Bundesweite Musiker-Aktion
Ermunternde Klänge in schweren Zeiten

Münster-Gievenbeck / Mecklenbeck -

Musik kann viel bewirken: In Krisenzeiten kann sie Hoffnung und Zuversicht vermitteln. Das führt dazu, dass sich Musiker aus den münsterischen Stadtteilen an einer bundesweiten Aktion beteiligen.

Montag, 23.03.2020, 18:40 Uhr aktualisiert: 24.03.2020, 18:00 Uhr
Gisela Uhlen-Tuyala spielt in Gievenbeck auf ihrem Balkon. Sie war damit am Sonntagabend Teil einer bundesweiten Musiker-Aktion.
Gisela Uhlen-Tuyala spielt in Gievenbeck auf ihrem Balkon. Sie war damit am Sonntagabend Teil einer bundesweiten Musiker-Aktion.

Sie hat mitgemacht am Sonntagabend um 18 Uhr. Auf ihrem Balkon in Gievenbeck hat sie gesessen und ihrem Instrument, der Viola da gamba, wunderschöne Töne entlockt, die weit zu hören waren. Gefroren hat sie dabei. Doch das sei nicht so wichtig gewesen. Gisela Uhlen-Tuyala hat sich an der bundesweiten Aktion „Musiker*innen für Deutschland“ beteiligt.

Am Sonntag haben um 18 Uhr überall im Land Musiker aus dem Fenster, vom Balkon oder aus dem Garten gespielt. Um Mut zu machen. Um Lebensfreude zu schenken und zu verbreiten. Um Vereinsamung entgegenzuwirken.

„Die Corona-Krise“, sagt Gisela Uhlen-Tuyala, „wirkt sich nicht nur ausschließlich negativ auf das Lebensgefühl aus.“ Kollegen aus der Musikschule würden jetzt digital, per Skype zum Beispiel, unterrichten. Eine Schülerin von früher habe sie neulich kontaktiert, sie hätte jetzt mehr Zeit und hätte gerne wieder Unterricht bei ihr. „Das hat mich sehr gefreut.“ Neue Verbindungen gebe es, neue Kommunikationsformen. Ohne die Krise, da ist sich die Gievenbeckerin sicher, hätte die Schülerin diese Bitte nicht geäußert.

Musik sei eine nonverbale Sprache, die den Menschen gut tue. „In diesen Zeiten kann man gar nicht genug Wohltuendes beitragen.“

Sie habe am Sonntagabend gar nicht gewusst, dass die Aktion eine bundesweite war. Gisela Uhlen-Tuyala hat das Lied „Wenn ich ein Vöglein wär“ gespielt. Etwas weiter weg habe sie „tatsächlich eine Sopran-C-Flöte gehört“ mit demselben Lied. „Ich finde, es passt sehr gut zu dieser Zeit.“ Der Vogel mit nur einem Flügel kann nicht fliegen, seinen Platz kann er nicht verlassen. Aber er kann in Gedanken beim anderen sein, mit seinem Herzen auch. Eine Nachbarin, die sie am Montag zufällig getroffen habe, habe sich für die Musik am Abend zuvor bedankt.

Schwer gefallen ist es der Musikerin nicht, draußen zu spielen, wo es viele hören können. „Ich spiele gerne, trete sonst auch in der Öffentlichkeit auf.“ Auf Parkbänken habe sie früher gerne gespielt.

Während die Gievenbeckerin am Sonntag um 18 Uhr ihr Zuhörer vom Balkon aus mit ihrer Viola da gamba erfreute, tat es ihr in Mecklenbeck der Saxofonist Martin Classen gleich. Auch er spielte vom Balkon für die Bewohner der umliegenden Häuser am Waldweg. Es gab sanften Jazz, der in schweren Zeiten einen Hoffnungsschimmer vermitteln sollte.

Wie geht es weiter? Wird es am nächsten Wochenende wieder Musik von Balkonen, aus Fenstern und aus Gärten geben – wie in Italien? „Ich weiß es nicht“, antwortet Gisela Uhlen-Tuyala. Sie ist selbst gespannt, was noch so alles passieren wird.

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