Handorfer Ortskern in Gefahr
Ortskern von Handorf drohen einschneidende Veränderungen

Münster-Handorf -

Ein Neubau mit Wohnungen statt Lebensmittelmarkt und Gaststätte? Die Entwicklung in Handorfs Ortskern ruft Politik und Verwaltung auf den Plan.

Freitag, 24.02.2017, 10:02 Uhr

Die Zukunft des Ortskerns von Handorf ist nach Ansicht von Politik und Verwaltung durch ein Neubauprojekt an der Dorbaumstraße gefährdet. Das Vorhaben wurde durch eine Änderung des Bebauungsplans zurückgestellt.
Die Zukunft des Ortskerns von Handorf ist nach Ansicht von Politik und Verwaltung durch ein Neubauprojekt an der Dorbaumstraße gefährdet. Das Vorhaben wurde durch eine Änderung des Bebauungsplans zurückgestellt. Foto: Reinhold Kringel

Dem Ortskern von Handorf drohen einschneidende Veränderungen: Der Stadtverwaltung liegt ein Bauantrag vor, wonach das Gebäude-Ensemble an der Ecke Sudmühlenstraße/Dorbaumstraße abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden soll. Vorgesehen sind darin ausschließlich Wohnungen. Im Klartext: Für die Gaststätte „Wersehof“ und den Edeka-Markt Rotthowe gäbe es an diesem Standort keine Zukunft.

Stadtrat ändert vorsorglich Bebauungsplan

Politik und Stadtverwaltung sind in großer Sorge: Dieses Bauvorhaben würde „die Funktionsfähigkeit des zentralen Versorgungsbereiches von Handorf absehbar grundsätzlich in Frage stellen“ – so heißt es in einer Vorlage des Stadtplanungsamts. Der Rat der Stadt beschloss am Mittwochabend einstimmig, den Bebauungsplan so zu ändern, dass der Bauantrag einstweilen zurückgestellt werden kann.

Jörn Möltgen : „Für Münster-Ost ist das extrem wichtig“

Die zuständige Bezirksvertretung Münster-Ost war zuvor in dieser Sache nicht gehört worden. Oberbürgermeister Markus Lewe verteidigte das ungewöhnliche Vorgehen und die verkürzte Beratung: „Sonst wäre es zu einer Dringlichkeitsentscheidung gekommen“, betonte er. Der stellvertretende Bezirksbürgermeister Jörn Möltgen erhob keinen Einwand: „Für Münster-Ost ist das extrem wichtig.“ Der Einzelhandel im Ortskern insgesamt sei in Gefahr.

„Es handelt sich um einen Sicherungsbeschluss“, erläuterte Siegfried Thielen, Dezernent für Planungs- und Baukoordination. „Es soll sichergestellt werden, dass an dieser Stelle nichts geschieht, was den Interessen des Ortes zuwiderläuft.“ Das betreffe den übrigen Einzelhandel im Ortskern ebenso wie die städtebauliche Qualität, vor allem aber die Nahversorgung: Es gibt nur im Handorfer Wohngebiet einen weiteren, allerdings kleinen Lebensmittelmarkt sowie einen Discounter in Handorf-Dorbaum. Der Plan, in dessen Nachbarschaft einen weiteren Vollversorger anzusiedeln, scheiterte bislang am Widerstand der Bezirksregierung.

Bauantrag mit Plan B

Kaufmann Friedhelm Rotthowe, selbst Handorfer, verweist auf den bestehenden Mietvertrag. Er würde gern am Standort Dorbaumstraße bleiben und die Verkaufsfläche noch vergrößern, sagt er.

Das Grundstück gehört der Familie Theves, den Betreibern des Wersehofs: Erika Theves versichert, dass bislang noch gar keine endgültige Entscheidung über einen Neubau gefallen sei: „Der Wersehof soll grundsätzlich weiterbestehen“, betont sie. Die nächste Generation werde den Betrieb übernehmen. Für den Fall, dass eine Nachfolgeregelung schwierig geworden wäre, hätte man mit dem Bauantrag einen Plan B entwickelt. „Damit wir wissen, welche Möglichkeiten bestehen.“

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