Efraim Yehoud-Desel spricht über den jüdischen Glauben
Rabbiner: Öfter mal danke sagen

Münster-Handorf -

Fröhlich und aufgeräumt gab der Rabbiner Einblicke in den theologischen Hintergrund und den Alltag jüdischen Glaubens. Die Mitglieder der evangelischen und katholischen Gemeinden Handorfs fragten eifrig nach.

Mittwoch, 01.05.2013, 08:05 Uhr

Efraim Yehoud-Desel, der Rabbiner der jüdischen Gemeinde, fand im Pfarrheim St. Petronilla sehr aufmerksame Zuhörer
Efraim Yehoud-Desel, der Rabbiner der jüdischen Gemeinde, fand im Pfarrheim St. Petronilla sehr aufmerksame Zuhörer Foto: usch

„Wenn Sie morgens aufwachen, was sagen Sie dann?“ fragt Efraim Yehoud-Desel, Rabbiner der jüdischen Gemeinde Münster , seine Zuhörer im Pfarrheim St. Petronilla. „Aufstehen!“ kam prompt die Antwort aus dem Publikum. „Wir Juden sagen danke. Wir danken dafür, dass alle Teile unserer Seele nach dem Schlaf in den Körper zurückgekehrt sind“, erklärte Yehoud-Desel. „Bis ein gläubiger Jude das Haus verlassen hat, hat er bereits hundertmal ‚Danke’ gesagt – denn nichts ist selbstverständlich“.

Fröhlich und aufgeräumt gab der Rabbiner Einblicke in den theologischen Hintergrund und den Alltag jüdischen Glaubens. Die Mitglieder der evangelischen und katholischen Gemeinden Handorfs fragten eifrig nach. Sie interessierten sich besonders dafür, wie sich das Gehörte im alltäglichen Leben niederschlägt; und für Unterschiede und Ähnlichkeiten zum eigenen Glauben. So schlossen sich recht lebenspraktische Fragen an die theologischen Ausführungen des Rabbiners an.

„Was sagt jemand, der schwer krank ist – auch danke?“ wollte eine Zuhörerin wissen. Yehoud-Desel antwortete mit einer Geschichte von Rabbi Akiva, der nach und nach all seinen Besitz verlor. Der Rabbi sagte jedes Mal „Gam zu le-tova. Auch das ist gut“, und der Verlust erwies sich später tatsächlich als Glücksfall. „Wir sind auf der Welt nur, um glücklich zu sein“, sagte Yehoud-Desel, „so vieles liegt in unserer Einstellung, denn wenn ich mich traurig mache, töte ich mich. Die Thora weist uns den Weg zur Glückseligkeit.“ Der Rabbi strahlte diese positive Lebenseinstellung selbst aus und führte unterhaltsam und heiter – wenn auch manchmal ohne klar zu erkennenden roten Faden – durch den Abend.

Die Pfarrer Jürgen Streuer und Christian Peters hatten ihn im Rahmen der Handorfer ökumenischen Gesprächsabende eingeladen. „Mit den Gesprächsabenden, zu denen auch Vertreter der muslimischen Gemeinden kommen, möchten wir ein wenig über den eigenen Kirchturm hinausschauen und voneinander lernen, wie Andere ihren Glauben im Alltag leben“, sagt Peters. Im Mai werde man gemeinsam die Synagoge besuchen.

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