Niedriger Pegelstand seit einem Jahr
Die Werse: ganz schön flach...

Münster-Ost -

Seit Jahrhunderten wird die Werse gestaut, nur deshalb ist sie an ihrem Unterlauf so breit und tief. Vor einem Jahr wurde wegen eines defekten Wehrs der Pegelstand gesenkt. Nun hat die Stadt die Qual der Wahl: Soll sie die Wehre oder den natürlichen Urzustand wiederherstellen?

Dienstag, 09.08.2016, 07:08 Uhr

Die Anlegestelle gegenüber der St.-Petronilla-Kirche ist zu einer respektablen Sandbank angewachsen. Gar nicht leicht, hier aus dem Boot zu steigen.
Die Anlegestelle gegenüber der St.-Petronilla-Kirche ist zu einer respektablen Sandbank angewachsen. Gar nicht leicht, hier aus dem Boot zu steigen. Foto: spe

Es ist nicht einfach, den Kurs zu halten. Gerade zwischen der Warendorfer Straße und der Brücke an der Boniburg liegen große Äste und ganze Baumstämme im Wasser, die bei so niedrigem Pegelstand am Boden des Kanadier-Bootes kratzen. Die Paddler in Bug und Heck müssen sich sehr konzentrieren, bis das Kanu knirschend freikommt. Die Enten im Uferschlick heben nicht einmal die Köpfe.

Vor einem Jahr musste das Tiefbauamt den Pegel der Werse um fast einen Meter senken – an der 50 Jahre alten Anlage des Wehrs Sudmühle waren schwere Schäden entdeckt worden. Ein plötzliches Versagen der Wehrklappe schien nicht ausgeschlossen. Damals hieß es, mit einer Reparatur sei 2016 zu rechnen.

Mittelfristiger Dauerzustand

Dann wurden auch Schäden an der Havichhorster Mühle und der Pleistermühle entdeckt. Mittlerweile erwartet die Stadt, dass frühestens 2017 ein Gesamtkonzept für die Werse vorliegt, dessen Umsetzung weitere Zeit in Anspruch nehmen wird. Das Niedrigwasser des Flusses wird also mittelfristig zum Dauerzustand. „Innerhalb von zwei Jahren wird sich nichts ändern“, meint Berthold Reloe vom Tiefbauamt.

Die Werse führt Niedrigwasser

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  • Vor einem Jahr wurde der Pegelstand der Werse um einen Meter abgesenkt. Foto: spe
  • Vor einem Jahr wurde der Pegelstand der Werse um einen Meter abgesenkt. Foto: spe
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  • Vor einem Jahr wurde der Pegelstand der Werse um einen Meter abgesenkt. Foto: spe
  • Vor einem Jahr wurde der Pegelstand der Werse um einen Meter abgesenkt. Foto: spe
  • Vor einem Jahr wurde der Pegelstand der Werse um einen Meter abgesenkt. Foto: spe

Unter der Sudmühlenstraße lässt es sich genau ablesen: Die schwarz-gelbe Pegellatte ist unerreichbar hoch am Brückenpfeiler befestigt. Ein so niedriger Wasserstand ist offenbar nicht vorgesehen, der Fluss müsste an dieser Stelle viel höher und viel breiter sein. Das Boot wendet und nimmt Kurs auf die Anlegestelle gegenüber der St.-Petronilla-Kirche: Was früher als geschmeidige Sandbank das Anlegen selbst für Anfänger zum Kinderspiel machte, ist heute eine respektable Steilküste, die erst erklommen sein will. Das ist zwar unbequem, aber trotz allem möglich.

Keine kurzfristige Lösung

Wo das Ufer halbwegs naturbelassen ist, macht sich das niedrige Wasser wenig bemerkbar: Der Ufersaum ist breiter, einige Bäume und Sträucher scheinen förmlich in der Luft zu hängen, an manchen Stellen ragen natürliche Hindernisse steil empor. Aber es gibt praktisch immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel, nur selten treffen die Stechpaddel auf Grund.

Wo allerdings die Bebauung bis ans Wasser reicht, bietet sich ein bizarres Bild: Bootsstege, die frei in der Luft hängen oder grotesk verbogen aufs Wasser ragen, dazu erstaunliche Mengen an Bauschutt: Betonpfeiler, Bordsteinplatten, Stahlträger. Hartwig Franke , der das Boot steuert, empört sich darüber: „Ich bin gespannt, ob sich nun etwas tut, oder ob man nach Reparatur des Wehrs die ganze Sauerei in gewohnter Manier durch Flutung den Blicken wieder entzieht“, sagt der passionierte Werse-Paddler.

Meinung

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Berthold Reloe kennt das Problem. „Was wir entsorgen können, machen wir“, versichert der Gewässerexperte. Auch Bäume mit freigelegten Wurzeln habe man kritisch im Blick. Allerdings werde die Stadt derzeit nicht eingreifen, schon gar nicht, wenn Fremdeigentum betroffen sei. Es gebe rund um die Werse zu viele Eigentümer-Interessen, die berücksichtigt werden müssten: „Das geht nur im Rahmen eines größeren Konzepts. Die ganz kurzfristige Lösung können wir nicht liefern, dafür ist die Aufgabe zu gewaltig.“

Planungsbüro prüft Optionen

Auf der einen Seite stehe eine enorme Investition an allen drei Wehren, auf der anderen Seite die europäische Wasserrahmenrichtlinie, derzufolge Fließgewässer für Fische und Kleinstlebewesen eigentlich durchgängig sein sollen. Demnach müssten die Wehre im Grunde zurückgebaut werden, was eine höhere Fließgeschwindigkeit und einen deutlich niedrigeren Wasserstand bedeuten würde – mit gravierenden Folgen für Bootshaus-Anlieger, Angler oder Freizeit-Paddler.

„An der Werse hat es sich eingependelt, dass man mit dem hohen Wasserstand lebt“, sagt Heiner Bruns, der Leiter des Umweltamts. Eine derart gewachsene Struktur könne man nicht einfach ändern, schließlich werde der Oberlauf schon seit Jahrhunderten aufgestaut – auch zum Zweck der Energieerzeugung an der Sudmühle und an der Havichhorster Mühle. Ein naturnaher Rückbau würde zudem bedeuten, dass der ursprüngliche, mäandernde Flussverlauf aus Gründen des Hochwasserschutzes wiederhergestellt werden müsste. Zahlreiche Grundeigentümer wären betroffen, von den immensen Kosten nicht zu reden.

Die Stadt habe das in Sachen Werse erfahrene Planungsbüro Koenzen mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt, berichtet Berthold Reloe. Geprüft werde nicht nur, was ein Neubau der Wehre kosten würde und wie er zu bewerkstelligen wäre – sondern auch, ob sich die Werse im Sinn der Wasserrahmenrichtlinie umgestalten lässt.

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