Flüchtlingsheim und Kita
Willingrott: Kahlschlag für den Neubau

Münster-Handorf -

Seit Jahren wird über den Neubau von Flüchtlingsheim und Kita am Willingrott kritisch diskutiert. Jetzt werden Tatsachen geschaffen: Das Grundstück wurde verkauft, der Bau soll im Mai beginnen.

Dienstag, 07.02.2017, 09:02 Uhr

Die wenigen Bäume und Sträucher auf dem Grundstück wurden von der Stadt gerodet. Im Mai soll der Bau beginnen.
Die wenigen Bäume und Sträucher auf dem Grundstück wurden von der Stadt gerodet. Im Mai soll der Bau beginnen. Foto: Reinhold Kringel

Die Anwohner des Wohngebiets am Willingrott werden sich von einer liebgewonnenen Grünfläche verabschieden müssen: Vor Kurzem hat die Stadt das nur spärlich bewachsene Grundstück roden lassen und es anschließend an die Wohn- und Stadtbau verkauft. Die wird, dem politischen Beschluss entsprechend, in den kommenden Monaten hier eine Zwei-Gruppen-Kita sowie eine Flüchtlingsunterkunft für 50 Personen errichten.

Die Baugenehmigung liegt vor; derzeit sei man mit der Ausschreibung für den Rohbau beschäftigt, berichtet Sandra Wehrmann , die Geschäftsführerin des städtischen Wohnungsbauunternehmens. Mit den Arbeiten werde voraussichtlich im Mai begonnen. Das ganze Bauvorhaben dürfte im nächsten Jahr abgeschlossen sein, abhängig von der Witterung im Winter: „Im Spätsommer 2018 können die Flüchtlinge einziehen“, meint Sandra Wehrmann.

Damit setzt die Stadt das Vorhaben unbeirrt um: Der schon vor über 15 Jahren vorgemerkte Standort war 2014 festgezurrt worden, vor etwa einem Jahr hat der Rat den Errichtungsbeschluss gefasst. Die letzte Bürgeranhörung zum Willingrott fand im Dezember 2015 statt: Die damals geäußerten Vorbehalte und Bedenken der Nachbarschaft konnten das Ganze nicht aufhalten. Das Bauordnungsamt bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung, dass eine Klage von vier Anwohnern gegen die Baugenehmigung vorliegt; sie hat nach Ansicht der Stadt „keine Aufschiebende Wirkung“.

Demnach wird das Vorhaben so umgesetzt, wie es vor über einem Jahr im Haus Münsterland vorgestellt worden war: Am Ostrand des Platzes entsteht ein mit der Schmalseite nach Nordosten ausgerichteter Baukörper aus fünf kleinen Reihenhäusern für jeweils zehn Bewohner. Die Kita , eine Einrichtung für 40 Kinder, wird an den nordwestlichen Rand des Grundstücks platziert. Die Pläne zeigen einen zweigeschossigen Flachdachbau.

Der Unmut über das Bauvorhaben ist groß: Immer wieder hatte die Nachbarschaft auf die engen Straßen und wenigen Parkplätze rund um den Willingrott hingewiesen, immer wieder hatte auch die Politik versucht, Alternativen aufzuzeigen oder das Projekt eine Nummer kleiner auszuführen. Sozialamtsleiterin Dagmar Arnkens-Homann betont die Notwendigkeit, feste Flüchtlingseinrichtungen dieser Art zu bauen. Der „Widerstand aus der direkten Nachbarschaft, wie wir ihn sehr häufig haben“, werde nachlassen, wenn der Bau abgeschlossen sei: „Es ist ein Haus wie jedes andere.“

Kommentar: Keine Kompromisse

Es gibt gute Gründe, von einem Flüchtlingsheim am Willingrott nicht begeistert zu sein. Es läge ähnlich weit draußen wie das seiner Abgelegenheit wegen viel kritisierte Heim in der Lützow-Kaserne. Und: Es würde gemeinsam mit der neuen Kita ein auf Kante genähtes Wohngebiet noch enger machen.

Warum es dennoch kommt? Weil die Stadt sehr darauf bedacht ist, bei der Flüchtlingsunterbringung den Proporz der Stadtteile zu wahren; weil das Grundstück als Gemeinbedarfsfläche einfach zur Verfügung steht; und weil der Bedarf an festen Einrichtungen auch in Zeiten sinkender Flüchtlingszahlen groß ist – die zahlreichen Unterbringungs-Provisorien halten nicht ewig. Auch das sind gute Gründe.

Offenbar haben Politik und Verwaltung keinen Spielraum für Kompromisse gesehen. Sie müssen nun mit juristischem Widerstand und schlechter Stimmung leben. Gemessen an der jahrelangen lebhaften Diskussion im Vorfeld ist das ein ernüchterndes Ergebnis.   Lukas Speckmann

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