Fledermausschutz
Windrad Haskenau: Nabu fordert strengere Auflagen

Münster-Ost -

Für jagende Fledermäuse können Windräder zur tödlichen Falle werden – und an der Haskenau leben viele Fledermäuse. Dem Nabu gehen die von der Stadt für den Windrad-Betrieb beschlossene Abschaltregelung nicht weit genug. Sie sei nicht ausgereift und nicht an große Windräder angepasst, heißt es.

Mittwoch, 26.04.2017, 09:04 Uhr

Jagende Fledermäuse können Windrad-Rotoren zum Opfer fallen.
Jagende Fledermäuse können Windrad-Rotoren zum Opfer fallen. Foto: dpa

Windrad-Rotoren machen Fledermäusen das Leben schwer – und die Haskenau ist Lebensraum mehrerer Fledermausarten. Das an diesem Standort geplante 230-Meter-Windrad soll sich darum künftig von März bis Oktober bei Dunkelheit nur dann drehen, wenn es nicht regnet, die Temperatur mehr als zehn Grad und die Windgeschwindigkeit mehr als sechs Meter pro Sekunde beträgt. So hat es das Umweltamt, wie berichtet, in seiner Betriebsgenehmigung vorgesehen.

Von einer „Schonzeit für den Großen Abendsegler“ möchte Dr. Carsten Trappmann , Fledermausexperte beim Naturschutzbund Nabu dennoch keinesfalls sprechen. Zwar habe der Nabu die Verlängerung der Fledermaus-Abschaltzeiten an der Haskenau gefordert. Die Maßnahmen seien jedoch keineswegs ausreichend, so Trappmann; selbst wenn sie komplett umgesetzt würden, wären Fledermäuse gefährdet. Der Nabu und besonders die AG Fledertierschutz sehen das Projekt nach wie vor sehr kritisch.

Die vom Land vorgegebenen Rahmenbedingungen bezögen sich auf kleinere Windenergieanlagen , wie sie von 2005 bis 2012 gebaut worden seien. Deshalb habe der Nabu eine höhere Schwelle der Windgeschwindigkeit von wenigstens 7,5 Metern pro Sekunde für das Anlaufen des Windrades verlangt: Denn der Wind werde künftig in 150 Metern Höhe gemessen, wo er stärker wehe als in der für Fledermäuse relevanten Höhe von 100 Metern. „Somit sind nach wie vor Arten wie der Große Abendsegler oder die Rauhhautfledermaus aktiv, während sich das Windrad bereits drehen darf“, warnt Trappmann. Darüberhinaus habe der Nabu eine umfangreiche akustische Erfassung im Rotorbereich gefordert.

Die AG Fledertierschutz habe sich schon während der Diskussion über Windenergiezonen und auch beim öffentlichen Genehmigungsverfahren deutlich gegen den Standort Haskenau ausgesprochen. „Nachdem aber offensichtlich war, dass politisches Interesse die Genehmigung ermöglichen wird, wurden fachliche Forderungen an den Betriebsmodus und die Untersuchungen am Standort formuliert“, sagt Trappmann. „Insofern sieht der Nabu Münster keine Schonzeit für Fledermäuse und wirkt im Hintergrund an höheren Auflagen, die im Rahmen des Bundes-Immissionsschutzgesetzes nachträglich noch eingeführt werden können.“

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