Bewährungsstrafe für Kleinkriminellen
Angeklagter verbrachte vier Jahre in einer Waldhütte

Münster -

Ein 24-Jähriger verbrachte nach dem Rauswurf aus dem Elternhaus vier Jahre in einer selbstgebauten Waldhütte in Handorf. In dieser Zeit beging er diverse kriminelle Taten, etwa Diebstahl- und Drogendelikte. Dennoch gab ihm der Vorsitzende Richter eine Chance und setzte die geforderte Haftstrafe zur Bewährung aus.

Mittwoch, 01.08.2018, 20:03 Uhr

 
  Foto: dpa

Seine Anwältin äußerte für den 24-jährigen Angeklagten eine positive Prognose – trotz all der „Baustellen“, die sein Leben stark negativ beeinflussen: „Er ist eigentlich ein Kämpfertyp.“ Das erkenne man schon daran, dass er sich nach dem Rauswurf aus dem Elternhaus selber eine Waldhütte in Handorf gebaut und dort vier Jahre lang gelebt habe. „Das prägt.“

Der Vorsitzende Richter am Landgericht sah das offenbar ebenso; er folgte der Forderung des Staatsanwalts nicht, den Angeklagten eine neunmonatige Haftstrafe antreten zu lassen. Diese wurde stattdessen für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Für den 24-Jährigen war in den vergangenen Jahren einiges zusammengekommen. Der Richter verlas es im Schnelldurchlauf: diverse Diebstähle und Drogendelikte, welche die Staatsanwaltschaft seinerzeit aber wegen Geringfügigkeit nicht weiter verfolgt hatte. Schwerwiegender war das Delikt der „tätlichen Beleidigung“ gegen zwei junge Frauen an einer Bushaltestelle. Heißt: Verbal-Attacken und Spucken aufs Handgelenk.

Der Angeklagte versicherte, das alles tue ihm leid. Die Diebstähle seien nur erfolgt, um sein Überleben zu sichern. In der Tat war es in der Handorfer Waldhütte im vergangenen harten Winter so kalt, dass ein Erfrieren möglich gewesen wäre, versicherte die Anwältin. Nur durch kurzfristiges Obdach bei Freunden sei ihr Mandant davor bewahrt worden.

Seine Bewährungshelferin lobte den Angeklagten – er habe sich regelmäßig zum Gespräch eingefunden. Einen qualifizierten Schulabschluss hat der junge Mann allerdings nicht, ebenso wenig eine Berufsausbildung. Eine Tätigkeit im Lager- und Logistikbereich kann er sich vorstellen.

Geholfen hat ihm offenbar die Betreuung durch den „ViP“ (Verein sozial-integrativer Projekte), der dem 24-Jährigen mittlerweile auch betreutes Wohnen ermöglicht. Noch aber fehlt es ihm an Aufgaben und Struktur. Der Richter sagte, Partys oder Alkohol am Wochenende wolle er einem jungen Mann nicht versagen – aber: „Es muss jetzt ein Anfang gemacht werden!“ Er müsse die Bewährungs-Auflagen einhalten und sich bemühen. Ansonsten könne die Bewährung auch wieder aufgehoben werden.

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