JVA-Standort-Debatte
Nabu möchte Truppenübungsplatz unversehrt erhalten

Münster-Handorf -

Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb BLB lässt derzeit den Truppenübungsplatz Handorf als Standort eines Gefängnis-Neubaus prüfen – auch unter Aspekten des Naturschutzes. Dem Naturschutzbund Nabu genügt die Prüfung nicht; er möchte den naturräumlich attraktiven Standort unversehrt erhalten.

Dienstag, 31.12.2013, 09:12 Uhr

Hinter diesen Bäumen soll eine neue JVA gebaut werden. Der Nabu hingegen möchte die Fläche unversehrt erhalten.
Hinter diesen Bäumen soll eine neue JVA gebaut werden. Der Nabu hingegen möchte die Fläche unversehrt erhalten. Foto: spe

Der geplante Neubau eines Gefängnisses auf dem Truppenübungsplatz war das wichtigste Handorfer Thema des Jahres 2013. Die anfänglich sehr laut geführte Diskussion ist leise geworden: „Wir prüfen noch“, heißt es kategorisch beim Landesbaubetrieb BLB. Der Naturschutzbund Nabu hingegen hält nicht still: Er möchte den Gefängnisneubau in Handorf nach Möglichkeit verhindern. Darüber sprach WN-Redakteur Lukas Speckmann mit dem Diplom-Biologen Dr. Thomas Hövelmann vom Nabu Münster .

Wie bedeutend ist der Natur-Standort Handorf?

Hövelmann: Das ist wirklich ein Juwel: ein unzerstörter, unzerschnittener Freiraum, Rückzugsgebiet für viele gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Vor allem für Vögel wie Nachtigall, Baumpieper oder Schnatterente, aber auch für eines der größten Laubfroschvorkommen im Münsterland.

Die Fläche, um die es hier geht, war vor 70 Jahren einer der größten Militärflugplätze Europas . . .

Hövelmann: Für den Naturschutz ist das kein Problem. Wir leben in einer Kulturlandschaft. Praktisch jede Fläche, die in Münster für den Naturschutz relevant ist, hat sich aus menschlicher Nutzung entwickelt. Das gilt für die Heidelandschaft der Hohen Ward genauso wie für die Rieselfelder, die mal eine Kläranlage waren.

Aber ist denn der Boden in Handorf nicht zu sehr belastet?

Hövelmann: Die Nachtigall stört es nicht, wenn da eine Bombe im Boden liegt.

Vor dem Bau des Flugplatzes war das Land in Bauernhand. Also nicht unberührt.

Hövelmann: Das war zu einer Zeit, als die Landwirtschaft noch nicht so intensiv betrieben wurde wie heute, die Böden sind jedenfalls nicht schwer gedüngt worden. Für die Artenvielfalt ist ein möglichst magerer Boden entscheidend.

Das fragliche Gebiet umfasst etwa 500 Hektar. Lassen sich nicht 12 oder 15 Hektar abzwacken?

Hövelmann: 12 oder 15 Hektar tun schon weh. Aber so ein Gebäude hat Auswirkungen über die Grundfläche hinaus. Der Verkehr, die ständige Beleuchtung: Das ökologische Gefüge würde durcheinandergebracht, so auch beim Wasserhaushalt, von dem wertvolles Nass- und Feuchtgrünland und das Naturschutzgebiet „Feuchtgebiet Handorf“ mit seinem Laubfroschvorkommen abhängen.

Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb lässt derzeit auch die naturräumliche Bedeutung des Standorts prüfen.

Hövelmann: Die Fachkenntnis der Gutachter ist nicht anzuzweifeln. Wir stellen ihnen auch unsere Daten zur Verfügung.

Welche Möglichkeiten der Einflussnahme auf das Verfahren haben Sie?

Hövelmann: Wir können nur unseren Einfluss geltend machen: Wir führen Gespräche mit den Fraktionen mit dem Ziel, die Stadt Münster zur Verweigerung des gemeindlichen Einvernehmens zu bringen.

Aber das Land könnte sich über die Beschlüsse der Stadt hinwegsetzen . . .

Hövelmann: Das Land ist am gemeindlichen Einvernehmen sehr interessiert.

Wie erleben Sie die Haltung der örtlichen Politik?

Hövelmann: Es geht noch um Meinungsfindung. Wir stehen zum Beispiel im Kontakt zur CDU Handorf, die uns gebeten hat, die Alternativstandorte des BLB zu bewerten. Aus unserer Sicht spricht nichts gegen die Standorte am Rand von Sprakel oder Wolbeck. Aber das muss die Politik entscheiden.

Bei diesen Standorten handelt es sich um Ackerflächen. Davon sind die Landwirte nicht begeistert.

Hövelmann: Aber die Landwirte wissen, dass für einen Gefängnisbau in Handorf große Ersatzmaßnahmen fällig wären, mindestens 20 Hektar. Insofern sind Nabu und Landwirtschaftlicher Kreisverband einer Meinung, dass eine bereits versiegelte Fläche Vorrang haben sollte.

Wie geht es weiter mit dem JVA-Standort Handorf?

Hövelmann: Das Regionalplanänderungsverfahren wird nicht vor Mitte 2014 abgeschlossen sein. Aber die Pfosten werden vorher gesetzt; zurzeit finden die Hinterzimmergespräche statt, die Entscheidungen fallen jetzt.

Was wäre Ihre Entscheidung?

Hövelmann: Münster ist so groß – da muss sich doch eine Fläche finden lassen, die nicht gerade naturschutzwürdig ist. 

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