Chiara Kucharski setzt auf Poesie, frische Luft und Nachhaltigkeit
Die Bücher kommen mit dem Rad

Münster-GIEVENBECK -

Lesen bildet und Bücher erleben gerade wieder eine Renaissance. Wie schön, dass sie jetzt auch noch ganz klimaneutral nach Hause kommen. Wie das geht? Antworten gibt es im Interview.

Dienstag, 04.02.2020, 17:34 Uhr aktualisiert: 06.02.2020, 18:36 Uhr
Mobil und umweltfreundlich:
Mobil und umweltfreundlich: Foto: Annegret Lingemann

Die gelernte Buchhändlerin Chiara Kucharski hat ein Faible für gute Belletristik und Lyrik. Einen Namen gemacht hat sie sich als Veranstalterin von Lesungen und Poetry Slams sowie als Literatur-Bloggerin. Seit Ende 2018 ist die Gievenbeckerin als mobile Buchhändlerin unterwegs – umweltbewusst mit dem Fahrrad. Grund genug für WN-Mitarbeiterin Annegret Lingemann sich einmal mit Chiara Kucharski zu unterhalten.

 

Bei einer Buchhändlerin stellt man sich meistens vor, dass sie umgeben ist von vielen Büchern. Sie sind selbstständige Buchhändlerin ohne ein Ladenlokal. Wie funktioniert das?

Kucharski: Kunden können mich telefonisch, per E-Mail und über die Homepage erreichen oder mich zum Beispiel auch bei Abendveranstaltungen direkt ansprechen. Ich kann Bücher aller Art, auch Fachbücher, beschaffen und liefere sie dann per Lastenrad ohne Aufpreis in der Regel am nächsten Tag oder nach Vereinbarung innerhalb von Münster dem Kunden direkt nach Hause. Oder in das Büro oder in die Schule, wohin auch immer.

Können Sie davon leben?

Kucharski: Im Oktober 2018 bin ich gestartet, und es spricht sich immer weiter herum. Die Verdienstspanne von rund 30 Prozent pro Buch ist natürlich nicht gewaltig, aber ich veranstalte ja auch Lesungen und mache Büchertische, zum Beispiel in Schulen. Lehrer fragen mich an, ob ich Literaturangebote in der Schule vorstellen kann. Es gibt zahlreiche Projekte und lokale Kooperationen. Gerade die Gievenbecker Poetry Slams, diese modernen Dichterwettstreite, sind bei Teilnehmern aller Altersklassen beliebt – sowohl bei den Slammern als auch bei dem bunt gemischten Publikum. Außerdem lade ich zusammen mit einem münsterischen Verleger jeden vierten Freitag zum „O-Pen-Kultur zum Feierabend“ ein. Da werden gesellschaftliche und literarische Themen diskutiert und zum jeweiligen Thema spannende Menschen eingeladen. Große Kosten habe ich ja glücklicherweise nicht. Keine Miete, keine Nebenkosten. Trotzdem habe ich aber auch noch ein kleines zweites Standbein. Ich arbeite in Münsters ältestem Bioladen und habe bei diesem Teilzeitjob wunderbar verständnisvolle Chefs.

Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen? Gab es Vorbilder?

Kucharski: Nein, zumindest ist mir niemand bekannt, der diese Geschäftsidee schon hatte. Aufgrund der Veränderungen in meinem vorherigen Buchhändlerjob und der generellen Veränderungen der Buchbranche habe ich nach einer zukunftsorientierten Idee gesucht. Für Menschen, die lokal einkaufen möchten, ohne dass ihre Daten von Internetkonzernen, wie Amazon, ausgewertet werden und sie durch Algorithmen über Bücher informiert werden. Menschen, die es persönlicher und gemütlicher haben möchten, ohne auf den Komfort zu verzichten, dass das gewünschte Buch auf schnellem Weg nach Hause geliefert wird. Manchmal bekomme ich bei der Auslieferung Kaffee angeboten, ein nettes Gespräch entwickelt sich fast immer. Als gebürtige Münsteranerin und Gievenbeckerin kenne ich spätestens seit meiner „Leezenbuchhandlung“ wohl jede Straße. Vielen meiner Kunden gefällt es, dass ich mit dem Fahrrad komme. Das ist eben noch ein besonderer Bezug zu Münster, und außerdem ist damit der Transport klimaneutral.

Welche Hilfe hatten Sie als Start-up-Unternehmen?

Kucharski: Keine. Die Geldinstitute meinten, ich solle in einem halben Jahr wiederkommen, wenn sich etwas einschätzen ließe, aber Anschub braucht man ja meist eher zu Beginn einer solchen Aktion. Aber ein großes Startkapital brauchte ich eigentlich nicht. Für das Lastenrad, die Einrichtung der Website und einige elektronische Geräte reichte ein dreistelliger Betrag.

Was wünschen Sie sich für ihre berufliche Zukunft?

Kucharski: Ich möchte gern auch weiterhin so schöne Veranstaltungen, Gespräche und Begegnungen haben und hoffe, dass mir nicht noch mal der Regenschutz gemopst wird. Das war sehr ärgerlich. Aber ansonsten ist es richtig gut so, wie es jetzt ist.                         

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7239270?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F136%2F
Belohnung nach Explosion in Lienen ausgesetzt
5000 Euro für Hinweise : Belohnung nach Explosion in Lienen ausgesetzt
Nachrichten-Ticker