Truppenübungsplätze in Münster-Handorf
Spaziergang zwischen Bomben

Münster-Handorf -

Es gibt zwei Truppenübungsplätze in Handorf: „Handorf-Ost“ und „Dorbaum“. Während der erste außerhalb der Übungszeiten abends und am Wochenende betreten werden darf, ist der zweite grundsätzlich gesperrt. Nach Angaben der Bundeswehr liegen noch etliche Blindgänger im Boden.

Dienstag, 18.02.2014, 07:02 Uhr

 Betreten für Zivilisten verboten: Selbst für die Soldaten, die bei der Unteroffiziersschule des Heeres ausgebildet werden, ist der Übungsplatz Dorbaum nicht ohne. Aber die sind im Umgang mit Munition, Stacheldraht und Blindgängern ausgebildet.
 Betreten für Zivilisten verboten: Selbst für die Soldaten, die bei der Unteroffiziersschule des Heeres ausgebildet werden, ist der Übungsplatz Dorbaum nicht ohne. Aber die sind im Umgang mit Munition, Stacheldraht und Blindgängern ausgebildet. Foto: Bundeswehr/Uwe Schönbeck

Die gute Nachricht zuerst: Die Gegend ist wunderschön. Weite Flächen, dichtes Unterholz, einzelne Tümpel, gewaltige Baumriesen – und das alles so unberührt wie möglich. Auch das ungeübte Auge erkennt sofort, dass es sich um einen der schönsten Naturräume der Stadt handelt.

Jetzt die schlechte Nachricht: Die Gegend darf nicht betreten werden. Nein, auch nicht nach Feierabend oder am Wochenende – überhaupt nicht. Ausnahmslos streng verboten.

Das Problem: Fast niemand hält sich dran. Denn der „Standortübungsplatz Dorbaum “, nördlich der Lützowkaserne zwischen Ems und Werse-Mündung gelegen, wird offenbar allzu gern mit dem weiter südlich gelegenen Übungsplatz „Handorf-Ost“ verwechselt – und der darf außerhalb der Übungszeiten betreten werden.

Deshalb treffen die Feldjäger und Bundesforst-Beamten immer wieder auf Spaziergänger mit und ohne Hund, auf Reiter, Bogenschützen oder Marathonläufer, die die Natur genießen möchten. „Beim ersten Mal belassen wir es meist bei einer Verwarnung“, sagt Bundes-Förster Christian Melchior. „Beim zweiten Mal sind schon 65 Euro fällig.“

Die Spaziergänger stören die Soldaten bei ihren Übungen oder Prüfungen: Dieses Problem ist seit Jahren bekannt und wird immer wieder ergebnislos diskutiert. Doch in Dorbaum ist die Lage besonders brisant: Dieser Truppenübungsplatz untersteht erst seit wenigen Monaten der Bundeswehr , eine regelrechte Kampfmittelräumung habe dort nie stattgefunden. Und darum sei das Betreten einfach mordsgefährlich. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) als Eigentümerin gebe ihn ausdrücklich nicht frei, unterstreicht Melchior.

Die Grafik gibt die Standorte der beiden Truppenübungsplätze ungefähr wieder, erhebt aber keinen Anspruch auf äußerste Präzision. Im Zweifelsfall ist die Grenze des gesperrten Gebietes anhand der Warnschilder vor Ort erkennbar.

Die Grafik gibt die Standorte der beiden Truppenübungsplätze ungefähr wieder, erhebt aber keinen Anspruch auf äußerste Präzision. Im Zweifelsfall ist die Grenze des gesperrten Gebietes anhand der Warnschilder vor Ort erkennbar.

Das ist in „Handorf-Ost“ etwas anders. 1989 wurde dort der vorerst letzte Blindgänger entschärft, seit Kriegsende waren es 62. „Der Kampfmittelräumdienst vermutet 60 weitere Blindgänger im Boden“, berichtet Kasernenkommandant Dr. Heiner Bröckermann. Doch ohne ein konkretes Bauvorhaben – wie etwa die geplante JVA – werde nicht weiter danach gesucht. „Die Straßen und Wege sind sicher. Doch was 20 Meter entfernt im Boden liegt, weiß niemand.“

Für Dorbaum gelte diese Warnung erst recht. Weshalb das 400 Hektar große Areal mit 128 neuen Warnschildern gekennzeichnet wurde, als die Briten im vergangenen Herbst abzogen. Gefahr gehe nicht nur von den Blindgängern aus, sondern auch von Übungsmunition, Stacheldraht und ungesicherten Gebäuderesten.

Zutritt haben nur Soldaten, Naturschützer und Forstwirte in öffentlichem Auftrag – sowie der Eigentümer des letzten Hofes auf dem Gelände. Der hat eine Sondergenehmigung.

 

Was 20 Meter entfernt im Boden liegt, weiß niemand.

Oberstleutnant Dr. Heiner Bröckermann
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2238310?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F137%2F2572879%2F2572886%2F
Frau fühlt sich von Polizei im Stich gelassen
Mit dem so genannten Enkeltrick wollte ein Anrufer bei einer 65-jährigen Frau aus Beckum 20 000 Euro erbeuten.
Nachrichten-Ticker