Umweltamt bestimmt Abschaltzeiten
Windrad Haskenau: Schonzeit für den Großen Abendsegler

Münster-Ost -

Windrad und Fledermaus – das ist keine glückliche Verbindung. Für das genehmigte Windrad an der Haskenau hat das Umweltamt umfangreiche Abschaltzeiten bestimmt, denn dort gibt es viele Fledermäuse.

Dienstag, 18.04.2017, 12:04 Uhr

Viele Fledermaus-Arten leben an der Haskenau.
Viele Fledermaus-Arten leben an der Haskenau. Foto: dpa

„Wir haben keinen Spielraum“, betont Jochen Brinkheetker vom städtischen Umweltamt : Der Investor des 230-Meter-Windrads an der Haskenau habe einen Anspruch auf Genehmigung seines Projekts, wenn der Antrag genehmigungsfähig sei. Und genehmigungsfähig ist er – das habe die von Brinkheetker koordinierte Prüfung ergeben.

Knapp vier Monate lang hat sich das Umweltamt mit dem Projekt und den zahlreichen Einwendungen dagegen beschäftigt. Es ging um Immissionsschutz, Naturschutz, Denkmalschutz – aber auch um wasserrechtliche und luftfahrtrechtliche Fragen: „Alles spielt eine Rolle, alles wird geprüft“, unterstreicht Johannes Wißen vom Umweltamt. Außergewöhnlich sei das Verfahren vor allem wegen der großen Zahl an Beteiligten gewesen, zu denen neben der Denkmalschutzbehörde auch die Bundeswehr gehörte, deren Truppenübungsplatz Dorbaum an den geplanten Standort grenzt.

Ansonsten habe es sich um „eine eher übliche Prüfung“ gehandelt, sagt Wißen. Was etwa den Schallschutz betreffe, müsse der Betrieb des Windrads nicht einmal nachts eingeschränkt werden, weil sämtliche Richtwerte auch ohne Abschaltung eingehalten würden. Nicht, dass die Anlage keinen Schall produziere – aber sie sei so weit abgelegen, dass die Immission nicht wahrgenommen werden könnte.

Allerdings gebe es doch ungewöhnlich lange Abschaltzeiten : Sie betreffen den Fledermausschutz. Der Wald rund um die Wallburg Haskenau ist ein wichtiger Lebensraum für Fledermäuse, berichtet Nabu-Fledermausexperte Dr. Carsten Trappmann: „Die Haskenau ist das Jagdgebiet des Großen Abendseglers, auch die Rauhautfledermaus kommt dort vor.“ Nach Eingabe des Nabu wurden die üblichen Schutzzeiten von Anfang April bis Ende Oktober auf die Zeit von Anfang März bis Ende November ausgeweitet. In diesen neun Monaten muss die Anlage von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang abgeschaltet werden; allerdings nur dann, wenn die Temperatur über zehn Grad beträgt, wenn es nicht regnet und wenn der Wind mit weniger als sechs Meter pro Sekunde weht. Also genau dann, wenn Fledermäuse auf Jagd gehen.

Allen am Verfahren Beteiligten – also auch denen, die Einwände gegen das Windrad erhoben hatten – werde ein Durchschrift der Genehmigung zugestellt, sagt Jochen Brinkheetker. Die Veröffentlichung im Amtsblatt ist für den 28. April geplant.

Kommentar: Politische Entscheidung

Es ist kein Zufall, dass die meisten münsterischen Windräder im Westen der Stadt stehen. Denn im Osten, vor allem zwischen Ems und Werse, gibt es die schützenswertesten Naturräume weit und breit. Das ist nicht zuletzt eine Folge der über 80-jährigen militärischen Nutzung. Seit dem Bau des Flughafens in den 30er-Jahren, der schnell zu einem der größten Luftwaffenstützpunkte des Landes wurde, ist der Boden nicht mehr landwirtschaftlich bearbeitet worden. Mehr Ursprünglichkeit und Naturbelassenheit geht nicht. Das hat sich nach der Debatte um den gescheiterten JVA-Neubau auf dem Truppenübungsplatz Handorf-Ost immerhin so weit herumgesprochen, dass eine Windenergiezone dort nicht mehr infrage kam. Aber die unmittelbar benachbarte und ähnlich artenreiche Haskenau in dieses Gebiet miteinzubeziehen, ist trotz Naturschützer-Protest niemandem eingefallen. Dass dort nun aller Voraussicht nach ein großes Windrad gebaut wird, ist die Folge einer politischen Entscheidung, die die Interessen des Klimaschutzes letztlich über die des Artenschutzes stellt. Diese Interessen sind eng verwandt, das war kein leichtes Abwägen. Nun wird sich der Große Abendsegler wohl mit den Laufzeiten arrangieren müssen. Sie sind vergleichsweise fair. Lukas Speckmann

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