Anlieger werden zur Kasse gebeten
Im Sundern: Ausbau kostet 700 000 Euro

Münster-Mariendorf -

Stadt und Stadtwerke informierten im Heidehof über ihre Pläne, die Straße „Im Sundern“ zu erneuern – die Anlieger werden sich an den Kosten beteiligen müssen.

Dienstag, 13.06.2017, 08:06 Uhr

Die Straße „Im Sundern“ wird 2018 saniert. Auf die Anlieger kommen enorme Kosten zu.
Die Straße „Im Sundern“ wird 2018 saniert. Auf die Anlieger kommen enorme Kosten zu. Foto: spe

Es geht um sehr viel Geld. Rund 10,50 Euro pro Quadratmeter „vervielfältigter Grundstücksgröße“ werden die Anlieger dafür zahlen müssen, dass die Stadt ihre kleine Straße „Im Sundern“ auf Vordermann bringt. Der Ausbau kostet insgesamt etwa 700 000 Euro, davon sind etwa 300 000 Euro umlagefähig. Im Klartext: Auf die Eigentümer können Beträge von 10 000 Euro oder mehr zukommen.

Keine Wunder, dass die vom stellvertretenden Bezirksbürgermeister Jörn Möltgen moderierte Informationsveranstaltung fast überfüllt war: Über zwei Stunden lang wurde im „Heidehof“ leidenschaftlich diskutiert und gestritten. Fazit: Die Baumaßnahme wird sich kaum aufhalten lassen – aber immerhin ist klar, dass die Anwohner gehört werden.

Zwei Positionen wurden an dem Abend deutlich: Die Zahl der Straßenlaternen im Sundern scheint auszureichen; mehr muss nicht sein, auch weil es dann teurer würde.

Und: Ein traditioneller Ausbau wie von der Stadtverwaltung favorisiert – rechts und links Bürgersteig, dazwischen eine schmale Fahrbahn – findet überhaupt keine Zustimmung. Die Anwesenden konnten sich viel eher eine Mischverkehrsfläche mit gepflastertem Seitenstreifen vorstellen; auch um die Zahl der Parkplätze vor der Tür nicht zu verringern. Das Stadtplanungsamt hat da einen gewissen Spielraum.

„Im Sundern“ ist die kleinere der beiden Mariendorfer Straßen. Erst seit 1984 ist sie voll erschlossen, seitdem wurde viel daran herumgeflickt, ihr Zustand gilt als abenteuerlich. Eine neue Trinkwasserversorgungsleitung, die vom Wasserwerk Hornheide bis zum Hohen Heckenweg führen soll, bringt den Stein nun ins Rollen. Wenn die Stadtwerke die Straße 2018 ohnehin aufgraben, packt die Stadt die Gelegenheit beim Zopfe.

Einige Anwohner verteidigten den ländlichen Charme der bröckelnden Straße: Die Stadtwerke könnten ihre Wasserleitung doch einfach in der benachbarten Wiese versenken. Berthold Reloe vom Tiefbauamt widersprach: Es liege im Ermessen der Stadt, über den Ausbau zu entscheiden, der früher oder später ohnehin gekommen wäre. Durch die Zusammenarbeit mit den Stadtwerken ließen sich die Kosten auch für die Anwohner begrenzen. Die Ersparnis soll bis zu 25 Prozent betragen. 

Kommentar zum Straßenausbau: Stellung beziehen

Man könnte die Geschichte so erzählen: Die Stadtwerke haben schlafende Hunde geweckt. Wären sie nicht mit ihrer Wasserleitung gekommen, hätte die Stadt den schlechten Zustand der Straße „Im Sundern“ glatt vergessen. Oder so: Was für ein Glück, dass sich die Stadtwerke mit ihrer Wasserleitung gemeldet haben! Ohne deren Vorarbeit wären die Anwohner irgendwann nicht mit 300 000, sondern mit 400 000 Euro zur Kasse gebeten worden. Günstiger geht es nicht. Dass die Stadt zum Ausbau berechtigt ist, steht außer Frage. Die Sundern-Eigentümer müssen tief in die Tasche greifen – für eine Leistung, auf die viele von ihnen bisher verzichten zu können glaubten. Sie tun gut daran, gegenüber Politik und Verwaltung deutlich Stellung zu beziehen, denn noch gibt es offenbar Spielraum. Bürgersteige, Freiburger Kegel oder Hochleistungslaternen sind im Mariendorfer Hinterland offenbar kein Thema. Parkplatznot, Raserei und Durchgangsverkehr hingegen schon.  Lukas Speckmann

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