Nach dem angekündigten Wersehof-Aus
„Bürgerzentrum“ für Handorf gefordert

Münster-Handorf -

Der Wersehof schließt zum 30. September – diese Nachricht versetzte die Handorfer Öffentlichkeit in Aufregung. Wie geht es weiter im Ortskern?

Dienstag, 06.02.2018, 08:02 Uhr

Nach dem Abriss des „Deutschen Vaters“ haben jetzt einige Anlieger am Petronillaplatz freien Durchblick zur Handorfer Straße. Nicht mehr lange: Wo derzeit die schweren Baumaschinen zupacken, soll innerhalb eines Jahres ein Neubau entstehen, der auch ein Bistro-Café beherbergt.
Nach dem Abriss des „Deutschen Vaters“ haben jetzt einige Anlieger am Petronillaplatz freien Durchblick zur Handorfer Straße. Nicht mehr lange: Wo derzeit die schweren Baumaschinen zupacken, soll innerhalb eines Jahres ein Neubau entstehen, der auch ein Bistro-Café beherbergt. Foto: Eltje Dörrie

Die angekündigte Schließung des Wersehofs hat die Debatte zur Zukunft Handorfs erneut befeuert. Der bevorstehende Verlust auch der letzten traditionellen Dorfkneipe samt großem Saal wird auch deshalb als bedrohlich empfunden, weil der Ort damit innerhalb weniger Monate nach dem Aus von Haus Münsterland und „Deutschem Vater“ vor vollendete Tatsachen gestellt wird.

„Das alles ist sehr geballt gekommen“, meint Bezirksbürgermeisterin Martina Klimek , die den Verlust des Wersehofs „sehr bedauert“, die Entscheidung der Wirte jedoch respektiert, wie sie sagt. Die Handorfer CDU setze nun auf ein „Bürgerzentrum“ – nicht zuletzt auf die Idee, den Saal von Haus Münsterland wiederzubeleben.

Sie hoffe vor allem auf ein Ende der Negativ-Debatte; das unverwechselbare Image vom „Dorf der großen Kaffeekannen“ solle nicht leichtfertig aufgegeben werden. Die angekündigte Neueröffnung eines Cafés mit kleinem Veranstaltungsraum und Außengastronomie sei ein Schritt in die richtige Richtung.

'">

Dörfliches Flair gefährdet?

„Die Zeit läuft uns gerade davon“, meint hingegen SPD-Ratsherr Ludger Steinmann. Schon die weitere Nutzung der temporären Flüchtlingseinrichtungen als Unterrichts- oder Versammlungsräume hätte die angespannte Situation entlasten können. Die SPD plädiere nach wie vor für einen Masterplan, der die Belange des wachsenden Stadtteils berücksichtige – schließlich müssten in Handorf weitere neue Wohngebiete entwickelt werden, so Steinmann. „Dazu braucht man einen attraktiven Ortskern, der auch als solcher wahrgenommen wird.“

Bezirksvertreter Peter Hemecker unterstreicht, dass er schon lange gefordert habe, aus Haus Münsterland ein öffentliches Bürgerzentrum zu machen. Der Piraten-Politiker kritisiert die münsterische Stadtplanung: „Der ausschließliche Fokus auf Wohnbebauung, und das am liebsten durch gewerbliche Investoren, macht jedes dörfliche Flair zunichte.“

„Deutscher Vater“: Bilder vom Abriss

1/10
  • Das Handorfer Traditionslokal "Deutscher Vater" wird abgerissen. Foto: Oliver Werner
  • Das Handorfer Traditionslokal "Deutscher Vater" wird abgerissen. Foto: Oliver Werner
  • Das Handorfer Traditionslokal "Deutscher Vater" wird abgerissen. Foto: Oliver Werner
  • Das Handorfer Traditionslokal "Deutscher Vater" wird abgerissen. Foto: Eltje Dörrie
  • Das Handorfer Traditionslokal "Deutscher Vater" wird abgerissen. Foto: Eltje Dörrie
  • Das Handorfer Traditionslokal "Deutscher Vater" wird abgerissen. Foto: Eltje Dörrie
  • Das Handorfer Traditionslokal "Deutscher Vater" wird abgerissen. Foto: Eltje Dörrie
  • Das Handorfer Traditionslokal "Deutscher Vater" wird abgerissen. Foto: Eltje Dörrie
  • Das Handorfer Traditionslokal "Deutscher Vater" wird abgerissen. Foto: Eltje Dörrie
  • Das Handorfer Traditionslokal "Deutscher Vater" wird abgerissen. Foto: Eltje Dörrie

Verschiedene Projekte im Gespräch

Jörg Krause vom Stadtplanungsamt betont hingegen, dass es seit Längerem „konstruktive Gespräche“ mit Investoren und Eigentümern in Handorf gebe. Die Stadt verfolge das Ziel, die Nutzungsmischung im Ortskern zu gewährleisten und den Einzelhandel zu stärken. Durchaus erfolgreich: Eine reine Wohnbebauung an der Dorbaumstraße sei mittlerweile ebenso vom Tisch wie ein Lebensmittelmarkt am Ortsrand.

Wie aus dem Stadthaus zu hören ist, ist die Planung für einen neuen größeren Lebensmittelmarkt am Standort von Edeka Rotthowe auf gutem Weg: Nach dem Planungsausschuss wird sich auch die Bezirksvertretung Ost Anfang März mit den Plänen ausführlich beschäftigen – allerdings nichtöffentlich.

Mehr zum Thema

Handorf verliert auch den Wersehof:  Schließung für Ende September angekündigt

Handorf ohne Wersehof:  Kommentar zum Thema

„Deutscher Vater“:  Abbruch eines Handorfer Originals

Notnagel Bürgerzentrum:  Kommentar zum Handorfer Ortskern

...

Für ein Bauprojekt auf der östlichen Seite der Handorfer Straße laufe mittlerweile beim Bauordnungsamt ein Genehmigungsverfahren, das ebenfalls noch nicht spruchreif ist. Beim CDU-Neujahrsempfang war davon die Rede, dass mit einem Drogeriemarkt an dieser Stelle zu rechnen sei.

Einen Vorteil habe die ganze Debatte, meint Bezirksbürgermeisterin Klimek: „Früher waren es andere Stadtteile, jetzt ist Handorf im Fokus der Verwaltung.“

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5489755?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F137%2F
So wundervoll ist der goldene Herbst im Münsterland
Video: Indian Summer: So wundervoll ist der goldene Herbst im Münsterland
Nachrichten-Ticker