Umweltamt prüft Einwendungen
Haskenau: Großer Rotor für schwachen Wind

Münster-Ost -

Das Anhörungsverfahren ist abgeschlossen: Das städtische Umweltamt hat einen ganzen Katalog mit Einwendungen gegen das geplante Windrad Haskenau zusammengestellt. Die Details werden derzeit geprüft.

Dienstag, 17.01.2017, 09:01 Uhr

Etwa 200 Meter von dieser Infotafel der Wallburg Haskenau entfernt soll das 230 Meter hohe Windrad errichtet werden. 
Etwa 200 Meter von dieser Infotafel der Wallburg Haskenau entfernt soll das 230 Meter hohe Windrad errichtet werden.  Foto: Klemens Lindenblatt / Heimatgruppe

Es geht um ein Windrad neuen Typs. Die 4,2-Megawatt-Anlage „E 141“ der Auricher Enercon GmbH geht eben erst in Serie: Ein mit 230 Metern sehr großes Windrad, dessen Dimensionen darauf ausgelegt sind, den vergleichsweise zurückhaltenden Windgeschwindigkeiten im Münsterland so viel Energie wie möglich abzutrotzen.

Planung und Ausführung ist Sache der „Davertwind GmbH“ aus Hiltrup. Hauptinvestor ist die „Gerdemann GbR“, an der mehrere ortsansässige Landwirte beteiligt sind, wie Davertwind-Geschäftsführer Thomas Siepelmeyer erläutert. Beim Erörterungstermin im städtischen Umweltamt wurde das Projekt noch einmal vorgestellt – die Details seien fristgerecht veröffentlicht worden, wie Siepelmeyer betont.

Eine Illustration der Windenergieanlage E-141

Eine Illustration der Windenergieanlage E-141 Foto: ENERCON GmbH

In der Nabenhöhe von etwa 160 Metern wehe der Wind mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa sechs Metern pro Sekunde. Die Haskenau sei damit eine „Schwachwindzone“, kein Vergleich mit dem Wind an der Küste. Eine einzige große Anlage sei deshalb effektiver als mehrere kleinere; und am Standort, etwa 200 Meter südöstlich der Infotafel zur Wallburg Haskenau auf einem Acker gelegen, sei auch nur dieses eine Windrad geplant, unterstreicht Siepelmeyer. Er möchte so früh wie möglich bauen, am liebsten Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres. Es wäre eine von etwa 50 Anlagen dieses Typs im Münsterland, meint der Planer.

Zuvor allerdings muss das städtische Umweltamt die zahlreichen Einwendungen auswerten, die beim gut besuchten Anhörungstermin im Stadthaus 3 vorgebracht worden waren. Das Protokoll ist mittlerweile allen Beteiligten zugestellt. Demnach ist das Hauptargument der Kritiker der Eingriff ins Landschaftsbild: Es verändert sich völlig“, bestätigt Jochen Brinkheetker , der das Verfahren koordiniert.

Die Umgebung der Haskenau sei wichtiges Naherholungsgebiet, das Vorkommen sensibler Fledermausarten im alten Baumbestand unbestritten, und dass ein solches Windrad Schatten und Geräusche verursacht, müsse einkalkuliert werden. Derzeit werden die Einwände geprüft und gegebenenfalls ergänzende Meinungen angefordert. Wenn alle Fakten zusammengetragen sind, geht es laut Brinkheetker nur um die Frage: „Ist es öffentlich-rechtlich genehmigungsfähig?“ Wenn ja, müsse die Genehmigung erteilt werden. Bis Ende April sollte das Verfahren abgeschlossen sein.

Brinkheetker unterstreicht, dass im Fall einer Genehmigung vermutlich strenge Auflagen erteilt würden – vor allem die Laufzeiten mit Blick auf Vogel- und Fledermausschutz.

Kommentar: Schwieriges Abwägen

Es gibt viele Einwände gegen ein Windrad an der Haskenau. Der vielleicht wichtigste: Eine riesige Anlage soll ausgerechnet dort gebaut werden, wo es bislang weit und breit keine gab. Ein Präzedenzfall.

Diese Tatsache wurde von der Politik in Kauf genommen, als sie den Standort Haskenau als geeignet auswählte. Dass eine immissionsrechtliche Prüfung nun Einzelheiten zutage fördert, die diese vergleichsweise breit diskutierte politische Grundsatzentscheidung aushebeln könnte, ist zwar nicht unmöglich, aber doch unwahrscheinlich. Naherholung, Pferdehaltung, Denkmalschutz oder Rotmilan: Keines dieser Argumente war im Vorfeld völlig unbekannt.

In den kommenden Wochen sind die Experten gefragt. Sie sind in der wenig beneidenswerten Situation, zwischen Windenergie-Förderung und Naturschutz abwägen zu müssen – wohl wissend, dass es sich um verwandte Themen handelt. Beide Seiten haben starke Argumente. Das macht den Konflikt nicht einfacher.

 Lukas Speckmann

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