Handorf
Erste Heilung von Tuberkulose

Dienstag, 27.04.2010, 12:04 Uhr

Münster-Handorf - Sie ist weit über die Grenzen von Handorf bekannt und gilt in Medizinerkreisen als Elite in ihrem Bereich - die Fachklinik Hornheide. Aber die wenigsten wissen, dass in Hornheide, wie die Klink umgangssprachlich genannt wird, Medizingeschichte geschrieben wurde. Denn die erste Heilung einer Tuberkulose-Kranken gelang den Medizinern in Handorf.

Um die interessante Geschichte der Fachklinik aufzuarbeiten, war Prof. Dr. Max Hundeiker in das Heimathaus Handorf gekommen. Und auch viele Handorfer ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen, etwas über die direkte Nachbarschaft zu erfahren.

„Man sieht immer wieder, wie wenig Menschen davon wissen, was passiert ist“, so der Referent gleich zu Beginn. Dinge, die die Welt der Medizin umgekrempelt haben, seien vor der Haustüre geschehen und niemand habe es gemerkt.  Schon war Max Hundeiker in seinem Element.

„Es ist egal, ob man 70 oder 170 Jahre zurückgeht: Zu allen Zeiten gab es Tuberkulose - aber nicht bei jedem tritt TB so deutlich zu Tage, dass man es beispielsweise im Gesicht erkennt.“ Die meisten Patienten hätten sich aber dennoch die Seele aus dem Leib gehustet. „Aber die Krankheit kann auch die Haut zerfressen, und das war wirklich kein schöner Anblick“, erläuterte der Experte.

Das sei der eigentliche Grund für die Gründung der Fachklinik Hornheide in Handorf gewesen - „und auch der Grund für den Standort weit vor den Toren der Stadt, ähnlich wie damals für Leprakranke.“

Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Sozialversicherungen gegründet, 1913 der Westfälische Ausschuss für Krebs- und Lupusbekämpfung. Doch der Erste Weltkrieg veränderte alles. Nach einem Spendenaufruf wurde 1927 die Arbeit des Ausschusses weitergeführt, bis der Zweite Weltkrieg die Arbeit wieder fast zunichte machte. Denn die Ärzte mussten an die Front. „Aber es wurde ein wichtiger Entschluss gefasst. Es sollte alles bekämpft werden, was das Gesicht zerfraß“, erklärte Hundeiker.

Der Referent rief eine ganze Reihe von Ärzten in Erinnerung, die an der Fachklinik gearbeitet hatten und große Erfolge erzielen konnten. Beispielsweise machte Wucherpfennig das Schneiden mit Strom einsetzbar, der Einsatz von UV-Licht zur „Beschießung“ der betroffenen Hautflächen wurde ebenfalls in Handorf erforscht. „Und davon gab es noch nicht einmal eine Handvoll Stellen in Europa, die das konnten.“

Doch der wohl größte Erfolg neben der Entwicklung von wirksamen Medikamenten gegen die Tuberkulose durch Gerhard Domagh war die Heilung der ersten Patientin, Katharina Flütotte, die 1943 in Handorf behandelt wurde und deren Grab auf dem Friedhof St. Petronilla zu finden ist.

„Danach wurde eine fortlaufende Serie von Erfolgen dokumentiert, die bis heute anhält“, lobte der Professor. Mittlerweile sei der Begriff der Tuberkulose sogar ganz aus dem Namen von Hornheide verschwunden.

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