Vinzenzwerk
Fotos aus dem wahren Leben

Münster-Handorf -

Das Vinzenzwerk feiert mit einem Sommerfest am 23. Juni sein 100-jähriges Bestehen. Bei der Gelegenheit wird ein Bildband vorgestellt, der 400 Fotos aus 100 Jahren enthält.

Dienstag, 05.06.2012, 08:06 Uhr

Vinzenzwerk : Fotos aus dem wahren Leben
Zur 100-Jahr-Feier des Handorfer Vinzenzwerks geben (v.l.) Heimleiterin Sr. Mechthild Knüwer, Verwaltungsleiterin Karin Dorgeist, Laura Neidhardt und der Vorsitzende Peter Frings einen Bildband heraus. Beim großen Sommerfest am 23. Juni wird er verkauft. Foto: spe

Das Vinzenzwerk ist seit 100 Jahren eine Institution – und doch kursieren immer noch sehr abwegige Vorstellungen über den Alltag in den Wohngruppen. Peter Frings , der Vorsitzende des Vinzenz­werks, kennt das Thema, und wendet sich energisch gegen „krude Ideen“, wie er sagt: „Wir sind Teil der Gesellschaft. Nicht ein anonymes Waisenhaus am Rande!“ Das Jubiläum bietet eine schöne Gelegenheit, die Türen zu öffnen: Am 23. Juni wird ein großes Sommerfest gefeiert. Und bei der Gelegenheit kommt ein nagelneuer Bildband heraus, der den Alltag im Vinzenzwerk im Lauf der Jahrzehnte dokumentiert.

Laura Neidhardt hat sich an die Arbeit gemacht. Die junge Frau, die kurz vor dem Abschluss ihrer Ausbildung steht, durfte in den Archiven wühlen. Was sie fand: Berge von Fotos. 10 000 Stück, grob geschätzt. Da war sie platt . . .

Drei Tage lang hat sie sich gemeinsam mit Harald Weichert und Sigrid Waltenberger durch den Stapel gewühlt. Was ist auf den Fotos zu sehen? Und vor allem: wer? Sogar die heutigen Bewohnerinnen und Bewohner halfen nach Kräften bei der Identifizierung. Anschließend wurden Dutzende Briefe an Ehemalige geschrieben. Die meisten waren mit der Veröffentlichung einverstanden.

So entstand eine 100 Seiten starke Broschüre mit rund 400 Fotos – farbig und neu die meisten, schwarz-weiß und akkurat zumindest einige, rotstichig und vergilbt die 70er-Jahre-Vertreter. Alles authentische Bilddokumente des wahren Lebens im Vinzenzwerk. Sie zeigen das Gelände und die Häuser, den Gruppenalltag, Freizeit und Arbeit, Feste und Feiern und auch die Schwestern Unserer Lieben Frau. Der Bildband ergänzt eine neue Chronik des Vinzenzwerks, die – so sagen es die Beteiligten – ein wenig textlastig ausgefallen sei . . .

Die Anfänge im November 1912 sind kaum dokumentiert, wie überhaupt Fotos aus der Zeit vor dem Krieg Mangelware sind: „1940 musste das Gelände geräumt werden, es wurde vom Militär übernommen“, berichtet Heimleiterin Schwester Mechthild Knüwer. Als der Betrieb 1947 wiederaufgenommen wurde, fehlten nicht nur viele Dokumente der Vergangenheit, sondern auch der zerbombte rechte Flügel des stattlichen Gebäudes – von dem zumindest einige Fotos erhalten sind.

142 Kinder und Jugendliche und etwa 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leben heute in Handorf . Sie sind die Hauptakteure des Sommerfestes am 23. Juni, das um 10 Uhr mit einem Gottesdienst beginnt. Aber auch sonst rechnet Schwester Mechthild mit einem vollen Haus: „Wir haben 1000 Einladungen verschickt – wenn das Wetter gut ist, dann kommen die auch . . .“

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