Modellquartier für Wohnen, Arbeiten und Technologie an der Busso-Peus-Straße
Bürger früher ins Boot holen

Münster-Gievenbeck -

Platz für 600 neue Wohnungen sowie eine Fläche für wissenschaftliche Institute, Dienstleistungen, öffentliche Einrichtungen oder Gastronomie: Das plant die Stadt Münster. Doch es droht politischer Gegenwind.

Mittwoch, 17.06.2020, 17:54 Uhr
Haben bezüglich des Bauvorhabens der Stadt an der Busso-Peus-Straße noch Beratungsbedarf (v.l.): Dr. Martin Lücke, Mechthild Neuhaus, Peter Hamann, Alfons Neuhaus und Richard-Michael Halberstadt.
Haben bezüglich des Bauvorhabens der Stadt an der Busso-Peus-Straße noch Beratungsbedarf (v.l.): Dr. Martin Lücke, Mechthild Neuhaus, Peter Hamann, Alfons Neuhaus und Richard-Michael Halberstadt. Foto: Kay Böckling

Die Stadt Münster spricht in ihren ersten Planungen von einem „neuen urbanen Modellquartier für Wohnen, Arbeiten und Technologie“. Das will sie auf einer rund 15 Hektar großen Fläche westlich der Busso-Peus-Straße gegenüber des Max-Planck-Instituts realisieren. Das Ziel: Platz für 600 neue Wohnungen sowie eine Fläche für wissenschaftliche Institute, Dienstleistungen, öffentliche Einrichtungen oder Gastronomie.

Ein entsprechender Vorschlag des städtischen Planungsamts passiert aktuell die politischen Gremien. Unter anderem steht er auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung der Bezirksvertretung Münster-West (ab 17 Uhr in der Aula des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums in Gievenbeck). Doch die CDU in Münsters Westen fühlt sich von dem Vorhaben ein wenig überrumpelt. Die Christdemokraten werden daher beantragen, die Vorlage aus der politischen Beratungskette herauszunehmen. Der Grund: weiterer Beratungsbedarf. In der Regel entsprechen die anderen Parteien in solch einem Fall einem derartigen Wunsch.

„Wir hatten und haben etliche Bauchschmerzen“, sagt Mechthild Neuhaus vom Vorstand der Gievenbecker CDU, die auch im Planungsausschuss vertreten ist. Was ihr bitter aufstößt: „Dass hier ohne Bürgerbeteiligung ein Flächennutzungsplan verändert wird.“ Der Grüngürtel für Gievenbeck sei „gesetzt, und wir hatten dort eigentlich andere Planungen vorgesehen“. Der Wunsch der CDU für diesen Bereich: „Freizeit, Erholung, leben in Gievenbeck.“ Mit dem nun vorgelegten Vorhaben ginge es aber in die komplett andere Richtung.

„Wir sind nicht gegen die Schaffung neuen Wohnraums“, sagt Richard-Michael Halberstadt, CDU-Ratsherr für Gievenbeck. Er wolle aber verhindern, dass man Gievenbeck weiterhin „zupflastert mit irgendwelchen Baugebieten“. Vielmehr setze er sich dafür ein, das bereits bestehende „Baustellen“ endlich realisiert und fertiggestellt würden: „Die Konversionsflächen müssen entwickelt werden, dort, wo noch immer kein Bagger steht. Wir haben die Umgestaltung der Ortsmitte, auch da ist noch kein Stein umgedreht worden.“ Auch im Bereich Borghorstweg oder der Von-Esmarch-Straße herrsche Stillstand. Auch Halberstadt pocht auf gesteigerte und frühe Bürgerbeteiligung.

CDU-Bezirksvertreter Peter Hamann vermisst die Verhältnismäßigkeit: „Wir knallen 600 Wohneinheiten auf eine relativ kleine Fläche.“ Das bedeute: massiv große Häuser. Mit Blick auf die Bebauung hinter der Waldorfschule – größtenteils Einfamilienhäuser – fehle die Homogenität. Daher spreche sich die CDU auch dafür aus, die Zahl der Wohneinheiten um mindestens die Hälfte zu reduzieren.

Ein wichtiger Aspekt ist laut Dr. Martin Lücke das Landschaftsbild am Eingangstor von Gievenbeck: „Es soll sich so weiterentwickeln, dass wir in 20 Jahren unser Gievenbeck noch wiedererkennen.“ Nicht zuletzt müsste die Infrastruktur den Anforderungen angepasst werden, fordert Neuhaus und spricht damit unter anderem die Ausstattung des Stadtteils mit Betreuungsplätzen für Kita- und Grundschulkinder sowie die defizitären Sport- und Freizeitangebote an.

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