„Errichtungs- und Baubeschluss“
TSV: Der Neubau nimmt die erste Hürde

Münster-Handorf -

Der TSV Handorf darf auf neue Sportanlagen hoffen. Als erstes politisches Gremium stimmte die Bezirksvertretung Ost dem „Errichtungs- und Baubeschluss“ zu. Die Stadt will an der Hobbeltstraße rund zehn Millionen Euro investieren. Auch für das großzügig dimensionierte Vereinsheim gibt es einen stattlichen Zuschuss.

Mittwoch, 05.09.2018, 16:42 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 04.09.2018, 08:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 05.09.2018, 16:42 Uhr
Im Bauausschuss des Vereins wird seit Jahren über das Neubauprojekt diskutiert.
Im Bauausschuss des Vereins wird seit Jahren über das Neubauprojekt diskutiert. Foto: Regina Robert/Grafik: Stadt Münster

Für Handorf und den TSV ist es eine der wichtigsten Entscheidungen der vergangenen Jahrzehnte: Die Bezirksvertretung Münster-Ost hat dem „Errichtungs- und Baubeschluss“ für die Verlagerung der TSV-Sportanlage am Kirschgarten und deren Neubau an der Hobbeltstraße zugestimmt. Es geht mehr als zehn Millionen Euro.

Gemessen am Gewicht dieses Vorhabens fällt die Diskussion geradezu mager aus. „Wir freuen uns, dass es endlich so weit ist“, sagt Bezirksvertreter Heinrich Möllers (CDU). „Wir freuen uns auch“, ergänzt Meinolf Sellerberg (Grüne). „Wir freuen uns auch“, bekräftigt Renate Schmitz (SPD) lächelnd.

Sonst noch jemand? Nein, Kurt Moths (FDP) zügelt seine Freude. Er habe diesen Umzug wegen der hohen Kosten immer kritisch gesehen: „Es ist keine Pflichtaufgabe der Stadt Münster; ich hoffe, dass sie finanziert werden kann.“ Widerspruch? Keiner. Die Vorlage geht einstimmig durch, der TSV-Vorsitzende Martin Heep nimmt das klare Votum zufrieden zur Kenntnis.

Zur Wahrheit gehört: Die BV Ost hat nicht wirklich mitzureden. Die Entscheidung wird am Mittwoch (5. September) im Sportausschuss gefällt und dann mit ziemlicher Sicherheit am 19. September vom Rat der Stadt bestätigt. Doch in der Sache gibt es nun keinen Klärungsbedarf mehr, nachdem der Bebauungsplan schon 2017 geändert und die Beschlussvorlage noch ein halbes Jahr lang durch alle politischen Gremien geschoben worden war.

Die Stadt Münster baut und bezahlt östlich der Hobbeltstraße eine neue Sportanlage, bestehend aus einem großen Rasenfeld mit Laufbahn, zwei Kunstrasenplätzen, einem kleineren Rasenspielfeld und zwei Tartanplätzen, dazu Umkleiden und Technikräume, Zufahrt, 130 Parkplätze und noch ein paar Kleinigkeiten. Das kostet 7,8 Millionen Euro. Anschließend wird die Anlage vom TSV Handorf übernommen, der für den Kunstrasen 100 000 Euro aus der Vereinskasse zuschießen muss. Der Rückbau der alten Sportstätten schlägt mit 640 000 Euro zu Buche.

Die Sportanlagen sollen im kommenden Jahr entstehen.

Die Sportanlagen sollen im kommenden Jahr entstehen.

Für den Verein fast noch bedeutsamer: Die Stadt beteiligt sich mit etwa 1,8 Millionen Euro am insgesamt doppelt so teuren Bau eines neuen Vereinsheims, das vom Architekten Jörgen Dreher entworfen wurde. Der Abstimmungsprozess zwischen dem Architekten, der Stadt und dem TSV-Bau­ausschuss war dabei so eng, dass nur noch über Details diskutiert werden müsse, sagt Martin Heep.

Das neue Vereinsheim dürfte als eine der größten öffentlichen Einrichtungen Handorfs noch an Bedeutung gewinnen: Im Erdgeschoss des L-förmigen Gebäudes werden die Geschäftsstelle sowie ein flexibler Multifunktionsraum für bis zu 300 Personen eingerichtet. Im Obergeschoss gibt es weitere Räume, in denen der Verein seine zahlreichen Kurse unterbringen wird; es soll ein regelrechtes „Gesundheitshaus“ werden. Theoretisch wäre auch eine Erweiterung nach Süden denkbar – wenn die Stadt Interesse an einem Versammlungsort für Handorf äußern sollte.

Zwischen dem Hauptgebäude und dem Technikgebäude soll ein überdachter Hof entstehen – Arbeitstitel: „Agora“ –, als Ort der Begegnung und der Kommunikation. „Wir wollen hier 2020 die Fußball-EM sehen – das ist das Ziel“, sagt Jörgen Dreher. Die Sportplätze selbst sollten bereits ein Jahr früher fertig sein.

Kommentar: Auf der Zielgeraden

Schon seit Jahren ist vom Umzug des TSV Handorf die Rede. Erst wurde die Idee gefeiert, dann der endgültige Erwerb des Bodens durch die Stadt und der erste Architekten-Entwurf, schließlich die Änderung des Bebauungsplanes. Alles wichtige Schritte – die aber den Umzug selbst noch nicht in Gang setzten.Nun aber geht es nicht mehr um Grundsatzerklärungen, sondern um mehr als zehn Millionen Euro. Wenn die Vorlage von Sportausschuss und Rat wie erwartet angenommen wird, kann es im nächsten Jahr losgehen. Es wird Handorfs größtes Infrastrukturprojekt, das zusammen mit dem Wandel im Ortskern, der Erschließung des neuen Baugebiets am Kirschgarten und dem Neubau der Umgehungsstraße das Erscheinungsbild des Ortes sehr verändern wird. Das Bürgerbad nicht zu vergessen, dessen Neubau in absehbarer Zeit erfolgen soll.Der TSV hätte sich sein Vereinsheim übrigens noch eine Spur größer vorstellen können: als öffentlichen Versammlungsort in Zeiten des Gaststättensterbens. Die Politik griff die Vorlage jedoch nicht auf, sondern konzentrierte sich auf den Erhalt von „Haus Münsterland“. Zu wissen, dass die Option auf einen weiteren Ausbau des neuen Vereinsheims in jedem Fall erhalten bleibt, wäre ein beruhigendes Gefühl.

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Lukas Speckmann

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