Themenabend „Pubertät trifft Cannabis“ in La Vie
„Thema aus der dunklen Ecke holen“

Münster-Gievenbeck -

Der Cannabis-Konsum von Jugendlichen macht auch vor dem Stadtteil Gievenbeck nicht halt. Grund genug für den „Arbeitskreis Jugend in Gievenbeck“, sich diesem Thema zu widmen und Aufklärung zu betreiben.

Freitag, 06.03.2020, 17:32 Uhr aktualisiert: 09.03.2020, 16:59 Uhr
Moderator Hanno Liesner (l.) konnte die versammelten Vertreter von Institutionen aus dem Stadtteil begrüßen, die mit Gievenbecker Jugendlichen arbeiten und jede Menge Hilfen anbieten können.
Moderator Hanno Liesner (l.) konnte die versammelten Vertreter von Institutionen aus dem Stadtteil begrüßen, die mit Gievenbecker Jugendlichen arbeiten und jede Menge Hilfen anbieten können. Foto: sn

„Dieses Thema darf nicht tabuisiert werden“, meinte Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine. „Wir müssen das Thema aus der dunklen Ecke holen.“ Der Cannabis-Konsum von Jugendlichen macht auch vor dem Stadtteil Gievenbeck nicht halt. Schon im Mai vorigen Jahres hatte es dazu einen Runden Tisch gegeben. Der „Arbeitskreis Jugend Gievenbeck“ will noch mehr tun. Etwa durch die Veranstaltung „Pubertät trifft Cannabis“ am Donnerstagabend im „La Vie“.

Es seien Vertreter von Institutionen da, erklärte Gastgeber Guido Schmidt vom „La Vie“, die alle mit Jugendlichen aus Gievenbeck zu tun hätten. Deren Vertreter standen nach einem informativen Vortrag von Brigitte Klute , die beim Fachdienst „Suchtprävention“ der Stadt Münster tätig ist, für persönliche Gespräche und weitergehende Beratungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Vor Ort waren der Kommunale Sozialdienst der Stadt Münster, der Verband Sozialtherapeutischer Einrichtungen, die Gievenbecker Caritas-Beratungsstelle und Schulsozialarbeiter des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums und der Roxeler Friedensreich-Hundertwasser-Schule sowie Vertreter vom Fachwerk Gievenbeck und vom „La Vie“.

Am Anfang standen die Fakten: Cannabis sei die am häufigsten konsumierte illegale Droge, erklärte Klute. Die Risiken des Gebrauchs reichten von Gedächtnisstörungen über psychotische Ereignisse und Angstzustände bis hin zur körperlichen und psychischen Abhängigkeit. An recht unspezifischen Dingen könnten Eltern bemerken, dass etwas nicht stimme. Wesensveränderungen, Rückzug, ein veränderter Freundeskreis bis hin zum Leistungsabfall in allen Schulfächern könnten auf Drogenmissbrauch hindeuten. Oftmals herrsche Sprachlosigkeit. Manchmal sei das bewusste Liegenlassen von Cannabis-Utensilien ein „Gesprächsangebot“ an die Eltern.

Gespräche sollten mit Respekt geführt werden, so die städtische Expertin, aber ohne Anschuldigungen. Und doch sei die eigene Elternverantwortung deutlich zu machen und der Wunsch, dass das Kind mit dem Konsum aufhöre. „Tabakprävention ist auch Cannabisprävention“, sagte Klute. In Familien, die kritisch gegenüber Tabak eingestellt seien, sei dies auch beim Thema „Alkohol“ der Fall und auch hinsichtlich von Cannabis.

Hinzu komme auch ein rechtlicher Aspekt: In Deutschland sei jeder Besitz von Cannabis illegal, auch der von kleineren Mengen. Selbst eine Verfahrenseinstellung sei bei Jugendlichen in der Regel mit erzieherischen Auflagen verbunden. So werde von der Polizei eine Kriminalakte angelegt, in der ein Eintrag erfolge. Auch in das Erziehungsregister, in das Polizei, Gericht Staatsanwaltschaft und Jugendamt Einsicht nehmen könnten, gebe es einen Eintrag.

Und wie ist es mit Cannabis in der Schule? Bei Vergehen oder Verdacht auf Vergehen könne die Schulleitung prüfen, ob pädagogische oder andere Maßnahmen ausreichten, oder ob wegen der Schwere der Tat die Polizei verständigt werden müsse.

Viele Infos und viele Fakten, die an den Tischen mit den Experten noch einmal vertieft werden konnten. Oftmals gebe es die Angst vor Stigmatisierung, meinte ein Teilnehmer. Das sei ein Grund für manche Eltern eine Hemmschwelle zu haben, offen über das Thema „Cannabis“ zu sprechen.

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