Kirchenmusiker in St. Petronilla
Michael Austenfeld schlägt neue Töne an

Münster-Ost -

Ein Jahr lang suchte die Gemeinde St. Petronilla einen Kirchenmusiker, der die musikalische in den drei Kirchen in Handorf, Mariendorf und Gelmer koordiniert. Nun hat sie ihn gefunden: Michael Austenfeld  . . .

Dienstag, 15.08.2017, 06:00 Uhr
Michael Austenfeld an der Romanus-Seifert-Orgel in St. Petronilla. Der 39-jährige Kirchenmusiker trägt nun den Löwenanteil der Orgeldienste in Handorf, Dyckburg und Gelmer. Auch die Chorarbeit will er reformieren.
Michael Austenfeld an der Romanus-Seifert-Orgel in St. Petronilla. Der 39-jährige Kirchenmusiker trägt nun den Löwenanteil der Orgeldienste in Handorf, Dyckburg und Gelmer. Auch die Chorarbeit will er reformieren. Foto: spe

Noch wurde er seiner Gemeinde nicht hochoffiziell vorgestellt – doch seit Anfang Juni dürften die Gottesdienstbesucher in St. Petronilla, St. Mariä Himmelfahrt und St. Josef bemerkt haben, dass auffällig oft ein- und derselbe junge Mann auf den Orgelbänken der drei Kirchen Platz nimmt. Dabei ist Michael Austenfeld kein Unbekannter: Schon seit 2009 spielt er in der Dyckburgkirche, seit der Neuordnung der Gemeinde gehört er zum Organistenteam. Seit dem ersten Juni ist Austenfeld nun als hauptamtlicher Kirchenmusiker in St. Petronilla fest angestellt.

Über ein Jahr lang hat die Gemeinde um die Besetzung der Stelle ringen müssen: Michael Austenfeld ist mit 22 Stunden angestellt, außerdem ist er in der Servatii­kirche in der Innenstadt beschäftigt – und in Gelmer kennt man den 39-Jährigen als neuen Leiter des gemischten Chors der CTG Constantia . Künftig soll er neben dem Löwenanteil der Orgeldienste auch die Chorarbeit in der Gemeinde koordinieren – was seit den Tagen der im Mai 2010 verstorbenen Michaela Ratte niemand mehr hat leisten können.

Rund zehn Gottesdienste pro Woche – das ist das Rückgrat seiner Tätigkeit. Die erste große Herausforderung ist die Neuorganisation des Kinderchors, der „Singing Kids“, den er schon vor einiger Zeit übernommen hat – einen ersten Auftritt im Gottesdienst gab es auch schon. Mit Beginn des Schuljahrs möchte sich Michael Austenfeld in den Grundschulen vorstellen und um junge Stimmen werben. Das Ziel: zwei mindestens zehnköpfige Gruppen verschiedenen Alters mit Kindern der ersten und zweiten sowie der dritten und vierten Klassen.

Auch der Jugendchor soll wiederaufgelegt werden – weil junge Leute aber schwer von regelmäßigen Probenterminen zu überzeugen sind, möchte er mit einem Projektchor beginnen. In der Gemeinde St. Mauritz, seiner früheren Wirkungsstätte, habe er überdies gute Erfahrungen mit einem Spontanchor gemacht – man trifft sich eine Stunde vor Beginn der Messe und übt die Lieder. Das, meint Michael Austenfeld, sei eine gute Gelegenheit, neues Liedgut einzustudieren und das Repertoire zu erweitern. Eine eigene kleine Band für neue geistliche Lieder mit Klavier, Gitarre und Schlagzeug wäre die ideale Begleitung.

Seit 26 Jahren sitzt Michael Austenfeld an der Kirchenorgel. Als 13-Jähriger begann er in seiner Heimatgemeinde Delbrück-Steinhorst – und noch als Zivildienstleistender spielte er regelmäßig in Paderborn. Seine Kirchenmusiker-C-Ausbildung wurde durch die Diplomarbeit in Südafrika unterbrochen: Michael Austenfeld hat Biotechnologie studiert, und den gefährlichen „Gelbrost auf Weizen“ wollte er besser an Ort und Stelle untersuchen.

Trotz Diplom: Die Musikerlaufbahn erwies sich als die stärkere Tätigkeit. Austenfeld beendete 2016 seine musikalische Ausbildung am bischöflichen Kirchenmusik-Seminar bei Diözesanmusikreferent Ulrich Grimpe und war seitdem auf Honorarbasis in mehreren Kirchengemeinden tätig. Natürlich bildet die Musik Bachs und anderer bedeutender Komponisten alter Zeit einen Schwerpunkt seiner Tätigkeit – aber als eingefleischten Klassik-Fan mag sich Austenfeld nicht bezeichnen: Ihm gefällt vor allem die Neue Musik, und in seiner Freizeit fühlt er sich auch am Hawerkamp wohl.

Die Gemeinde darf sich offenbar auf neue Töne freuen . . . 

Kommentar: Der Bezirk bleibt im Takt

Münster-Ost ist musikalisch. Das Angebot der Westfälischen Schule für Musik im Stadtbezirk ist stark nachgefragt, die Schulen leisten gute musikalische Arbeit, zahlreiche Chöre sind aktiv. Und doch ist im Bereich der Stadtteilkultur derselbe Trend zu spüren, der das öffentliche Leben schon seit einiger Zeit prägt. Das Musikfest ­„MusicO“ ist schon lange nicht mehr gefeiert worden; Vereine werden immer älter oder lösen sich (wie der Spielmannszug) auf, jüngere Menschen mögen sich nicht mehr an feste Probezeiten binden – und sogar Grundschüler haben schon einen übervollen Terminkalender. Dazu kommt, dass die musikalisch Ehrgeizigen sich gleich in Richtung Innenstadt wenden – der Ruf etwa der Domsingschule spricht für sich. Insofern ist es gut, wenn in Münster-Ost ein fest angestellter Kirchenmusiker tätig ist. Ihm könnte es gelingen, nicht zuletzt Kinder und Jugendliche auch musikalisch im Stadtbezirk zu halten und so letztlich Traditionen zu bewahren. Das geht mit direkter Ansprache in Kita oder Schule, mit ungewöhnlichen Projekten und neuer Musik. Das Gute liegt nahe. Lukas Speckmann

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