Jugendarbeit des Gievenbecker Fachwerks geht digital weiter
Online-Angebote in Corona-Zeiten

Münster-Gievenbeck -

Tote Hose bei der Jugendarbeit im Fachwerk? Keineswegs! Die Räume sind zwar geschlossen, aber mittels Internet-Angeboten geht es engagiert weiter.

Mittwoch, 08.04.2020, 18:12 Uhr aktualisiert: 09.04.2020, 18:28 Uhr
Die Verantwortlichen des Gievenbecker Fachwerks (v.l.) stellten die „Online-Jugendarbeit“ vor: Roland Kober, Anna Britt und Alfons Egbert.
Die Verantwortlichen des Gievenbecker Fachwerks (v.l.) stellten die „Online-Jugendarbeit“ vor: Roland Kober, Anna Britt und Alfons Egbert. Foto: kbö

Seit Jahren ist das Fachwerk in Sachen Jugendarbeit „am Puls der Zeit“. Die Verantwortlichen der Jugendtreffs „Toppheide“ und „Le Club“ sammelten in den vergangenen Jahren viele Erfahrungen in der Online-Arbeit – Erfahrungen, die ihnen jetzt in die Karten spielen, wenn sie in Corona-Zeiten ihre Schützlinge nicht persönlich erreichen. Über das digitale Zeitalter in der Jugendarbeit sprach unser Redakteur Kay Böckling mit Roland Kober („Jugendtreff Toppheide“) und Anna Britt („Le Club“).

 

Herr Kober, in den jeweiligen Treffs liegt die Jugendarbeit brach. Dennoch haben Sie einen Weg gefunden, die Jugendlichen zu erreichen.

Kober: Wir sind da! Ja, wir sind tatsächlich da. Natürlich ändert sich unsere Arbeit. Der Rhythmus wird außer Kraft gesetzt, weil wir nicht direkt mit den Jugendlichen arbeiten. Aber wir sind 1:1 online für die Jugendlichen zu erreichen. Wir sind über die verschiedensten Kanäle ansprechbar.

Was ist das Ziel des Ganzen?

Kober: Hauptsächlich, den Kontakt aufrechtzuerhalten und den Jugendlichen zumindest etwas Alltag zu vermitteln.

Britt: Wir nutzten ja auch schon zuvor Angebote wie die Instagram-Seiten, die ganz gut liefen.

Was war auf diesen Seiten zu sehen?

Britt: All das, was wir im Jugendtreff gemacht haben: kochen, Ausflüge, besondere Aktionen oder einfach nur den Aufruf, spontan vorbeizuschauen.

Und jetzt?

Britt: Jetzt wollen wir es noch weiter intensivieren. Gemeinsam überlegen wir, was die Jugendlichen interessiert, wo wir sie erreichen und mitnehmen können. Kurzum: Der Austausch soll nicht abbrechen.

Wie kann man denn Jugendliche in so einer speziellen Zeit mitnehmen?

Kober: Indem man wirklich vorhandene Beziehungsgeflechte aufrechterhält. Wir müssen weiter als Menschen ansprechbar sein, mit Rat und Tat zur Seite stehen. Vielleicht auch mal ein wenig für Ablenkung sorgen. Wir sind für Spiel und Spaß zu haben. Und gerade dafür nutzen wir verschiedene Online-Möglichkeiten.

Wie sieht es denn mit den digitalen „Öffnungszeiten“ aus?

Britt: Wir versuchen schon, unser Programm auf den Tag zu verteilen. Das kann man auch hervorragend kommunizieren – beispielsweise über einen Wochenplan. An einem Tag wird um 11 Uhr Knete-Slime per Video-Stream hergestellt, nachmittags gibt es dann ein sportliches Work-out.

Kober: Und es gibt wirklich Jugendliche, die den Work-out auch komplett mitmachen – alle Übungen nach Anleitung.

Britt: Es geht darum, sich gegenseitig zu motivieren. Ganz wichtig ist es, dass man das Gesicht zeigt. Das heißt: Jeder nimmt sich auf einem Live-Video oder Foto auf, damit die Jugendlichen sehen: „Ey, das ist ja die Anna aus dem Jugendtreff, die ich ja sonst jeden Tag gesehen habe.“ Das schafft Identifikation, das ist Beziehungsarbeit.

Wie schafft man Interaktion?

Kober: Wie nutzen Twitch, ein Live-Streaming-Video-Portal, das vorrangig zur Übertragung von Videospielen genutzt wird. Da spielen wir zum Beispiel „Stadt, Land, Fluss“.

Das ist aber zeitabhängig, anders als beispielsweise bei Instagram.

Kober: Richtig. An bestimmten Tagen sind wir von 16 bis 20 Uhr auf dieser Plattform zu finden. Dann loggen sich die Jugendlichen nach und nach ein. Zeitweise sind es zwölf bis 15 Gäste, die mit uns online sind.

Bei Instagram rechnet man mit sogenannten Followern. Ist diese Zahl vergleichbar mit den Besucherzahlen, die sonst persönlich den Treff besuchen?

Kober: Nein, online sind es mehr.

Britt: Ich habe 155 im La Vie und Roland hat 272.

Kober: Wir schauen uns auch ganz genau an, wen wir erreichen und optimieren dahingehend auch unser Angebot.

Gibt es online auch „Vier-Augen-Gespräche“ bei eventuellen Problemen?

Britt: Durchaus. Und auch das müssen wir aufrecht erhalten. Gerade wenn die Jugendlichen sehen, dass man live online ist, nutzen sie das zur persönlichen Kontaktaufnahme per Direktnachricht.

Kober: Man muss aber auch klar sagen: Wir grenzen uns ganz klar zur Online-Beratung ab. Uns geht es um die Kontaktaufnahme, wir wollen da sein, wir wollen ansprechbar sein „für den Fall dass . . .“ Bei Bedarf würden wir zu einer Beratungsstelle vermitteln.

Im Jugendtreff ist Ihnen Teilhabe und Partizipation der Jugendlichen wichtig. Funktioniert das online auch?

Britt: Das sieht man allein daran, wie viele Menschen sich die Story – also die jeweilige Video-Mitteilung – angesehen haben. Und diese Zahlen sprechen für sich. Genau diese Storys habe ich jüngst dazu genutzt, die Jugendlichen partizipativ teilhaben zu lassen. Aktuelles Beispiel: Der Umbau des Le Club wird gefilmt, und die Nutzer haben per Online-Voting die Möglichkeit, die Farbe zu bestimmen.

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