Dieb lässt eine kleine Holzarbeit mitgehen
Der ideelle Verlust schmerzt

Münster-Gievenbeck -

Eine nette, kleine Holz-Skulptur sollte gerade in diesen schweren Zeiten für ein wenig Aufmunterung sorgen. Ein Unbekannter ließ die liebevoll gestaltete Bastelei allerdings mitgehen.

Mittwoch, 10.06.2020, 19:30 Uhr
Raimund Thewes zeigt die Stelle, an der die mit einem Schloss gesicherte Holzarbeit stand.
Raimund Thewes zeigt die Stelle, an der die mit einem Schloss gesicherte Holzarbeit stand. Foto: Kay Böckling

Der materielle Schaden hält sich zugegebenermaßen in Grenzen. Und dennoch macht dieser alles andere als alltägliche Diebstahl dem Gievenbecker Raimund Thewes und seiner Frau Helga zu schaffen. Eine nette, kleine Holz-Skulptur sollte gerade in diesen schweren Zeiten für ein wenig Aufmunterung sorgen. Ein Unbekannter ließ die liebevoll gestaltete Bastelei allerdings mitgehen. Und soviel scheint sicher: Es war offensichtlich keine spontane Tat, sondern vorsätzlich geplant.

Doch von Anfang an: Thewes wollte etwas gestalten. „Quasi als Dankeschön für all diejenigen, die den Laden am Laufen halten in dieser Corona-Zeit.“ Dabei dachte er an den Zeitungsboten ebenso wie an den Briefträger oder andere Dienstleister. Die Idee dazu hatte er nach einem Aufruf eines Radio-Senders. Dieser hatte seine Hörer dazu aufgerufen, gebastelte Herzchen ins Fenster zu stellen. Die Vorlagen dazu hatte der Sender auf seiner Internetseite zum Herunterladen bereitgestellt.

„Ins Fenster stellen oder kleben fand ich jetzt nicht so spannend“, gesteht der Gievenbecker. Und so entschloss sich der Hobby-Künstler, der sich gerne mit Holzarbeiten und anderen Basteleien beschäftigt, aus Brettern eine fensterartige Kleinskulptur zu fertigen, in die er besagte Herzchen hineinsägte.

In düsterer Vorahnung hatte er die Holzarbeit sogar mit einem abschließbaren Schloss versehen – ähnlich wie bei der Bank, die vor seinem Haus steht. „Nicht, dass irgendjemand auf die Idee kommt, die Sachen einfach mal auf die Straße zu stellen“, sagt Thewes. Dass jemand aber auf den Gedanken kommt, die Holzarbeit zu stehlen, „darauf wäre ich im Traum nicht gekommen“.

Nachdem der Gievenbecker Anfang April seine kleine Aufmerksamkeit aufgestellt hatte, erntete er viel Lob: „Das ist von vielen als sehr positiv empfunden worden“, weiß Thewes zu berichten. Irgendwann kam ihm dann der Gedanke, seine Arbeit in gewisser Weise zu signieren, so wie er es auch schon bei anderen Arbeiten tat, wie der einfachen Nachbildung des münsterischen Rathauses. Das hatte er mit einem Brandeisen markiert. Die Signatur zeigt eine Buchstabenkombination aus R und T, was natürlich für Raimund Thewes steht. Und als er am Samstag eben diese Signatur anbringen wollte, stellte er den Diebstahl fest.

„Das hat jemand mitgenommen, der vielleicht seiner Freundin eine Freude machen wollte“, meint Helga Thewes. Und sie ist sich sicher, dass der Dieb seine Tat geplant hat: „Das Schloss ist mit einem Bolzenschneider geknackt worden – und den trägt man nicht einfach so mit sich herum, ohne etwas damit vorzuhaben.“

Nach dem ersten Ärger nimmt das Gievenbecker Ehepaar den Vorfall gelassen. „Das Positive ist, dass es offensichtlich jemandem gefallen hat“, sagt Helga Thewes. Und ihr Mann ergänzt: „Er hätte auch bei uns klingeln und sein Interesse für die Holzarbeit bekunden können. Dann hätte ich ihm auch eine gefertigt.“

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