworrenen Theorien, die Komplexität der Welt zu erklären, wie auch der Angestellte Wisser der Gefangene seiner obsoleten politischen Thesen wird.

Zart und mädchenhaft agierte Daisy und rührte Behringer, bevor auch sie den Nashörnern folgte. „Ein schweres Stück, nicht nur für die Schauspieler, auch für die Zuschauer“, urteilte Eberhard Blank, der seine Enkelin auf der Bühne erlebte. Er sei ein „erfahrener Waldorf-Großvater“ und habe schon etliche Aufführungen gesehen. „Die darstellerische Leistung war erste Sahne!“, urteilte er.

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