Gievenbecker Grafiker fertigt Exlibris-Kunstwerke an
Begehrte Sammel- und Tauschobjekte

Münster-Gievenbeck -

Im Metier der Exlibris-Künstler hat der Grafiker Andreas Raub in Deutschland Ruhm und Anerkennung für seine Motive und Fertigkeiten erworben.

Montag, 14.12.2020, 23:07 Uhr aktualisiert: 14.12.2020, 23:10 Uhr
Andreas Raub in einem Teil seiner Werkstatt, die gleichzeitig Wirtschaftsraum ist. Die Werkstatt ist auf das Haus verteilt. Für Exlibris nutzt er die Technik der Radierung und gelegentlich den Farblinolschnitt.
Andreas Raub in einem Teil seiner Werkstatt, die gleichzeitig Wirtschaftsraum ist. Die Werkstatt ist auf das Haus verteilt. Für Exlibris nutzt er die Technik der Radierung und gelegentlich den Farblinolschnitt. Foto: klm

Es gibt sie schon, seitdem der Buchdruck existiert: Exlibris – kleine Papierbilder, die ursprünglich in ein Buch geklebt wurden und kenntlich machten, wem es gehörte. Falls es zum Beispiel verliehen wurde.

„Es gibt heute eine Kunstsammler-Bewegung zu Exlibris, vor allem in Europa, in den USA und in Asien“, weiß Andreas Raub, Diplom-Grafiker aus Gievenbeck. Der 52-Jährige stellt selbst solche Kunstwerke her und hat sich in Deutschland in dem Metier einen gewissen Ruhm für seine Motive und Fertigkeiten erworben.

Der ursprüngliche Sinn der Eignerzeichen Exlibris (lateinisch: „aus den Büchern“) steht heute nicht mehr im Mittelpunkt. Die kleinformatigen, meist in schwarz-weiß gehaltenen Bilder, fein im Detail, sind Sammel-, Tausch- und Kaufobjekte geworden.

Raub schätzt, dass es weltweit 200 bis 300 Handwerker und Künstler gibt, die sich als Teil ihrer Arbeit mit Exlibris befassen. Er und seine Kollegen hierzulande sind in der Deutschen Exlibris-Gesellschaft ( DEG ) organisiert. Man trifft sich jährlich zum Austausch mit Tausch- und Kaufmöglichkeiten.

Der kleinere Teil der Exlibris-Freunde seien Künstler, der größere Teil Sammler. „Manche Sammler beschäftigen sich schon ihr Leben lang mit Exlibris“, erzählt Raub bei einem Besuch in seiner Werkstatt am Rüschhausweg.

Exlibris-Motive zeigen etwa Orte und Personen in früheren Jahrhunderten oder spiegeln die Gegenwart wider – gesellschaftlich oder zu bekannten Menschen.

Eine Kundin aus Süddeutschland sammelt Eulen-Motive. „Sie hat Schränke voller Ordner mit Tausenden Exlibris“, sagt er. Kunden machten unterschiedlich viele Vorgaben für die Motive. Bei der Sammlerin hatte er reichlich Spielraum: Raub wählte eine übergroße Eule, die auf einem Schreibtisch unter einem Lampenschirm sitzt, umgeben von aufgetürmten Büchern und Buchregalen, und den Betrachter ansieht.

Zu Exlibris-Motiven erklärt der Vizepräsident der DEG, Karl-Friedrich-Kröger: „Heute werden im Wesentlichen Exlibris für den Tausch mit anderen Sammlern in Auftrag gegeben. Beliebt sind berufsbezogene Motive zum Beispiel für Ärzte, Apotheker, Juristen oder Ingenieure. Andere bevorzugen die griechische Mythologie oder – sehr beliebt – erotische Darstellungen.“

Für Andreas Raub sind Exlibris lediglich ein Teil seiner Arbeit als selbstständiger Künstler. Sein Schwerpunkt sind großformatige Bilder und Radierungen. Foto-Motive setzt er malerisch um, gestaltet Wandbilder, macht Fassadenmalerei und arbeitet kaligrafisch, etwa mit Schönschriften für Feiern und Veranstaltungen.

1995 bekam Raub seinen ersten Auftrag für ein Exlibris. Er kannte solche Motive bereits, weil sein Vater – ein Bibliothekar – sammelte. Mittlerweile hat Andreas Raub über 500 Motive erstellt. Meist werden sie in zwei- beziehungsweise dreistelliger Auflage bestellt.

Das neueste Motiv nennt er „Richard Wagner – Walkürenritt“, bestellt von einem Sammler und Pferdeexperten aus den Niederlanden, wie Raub erklärt. Im Motiv reiten die Walküren nach Walhalla. Im unteren Teil des Bildes ist das Bayreuther Festspielhaus zu sehen. „Als kleine ironische Brechung“, so Raub, reitet Komponist Richard Wagner als kleines Männchen mit Taktstock auf einem Pferderücken mit.

Eine Auswahl von Raubs Exlibris waren Beigabe für die Teilnehmer der DEG- Jahrestagung im vergangenen Jahr. „50 aus 500“, so der Titel, wurden als Buch gedruckt. DEG-Präsident Dr. Henry Tauber bemerkt im Vorwort, dass es sich um „Ansichten eines der vielgefragtesten Exlibris-Künstler unserer Zeit“ handele.

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