„Haus der Vereine“ soll nur geringfügig für Schulzwecke genutzt werden
Aus Empörung wird Vorfreude

Münster-Gievenbeck -

Gute Nachrichten, die vor allem bei denen für Freude sorgen dürften, die zu den Hauptnutzern der schmucken Immobilie zählen sollen: den Vereinen. Das Uhrenturm-Gebäude soll künftig hauptsächlich ihnen zu Gute kommen. Diese Aussicht bestand nicht immer.

Freitag, 16.04.2021, 19:02 Uhr
Das Uhrenturmgebäude soll „Haus der Vereine“ werden.
Das Uhrenturmgebäude soll „Haus der Vereine“ werden. Foto: Kay Böckling

Die Empörung im September 2019 war groß: Das Schulamt machte Pläne öffentlich, in denen stattliche Teile des markanten Uhrenturmgebäudes auf dem Oxford-Areal für die Nutzung einer Grundschule vorgesehen waren. Dabei hatte es im Vorfeld doch immer geheißen, die Immobilie solle allein schon durch seine zentrale Lage als eine Art „Haus der Vereine“ dienen.

Jetzt deutet alles darauf hin, dass dem auch so sein wird. Denn: Mit Bekanntwerden des Siegerentwurfs eines Architekten-Wettbewerbs eines Grundschulbaus steht fest, dass das Uhrenturm nur zu einem kleinen Teil für schulische Zwecke genutzt werden soll, nämlich für eine Mensa. Und besagte Mensa-Räume sollen dann auch für Versammlungen von Vereinen zur Verfügung stehen. Nachrichten, die vor allem bei denen für Freude sorgen dürften, die zu den Hauptnutzern der schmucken Immobilie zählen sollen: den Vereinen.

War es in der Vergangenheit seitens des Schulamts vorgesehen, dass im Uhrenturmgebäude unter anderem die Verwaltungsräume der Schule zu finden sind, so sind diese künftig im Erdgeschoss des neuen dreigeschossigen Gebäudes angesiedelt. „Das Schulgebäude zeichnet sich durch ein großzügiges Atrium aus“, heißt es in der Beschreibung des Immobilienmanagements auf dessen Internetseite.

Kommentar

Gut so, ist der Betrachter geneigt zu rufen. Und die Vereine dürften in dieses Loblied einstimmen, denn sie können aufatmen. Ihre Befürchtung, das markante Uhrenturmgebäude als künftiges „Haus der Vereine“ könne durch die verstärkte Nutzung für Schulzwecke seiner angedachten Bestimmung nicht gerecht werden, erfüllt sich offensichtlich nicht. Dabei sah die Situation einmal ganz anders aus: Politik und Öffentlichkeit waren wie vor den Kopf gestoßen, als Pläne des Schulamts offenbarten, einen beträchtlichen Teil des Uhrenturms als Schulgebäude zu nutzen. Die Empörung war groß – zu Recht, denn das Versprechen mit dem Titel „Haus der Vereins“ war allen noch im Hinterkopf. Hoffnung keimte auf, als im Juli vergangenen Jahres Harald Koops in seiner Funktion als Architekt des Amts für Immobilenmanagement während eines Erkundungsgangs durch die Immobilie verkündete: „Die schulische Nutzung soll sich auf das Notwendigste beschränken.“ Offensichtlich haben ihn die Planer in Zimmern ob Rottweil und in Überlingen nun erhört – und mit ihm auch die zig Vereine in Gievenbeck. Doch Obacht: Nicht das Fell des Bären verteilen, bevor er erlegt ist. Denn: Auch wenn die schulischen Zwecke im künftigen „Haus der Vereine“ minimiert sind, ist der Platz dennoch begrenzt. Längst nicht alle, die es sich wünschen, werden dort eine Heimat finden.

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Das neue Schulgebäude entsteht als sogenannter dreigeschossiger Solitär neben dem Uhrenturmgebäude in Richtung Gievenbecker Reihe (mit Blick auf den Uhrenturm in Richtung „Grüner Finger“ auf der rechten Seite). Die beiden Immobilien werden mit einem fliegenden Dach verbunden. So gelingt es, die Schule und die schulisch genutzten Bereiche im Bürgerhaus auf selbstverständliche Art und Weise zusammen zu schließen und gleichzeitig eine attraktive Terrasse für die Mensa auszubilden.

Die Planungen – auch oder gerade in Bezug auf die künftige Nutzung des Uhrenturmgebäudes – stößt bereits auf Zustimmung. So drücken die Sozialdemokraten in Münsters Westen ihre Freude über das nun veröffentlichte Ergebnis des Architektenwettbewerbs aus.

„Durch eine geschickte Planung des Schulgebäudes scheint es jetzt gelungen zu sein, dass im Uhrenturmgebäude nur die Mensa untergebracht wird, die zusammen mit einer großen Terrasse außerhalb der schulischen Essenszeit als Versammlungsraum für das Bürgerhaus genutzt werden kann“, so Beate Kretzschmar, Fraktionsvorsitzende der SPD in der Bezirksvertretung Münster-West. Damit entstünden Räumlichkeiten, die nachmittags und abends für Belange der Bürgerschaft zur Verfügung stehen müssten und natürlich auch in diesem Sinne geplant werden sollten.

Der prämierte Wettbewerbsbeitrag dient als Grundlage weiterer detaillierter Planungen. Das weiß auch die SPD, die verspricht: „Als politische Vertretung der Bürgerschaft werden wir unser Mitspracherecht bei der konkreten Umsetzung des prämierten Entwurfs geltend machen, um sowohl für die künftigen Schüler der Grundschule als auch die Gievenbecker Bürger und Vereine schöne und multifunktional nutzbare Räume zu errichten.

Doris Feldmann, Ratsfrau für Gievenbeck und schulpolitische Sprecherin der SPD, zum Wettbewerbsergebnis für den Schulbau: „Hier entsteht ein kindgerechtes, zukunftsfähiges Schulgebäude, das mit einem hohen Maß an Flexibilität aktuellen pädagogischen Herausforderungen gerecht wird.“ Daneben solle auch der Schulhof in den Blick genommen werden. „Ich wünsche mir eine naturnahe Gestaltung und möglichst wenig versiegelte Flächen.“ Ein Schulgarten wäre schön.

Auch die CDU meldet sich zu Wort: „Ein gelungener Entwurf, der sich gut an die Bestandsgebäude anpasst“, so Peter Hamann, Fraktionsvorsitzender der CDU in der BV West. Man erwarte, dass die nächsten Schritte zügig eingeleitet werden, um die neue Schule fristgerecht eröffnen zu können. Bedarf für eine neue Schule in Gievenbeck sei vorhanden, „dies sieht man an der geplanten Aufstockung der benachbarten Mosaikschule“.

Mit dem Siegerentwurf sei laut Hamann auch der Raumbedarf der Schule im Uhrenturmgebäude abgesteckt: „Die Verwaltung soll jetzt schnellstmöglich Vereine, Bürger und Politik an einen Tisch bringen, um Raumbedarfe im geplanten Haus der Vereine abzuklären.

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