Diskussion um verkaufsoffenen Sonntag
Handorfer Herbst: Augenscheinlich ein Straßenfest

Münster-Handorf -

Wenn überhaupt ein verkaufsoffener Sonntag den strengen Kriterien der Rechtsprechung entspricht, dann der Handorfer Herbst – davon war man in der Verwaltung bislang fest überzeugt. Doch vermutlich wird die Stadt künftig auch in Handorf eine Messung der Besucherströme verlangen.

Dienstag, 25.10.2016, 08:10 Uhr

Beim Handorfer Herbst strömen Zehntausende Besucher über Handorfer Straße und Dorbaumstraße. Seit 1998 dürfen aus diesem Anlass die Geschäfte am Sonntag geöffnet werden – der Stadtrat wird im kommenden Dezemberer über eine Verlängerung der Genehmigung beraten.
Beim Handorfer Herbst strömen Zehntausende Besucher über Handorfer Straße und Dorbaumstraße. Seit 1998 dürfen aus diesem Anlass die Geschäfte am Sonntag geöffnet werden – der Stadtrat wird im kommenden Dezemberer über eine Verlängerung der Genehmigung beraten. Foto: Matthias Ahlke

Den Handorfer Herbst gibt es seit knapp 25 Jahren als Stadtteilfest am letzten Sonntag im September. Vor über 18 Jahren wiederum hat die Stadt den verkaufsoffenen Sonntag aus diesem Anlass genehmigt – für die Dauer von 20 Jahren, wie es bei „ordnungsbehördlichen Verordnungen“ dieser Art üblich ist. Den Veranstaltern von der Kaufmannsgilde Handorf wurde bereits vor einiger Zeit signalisiert, dass man sich bald um eine Verlängerung ab 2018 bemühen müsse.

Nun wirft die Diskussion um verkaufsoffene Sonntage in Münster auch auf den Handorfer Herbst ein neues Licht. Welche Chancen hat die sonntägliche Ladenöffnung entlang der Handorfer Straße in Zeiten von Bürgerentscheid und strenger Rechtsprechung ?

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Umsatz spielt nicht die Hauptrolle

Wolfgang Heuer zeigt sich auch nach den jüngsten Entscheidungen des Verwaltungsgerichts verhalten optimistisch: „Der Handorfer Herbst hat gute Chancen – allemal bessere als andere“, sagt der städtische Ordnungsdezernent. Der bloße Augenschein spreche dafür, dass das Verhältnis von Käufern und Festbesuchern hier im Sinn der gesetzlichen Ausnahmeregelung sei.

Das sieht Angelika Schwakenberg , die Vorsitzende der Kaufmannsgilde, genauso. Der Schwerpunkt liege eindeutig beim Straßen- und Stadtteilfest: „Es geht nicht nur ums Verkaufen.“ Dabei sei der Handorfer Herbst für die Kaufleute wichtig, um den Stadtteil bekannt zu machen, das Image der überwiegend inhabergeführten Geschäfte zu stärken und die Kundenbindung zu pflegen.

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Der Umsatz spiele an diesem Tag nicht die Hauptrolle, meint Schwakenberg: „Früher war das anders, da wurde sonntags viel gekauft. Das hat sich geändert, seit es überall in der Region verkaufsoffene Sonntage gibt.“

Ordnungsamtsleiter Martin Schulze-Werner schüttet Wasser in den Wein: Nachdem die meisten verkaufsoffenen Sonntage vom Gericht für unzulässig erklärt worden seien, müsse die Stadt nun „von Amts wegen“ prüfen, ob die in der Vergangenheit ausgesprochenen Genehmigungen zur aktuellen Rechtslage passen.

Erhebung konkreter Zahlen unverzichtbar

Vermutlich werde die Kaufmannsgilde schon für 2017 nachweisen müssen, wie viele Herbst-Besucher als reine Festgäste und wie viele als Einkäufer nach Handorf kommen. Marketing-Institute seien auf die Erhebung solcher Zahlen spezialisiert, eventuell auf dem Weg einer Bürgerbefragung. „Wir hoffen, dass es gut geht. Aber ein Durchmarsch wird es nicht“, so Schulze-Werner.

Wolfgang Heuer betont, dass die Stadt das Ergebnis des Bürgerentscheids zu verkaufsoffenen Sonntagen abwarten und dann eine Vorlage erstellen werde, die vermutlich im Dezember auf der Tagesordnung des Rats steht: Es sei nicht undenkbar, dass im Fall Handorfs auf die Erhebung konkreter Zahlen verzichtet werden könne, wenn das vorliegende Material schon aussagekräftig genug sei.

Verdi-Geschäftsführer Bernd Bajohr, der sich zum Handorfer Herbst auf Anfrage unserer Zeitung nicht ausdrücklich äußern mochte, deutet immerhin an, dass die Gewerkschaft mit einem der Rechtsprechung gemäßen verkaufsoffenen Sonntag leben könne. Auch in Handorf. 

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