Neuer Antrag zur Umbenennung der Apffelstaedtstraße
In die Nazi-Ideologie verstrickt

Münster-West -

Der Name Max Apffelstaedt ist verbunden mit der Nazi-Herrschaft. Daher rückt die Apffelstaedtstraße erneut in den Blickpunkt der politischen Diskussion – auf Initiative der SPD, der Grünen, der Linken und Volt in der Bezirksvertretung Münster-West.

Dienstag, 09.02.2021, 18:14 Uhr aktualisiert: 09.02.2021, 18:17 Uhr
In einem Antrag setzen sich Grüne, SPD, Linke und Volt für die Umbenennung der Apffelstaedtstraße ein: (kl. Foto, v.l.) Kai Bleker, Jonas Freienhofer, Beate Kretzschmar, Anke Pallas und Philip Maurice
In einem Antrag setzen sich Grüne, SPD, Linke und Volt für die Umbenennung der Apffelstaedtstraße ein: (kl. Foto, v.l.) Kai Bleker, Jonas Freienhofer, Beate Kretzschmar, Anke Pallas und Philip Maurice Foto: pd

Die SPD in der Bezirksvertretung (BV) Münster-West lässt nicht locker: Wiederholt setzen sich die Sozialdemokraten in einem Antrag für die Umbenennung der Apffelstaedtstraße (Verbindung zwischen Orléans-Ring und Corrensstraße) ein – diesmal schriftlich unterstützt von den Grünen sowie Philip Maurice (Volt) und Jonas Freienhofer (Linke). Bereits vor einem Jahr machten sich die sozialdemokratischen Kommunalpolitiker für eine entsprechende Umbenennung stark und ernteten Zustimmung in der BV.

Hintergrund der beantragten Umbenennung war eine Berichterstattung in dieser Zeitung, die sich mit der Vergangenheit des Namensgebers der Apffelstaedtstraße, Max Apffelstaedt , befasste. Jener sei „nach Erkenntnissen des Stadtarchivs Münster schon kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, nämlich am 01.05.1933, der NSDAP beigetreten“, heißt es im jüngsten Antrag von Grünen, SPD, Volt und Linken.

Weiter heißt es in der Forderung zur Namensänderung: „Er war ebenfalls Mitglied des nationalsozialistischen Verbands der Hochschullehrer und wurde 1937 durch den NSDAP-Kreisleiter Ernst Mierig zum Ratsherrn der Stadt Münster ernannt.“ Er sei somit in die nationalsozialistische Ideologie verstrickt und tief eingebunden in die nationalsozialistischen Strukturen gewesen. „Aus diesem Grunde erscheint die Erinnerung an Max Apffelstaedt als nicht tragbar.“

Als die Sozialdemokraten ihren Antrag am 27. Februar 2020 der Bezirksvertretung vorstellten, ernteten sie nicht zuletzt auch Zustimmung von den Grünen. GAL-Bezirksvertreter Kai Bleker hatte sogar alternative Namensgeber parat: Hedwig Kohn und Martha Sponer.

Seit besagter Sitzung ist fast ein Jahr vergangen, und noch immer warten die Antragsteller auf eine Antwort aus der Verwaltung. Ein Unding, wie die Unterzeichner finden. Von Seiten der Stadt und der Universität sei immer wieder geäußert worden, dass eine Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit hohe Priorität genieße und auch aktiv betrieben wurde und werde. „In dem Augenblick jedoch, in dem es konkret wird und Konsequenzen folgen müssen, scheint von diesen Absichten nicht mehr viel übrig zu sein“, so die kritischen Töne im Antrag.

Gerade in diesen Zeiten des „wieder aufflackernden Antisemitismus und Rassismus“ gelte es, ein Zeichen zu setzen. Als Namensgeberin schlagen die Unterzeichner die Zahnärztin Henriette Sophie Son vor. Sie war – so ist es in dem Antrag zu lesen – die Tochter einer jüdischen Familie, die in Münster Zahnmedizin studierte und kurz vor ihrem Examen zwangsexmatrikuliert worden sei.

Unter Drohungen und den Protesten nationalsozialistischer Studentenorganisationen legte sie – so die Antragsteller – nach erneuter Immatrikulation ihr Examen ab, ausdrücklich ohne Erteilung einer Approbation aufgrund ihres jüdischen Glaubens, sodass sie ihren Beruf nicht ausüben konnte.

In die Niederlande geflüchtet, studierte sie dort erneut und erhielt ihre Approbation als Zahnärztin. Nach der Kapitulation des Nachbarlandes konnte sie dort nur bis 1941 tätig sein. In dem Antrag heißt es weiter: „Um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen, ging sie in den Untergrund und überlebte die nationalsozialistische Gewaltherrschaft.“ Und abschließend: „Henriette Sophie Son hat unter der nationalsozialistischen Ideologie gelitten, deren Anhänger und exponierter Vertreter Max Apffelstaedt gewesen ist.“

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