Anwohner an der Gievenbecker Reihe kritisieren Fäll-Aktion
Empörung über erneuten Rückschnitt

Münster-Gievenbeck -

Kahlschlag die Zweite: Nachdem das Grünflächenamt eine Wallhecke samt Bäumen an der Lindenbreie entfernte, bringt eine ähnliche Aktion an der Gievenbecker Reihe die Anwohner auf die Palme. Die Stadt spricht von „normalen Gehölz-Pflegearbeiten“

Dienstag, 25.02.2020, 17:48 Uhr aktualisiert: 27.02.2020, 16:02 Uhr
Auch an der Gievenbecker Reihe wurde das Grünflächenamt tätig – sehr zum Unmut der Anwohner.
Auch an der Gievenbecker Reihe wurde das Grünflächenamt tätig – sehr zum Unmut der Anwohner. Foto: Kay Böckling

Erneut gehen Anwohner auf die Barrikaden: Nachdem es bereits in der vergangenen Woche wegen einer Fällaktion des Grünflächenamts an der Lindenbreie wie berichtet einigen Wirbel gab, sorgt ein ähnliches Vorgehen des Fachamts an der Gievenbecker Reihe für Empörung im Umfeld. Diesmal traf es einige Bäume und Sträucher auf einer Länge von rund 100 Metern.

„In unserer Nachbarschaft hat sich in den vergangenen Tagen zu unserem großen Entsetzen Ähnliches abgespielt“, sagt Ute Kelsch mit Blick auf die Lindenbreie und verweist in diesem Zusammenhang auf eine „radikale Baumfällaktion des Grünflächenamtes“ an der Gievenbecker Reihe. „Wir fragen uns nun, welche Argumente es rechtfertigen, ein seit vielen Jahren fast unberührtes und wertvolles Biotop zu zerstören und so dem Vogel- und Insektensterben weiter Vorschub zu leisten.“ Auch dort scheine es so, dass die Stadt über reine Pflegemaßnahmen weit hinausgegangen sei. „Das Ergebnis tut weh“, äußert sich ein weiterer Anwohner.

„Wir als Nachbarn und Anlieger waren komplett entsetzt“, schildert Prof. Dr. Yolanda Bertolaso ihre Eindrücke gegenüber unserer Redaktion. „Ich wohne jetzt zwölf Jahre hier, meine alte Nachbarin fast ihr ganzes Leben, und noch nie ist auch nur ein Ast dieser Bäume auf die Fahrbahn gefallen.“

Diese Bäume seien der Schlaf-, Ruhe- und Nistplatz vieler Vögel und anderer Tiere gewesen. Zudem hätten sie wertvollen Schatten und Sauerstoff gespendet. „Wie bigott ist die Stadt Münster, dass sie sich einerseits als grüne Stadt, umweltfreundlich, mit Klimawandel im Blick und naturnah bezeichnet, andererseits einfach Fakten schafft und ihren steuerzahlenden Bürgern keine Möglichkeit zur Mitsprache gibt?“, fragt die Gievenbeckerin. Man werde einfach mit einem Kahlschlag vor der Haustür konfrontiert und müsse mit ansehen, wie die Tiere vergeblich ihre gewohnten Schutzplätze suchen.

In diesem Zusammenhang kritisiert Yolanda Bertolaso auch den Umgang mit Wildblumen auf einem Wiesengrundstück in der Nachbarschaft zur Mosaikschule. „Kaum haben einige ihre Blüten geöffnet, wird alles abrasiert, bis nur noch der verbrannte Boden zusehen ist.“

Zurück zum Rückschnitt an der Gievenbecker Reihe: Die dortigen Arbeiten bezeichnete Lena Friebel vom Grünflächenamt als notwendig: „Es handelte sich um normale Gehölz-Pflegearbeiten, die wir regelmäßig im Winter durchführen.“ Die Stadt handele in diesem Punkt nach dem neuen Bundesnaturschutzgesetz: „Wir versuchen diesbezüglich auch mit Augenmaß zu handeln.“ Ein zuständiger Gärtnermeister vor Ort prüfe die Örtlichkeiten, nach einer Rücksprache würde die Maßnahme angeordnet. Derartige Arbeiten dürften ab dem 1. März nicht mehr durchgeführt werden.

Yolanda Bertolaso bezweifelt die Notwendigkeit der Arbeiten und bezieht sich dabei auf ein Gespräch mit einem Facharbeiter vor Ort: „Die Arbeiter selbst bedauerten die Aktion und meinten, eigentlich hätte nur einer der Bäume gefällt werden müssen.“

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