Ausbau der B 51
Warendorfer Straße: Vier Spuren auf zwei Brücken

Münster -

Die Brücke der B 51 über die Werse ist brüchig und soll abgebaut werden. „Straßen-NRW“ möchte das etwa 100 Jahre alte Bauwerk im kommenden Jahr durch einen Neubau ersetzen. Es wird nicht die einzige Brücke an dieser Stelle bleiben.

Dienstag, 27.06.2017, 07:06 Uhr

Die Wersebrücke der B 51 (r.) ist fast noch älter als die Eisenbahnbrücke (l.). Sie muss dringend saniert werden.
Die Wersebrücke der B 51 (r.) ist fast noch älter als die Eisenbahnbrücke (l.). Sie muss dringend saniert werden. Foto: Oliver Werner

Für die Dauer der Erneuerung der Wersebrücke müssen nördlich der Straße eine 260 Meter lange Umfahrung und eine Ersatzbrücke gebaut werden.

Mit den Grundstückseigentümern hat sich darüber keine Einigung erzielen lassen – weshalb der Landesbetrieb die Planfeststellung für den Ersatzneubau beantragt hat: Noch bis zum 28. Juni liegen die Unterlagen bei der Stadt aus. Anschließend können noch zwei Wochen lang Einwendungen vorgetragen werden. Nach Abschluss des Verfahrens „ist die Bezirksregierung hoffentlich in der Lage, den Planfeststellungsbeschluss zu treffen“, meint Projektleiter Roland Krumm . „Gemeinwohl geht vor Alleinwohl.“

Zweite brücke bei vierspurigem Ausbau

In Teilen der Öffentlichkeit wird der Neubau auch deshalb mit einem gewissen Misstrauen bedacht, weil er als Indiz für den künftigen vierspurigen Ausbau der Warendorfer Straße zwischen Münster und Telgte gesehen wird. Wenn dieser Ausbau kommt, sei vorgesehen, eine zweite Brücke parallel neben die erste zu bauen, bestätigt Roland Krumm.

Vor Kurzem fand in der „Villa Rinaudo“ an der Warendorfer Straße eine Anliegerversammlung statt, zu der einige Geschäftsleute an der Gildenstraße eingeladen hatten. Ihr Thema: die künftige Vierspurigkeit.

Leidenschaftliche Gegner

Im Beisein mehrerer Lokalpolitiker referierten die beiden Vorsitzenden der „Bürgerinitiative B 51 Telgte e.V.“, Dr. Monika Rode und Philipp Halek, und sie sprachen leidenschaftlich gegen den Ausbau der 2,4 Kilometer langen Strecke zwischen Handorf und Telgte: Von den hohen Kosten und dem Flächenverbrauch abgesehen, würde sich an der Verkehrssituation kaum etwas ändern, denn die größere Straße würde nur neuen Verkehr anziehen.

Im Laufe des Gesprächs meldeten sich Gegner und Befürworter des Projekts zu Wort. Eine Einigung wurde allerdings nicht erzielt; auch weil sich nicht klären ließ, wie konkret die Planungen zum vierspurigen Ausbau überhaupt gediehen sind.

Wir sind in einem recht frühen Stadium.

Christian Müller, Landesbetrieb Straßen-NRW

Das weiß Christian Müller Abteilungsleiter Planung beim Landesbetrieb „Straßen-NRW“: „Wir sind in einem recht frühen Stadium. Vielleicht beginnt die sogenannte frühe Öffentlichkeitsbeteiligung noch in diesem Jahr.“ Das heißt, erst bei dieser Gelegenheit könne überhaupt ein Entwurf vorgelegt werden, der auch nur als Diskussionsgrundlage zu verstehen sei.

Wichtige Parameter sind vorgegeben

Andererseits sei das Gesamtprojekt – der vierspurige Ausbau der B 51/B 64 von Münster bis Rheda – Teil des im Dezember 2016 verabschiedeten Bundesverkehrswegeplans. Das heißt, einige wichtige Parameter seien vorgegeben. So soll die erweiterte Straße „anbaufrei“ sein; es soll also keine direkten Zufahrten geben, sondern Auffahrten.

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Es gebe noch intensiven Abstimmungsbedarf mit der Stadt und mit der Bahn, bevor ein Entwurf vorgelegt werden könne, betont Müller. Über dessen Details ließe sich öffentlich verhandeln. Bis der Ausbau der Warendorfer Straße kommt, würden allerdings noch einige Jahre vergehen.

Auch wenn es praktischer gewesen wäre: Mit der Erneuerung der Wersebrücke habe man darauf nicht warten können.

Kommentar: Auf die Spur kommen

Eine vierspurige Warendorfer Straße nach Telgte und Warendorf wird für Münster-Ost erhebliche Veränderungen mit sich bringen, Befürworter und Gegner des Projekts halten starke Argumente bereit.

Der Neubau der B 51-Wersebrücke geschieht zwar nicht im Rahmens des vierspurigen Ausbaus – ist aber dennoch ein Hinweis darauf, dass dieser Ausbau kommt: Der Bundesverkehrswegeplan sieht ihn vor, Ende des Jahres könnte ein erster Entwurf diskutiert werden. Und spätestens dann wird es ernst. Wer bei diesen Plänen konstruktiv mitreden oder sich dagegen in Stellung bringen will, sollte sich allmählich Gedanken darüber machen.

Wer jetzt sagt „Die haben doch alles schon längst entschieden“ liegt genauso daneben wie die Anhänger der Formel „Das liegt doch alles in ferner Zukunft“. Die Öffentlichkeit darf über dieses Vorhaben nicht erst stolpern, wenn es schon längst in trockenen Tüchern ist. Das Windrad an der Haskenau sollte ein warnendes Beispiel sein. Lukas Speckmann

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