Gemeinde Liebfrauen-Überwasser
Frank Buhs' Weg vom Priester zum Küster

Münster-Gievenbeck -

Der Gievenbecker Gemeindeteil der Pfarrei Liebfrauen-Überwasser hat einen neuen Küster. Und dessen Lebenslauf überrascht ein wenig ob seiner Wendungen.

Freitag, 15.01.2021, 17:46 Uhr aktualisiert: 15.01.2021, 18:55 Uhr
Der neue Küster in der Gemeinde Liebfrauen-Überwasser: Frank Buhs vor der schmucken Krippe in der Michael-Kirche, die er bald wieder abbauen darf.
Der neue Küster in der Gemeinde Liebfrauen-Überwasser: Frank Buhs vor der schmucken Krippe in der Michael-Kirche, die er bald wieder abbauen darf. Foto: Kay Böckling

Der Wechsel ging fließend vonstatten: Gerade erst verabschiedete die Gemeinde Liebfrauen-Überwasser mit Martin Swertz ihren langjährigen Küster in Richtung Domplatz (wir berichteten), so kann sie seit Jahresbeginn mit Frank Buhs ihren neuen „Mann für alle Fälle“ begrüßen. Mit ihm unterhielt sich unser Redakteur Kay Böck­ling.

Herr Buhs, Sie selbst bezeichnen sich als theologisch gebildeten Landschaftsgärtner mit langjähriger Erfahrung im Gartencenter- und Baumarktbereich. Das klingt spannend. Was steckt dahinter?

Buhs: Als Kind hatte ich schon immer Freude an Pflanzen und Arbeiten im Garten. Nach dem Realschulabschluss machte ich eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner in Münster. Allerdings wollte ich meine schulische Laufbahn weiterführen und besuchte in meiner Heimatstadt Ahaus das Gymnasium.

Das erklärt den Landschaftsgärtner, nicht aber den Theologen . . .

Buhs: Während der drei Jahre auf dem Gymnasium intensivierte sich mein Kontakt zur Kirchengemeinde und mein Interesse am Glauben. So nahm ich nach dem Abitur 1983 mein Theologiestudium in Münster auf mit dem Ziel, Priester zu werden.

Ein Ziel, das Sie erreichten?

Buhs: Ja, 1989 wurde ich zum Diakon und 1990 zum Priester geweiht.

Und dann?

Buhs: Während meiner Kaplanzeit in Ostbevern wurde mir immer deutlicher, dass das Leben eines Priesters doch nicht meine Lebensform ist.

Warum?

Buhs: Das waren persönliche Gründe.

Und dann?

Buhs: Dann stieg ich wieder in meinen Gärtner-Beruf ein. Nach mehreren Stationen wurde ich 2002 Marktleiter für das Gartencenter in Handorf und arbeitete anschließend bis Ende des letzten Jahres als Marktleiter eines Baumarktes in Marl.

Wie kommt man dann als Baumarktleiter dazu, sich anderweitig zu orientieren und den Beruf des Küsters in Liebfrauen-Überwasser zu ergreifen?

Buhs: Indem man sich denkt, dass es sich dabei um eine wundervolle Tätigkeit handelt. Ich wollte gerne wieder einmal etwas anderes machen. Zudem wollte ich nicht mehr soviel fahren. Meine letzte Tätigkeit war ja wie gesagt in Marl. Vier Jahre lang täglich zwei Mal 65 Kilometer zu fahren, war irgendwann zu viel. Dann habe ich zufällig diese Stelle gefunden.

Was hat den Ausschlag zugunsten des Küster-Berufs gegeben?

Buhs: Ich habe dort mit allen Sachen ein bisschen zu tun: Außenanlagen, bauliche Fragen, Elektro – und die katholische Kirche liegt natürlich auch nah, da ich die Abläufe noch ein wenig kenne.

Sie sagten gerade, Sie hätten diese Stelle gefunden. Wo denn?

Buhs: Ganz normal beim Arbeitsamt. Die Voraussetzung ist, dass man eine abgeschlossene Ausbildung hat – in der Regel eher im handwerklichen oder kaufmännischen Bereich.

Umschreiben Sie doch bitte einmal die Aufgaben eines Küsters.

Buhs: Ich bin zuständig dafür, dass alles rund um Kirche und Liturgie läuft, und Gottesdienste vor- und nachbereitet werden. Zuständig bin ich auch für das Kirchengebäude, dass dort alles in Ordnung ist – sowohl innen als auch außen. In meinen Aufgabenbereich fällt auch die Bewirtschaftung des Pfarrzentrums.

Wie haben Sie sich auf ihren Einsatz vorbereitet?

Buhs: Ich habe einen Blitz-Einführungskurs in die Tätigkeiten eines Küsters durch Martin Swertz bekommen. Er hat mir hier alles gezeigt, sowohl die Routinearbeiten über die Woche als auch die speziellen Arbeiten, die jahreszeitlich bedingt waren, wie Krippe oder Weihnachtsbäume aufbauen. Ich lernte auch die Technik in der Kirche kennen oder die Lagerorte diverser Materialien.

Wie sind Sie in Gievenbeck – Ihrem Haupteinsatzort – empfangen worden?

Buhs: Sehr herzlich und offen. Überall, wo ich die Menschen getroffen habe – Gemeindemitglieder wie Gemeindemitarbeiter – war diese Herzlichkeit zu spüren.

Würden Sie es als despektierlich empfinden, wenn man Sie als „Mädchen für alles“ bezeichnet?

Buhs: „Ein Mann für alle Fälle“ fände ich irgendwie treffender.

Sie haben auch sonntags Dienst. Gibt es dafür einen Ausgleich?

Buhs: Freie Tage.

Und was macht ein Küster an seinem freien Tag? Welche Hobbys haben Sie?

Buhs: Ich fahre gerne Fahrrad, lese gerne, und wenn wir Urlaub machen, wandern wir gerne. Wir sind gerne in den Bergen.

Wir?

Buhs: Meine Familie und ich – wir wohnen in Handorf.

Wenn Sie gerne mit dem Rad fahren: auch von Handorf nach Gievenbeck zum Arbeitsort?

Buhs: Ich hoffe bald, wenn ich ein wenig mehr im Rhythmus bin.

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