Die Landtagswahl in Münster-Ost
Direkter Draht von Gelmer nach Düsseldorf

Münster-Ost -

Bislang hatte Handorf zwei ständige Vertreter im Düsseldorfer Landtag. Doch der eine tritt nun landespolitisch kürzer, der andere wurde abgewählt. Die neue Landtagsabgeordnete für Münster-Ost kommt aus Gelmer.

Montag, 15.05.2017, 19:05 Uhr

Aus Gelmer: Simone Wendland gewinnt die Wahl.Aus Gelmer: Simone Wendland gewinnt.
Aus Gelmer: Simone Wendland gewinnt die Wahl.Aus Gelmer: Simone Wendland gewinnt. Foto: Oliver Werner

Der Stadtbezirk Münster-Ost behält einen direkten Draht nach Düsseldorf. Doch die Leitung endet künftig nicht mehr in Handorf, sondern an der Gelmerheide: Mit Simone Wendland hat sich im Wahlkreis Münster-Nord die CDU-Kandidatin aus Gelmer klar gegen den bisherigen Landtagsabgeordneten Thomas Marquardt ( SPD ) aus Han­dorf-Dorbaum durchsetzen können.

Kampfabstimmung ist dabei offenbar nicht das passende Wort – auch weil das Ergebnis so eindeutig ausfiel: Die beiden politischen Konkurrenten kommen ganz gut miteinander klar. „Eigentlich ist das sehr einvernehmlich“, sagt die Siegerin – die bereits mit Thomas Marquardt telefoniert und eine gemeinsame Fahrt zum Landtag vereinbart hat.

Während Marquardt in Handorf in den vergangenen Jahren durchaus präsent war, wurde Simone Wendland bislang nur wenig als Kommunalpolitikerin aus Gelmer wahrgenommen. Ihr Rats-Wahlkreis liegt in Nienberge, und im Rat kümmert sie sich vor allem „um Bereiche, die nicht sehr nach außen wirken“, wie sie sagt. Dennoch fühle sie sich Gelmer, wo sie seit 1972 lebt, sehr verbunden: „Es ist immer noch heile Welt. Die Leute passen aufeinander auf.“

Politisch habe sich durch die Gründung der neuen Ortsunion Gelmer-Dyckburg, deren prominentestes Mitglied sie nun ist, viel geändert, betont Wendland. Die wichtigen Themen am Ort – die Schule, der Kanalausbau, das umstrittene Windrad Haskenau oder die Infrastruktur – könnten inzwischen ganz anders angegangen werden. Die neue Ortsunion sei fest „in der Nachbarschaft verankert“.

Für Thomas Marquardt, der vor fünf Jahren dem Handorfer CDU-Urgestein Josef Rickfelder das Mandat abgenommen hatte, bedeutet die Wahlniederlage das vorläufige Aus seiner politischen Tätigkeit. Als Stabsoffizier der Bundeswehr vor Kurzem pensioniert, will er sich nun neu orientieren. Auch Josef Rickfelder, der Anfang des Jahres doch noch in den Landtag nachgerückt war, wird sich aus der Landespolitik verabschieden. Damit verliert Handorf seine beiden ständigen Vertreter in Düsseldorf.

2012 war das Wahlergebnis knapp, diesmal nicht. In Gelmer, Mariendorf/Sudmühle und Handorf erzielte Simone Wendland jeweils um die 46 Prozent der Erststimmen, während Thomas Marquardt dort insgesamt unter 30 Prozent blieb. Am deutlichsten fiel das Ergebnis übrigens im heiß diskutierten Handorfer Ortskern, dem Stimmbezirk „Handorfer Straße“, aus: Hier entfielen auf Simone Wendland 50,2 Prozent der Stimmen, für Marquardt blieben nur 23,2 Prozent. Doch selbst in Marquardts bestem Handorfer Bezirk, „Heriburgstraße“, musste er sich der Herausforderin geschlagen geben (35 zu 42,2 Prozent).

Praktisch überall in Münster-Ost erzielten die beiden Kandidaten übrigens bessere Ergebnisse als ihre Parteien. Von den Zweitstimmen profitierte am deutlichsten die FDP, die in Gelmer, Dyckburg und Handorf satt zweistellige Ergebnisse um die 15 Prozent und mehr einfuhr; auch Grüne, Linke und die AfD kassierten ein paar Zweitstimmen. Nur bei den weit abgeschlagenen Piraten kam gar nichts davon an.

Kommentar: Impuls für Gelmer

Handorf ist daran gewöhnt, in der Bezirksvertretung, im Stadtrat aber nicht zuletzt im Landtag gut vertreten zu sein – zuletzt sogar mit jeweils eigenen Abgeordneten von SPD und CDU. Das ist spürbar: Der Ort spielt in der Politik eine nicht unbeträchtliche Rolle: Man sorgt sich um seine Infrastruktur, man beschleunigt den Ausbau der Umgehungsstraße, man pflegt den Bundeswehrstandort, man achtet darauf, was hier geschieht . . . Sollten sich die Akzente nun zumindest ein wenig in Richtung Gelmer/Dyckburg verschieben, wäre das durchaus ein Stückchen ausgleichender Gerechtigkeit. In Sachen Verkehr und Versorgung hat Gelmer zwar nur wenig zu verlieren – aber dafür steht im Zweifelsfall gleich sehr viel auf der Kippe. Die Gründung der eigenen Ortsunion hat der Kommunalpolitik im Stadtteil bereits einen Anschub gegeben, nun kommt die eigene Landtagsabgeordnete hinzu. Das kann durchaus hilfreich sein, wenn es darum geht, in der Stadt wahrgenommen zu werden.  Lukas Speckmann

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