Noch keine Baugenehmigung für Neubau
Der Wersehof ist Geschichte

Münster-Handorf -

Erst der Deutsche Vater, dann Haus Münsterland, jetzt der Wersehof: In weniger als zwei Jahren hat Handorf drei Gasthäuser verloren. Die Wirtsleute luden zur großen Abschiedsfeier ein – und stießen auf viel Verständnis.

Dienstag, 02.10.2018, 11:59 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 02.10.2018, 09:59 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 02.10.2018, 11:59 Uhr
Noch keine Baugenehmigung für Neubau: Der Wersehof ist Geschichte
Der Wersehof Foto: spe

Was sagt ein Gastwirt, der vor 250 geladenen Gästen erklärt, warum er sein Gasthaus aufgibt? Erst mal nichts. Hermann Theves hatte den Satz „Diese Entscheidung war das Beste für uns und die Familie“ vorbereitet, aber es verschlug ihm die Stimme. Die Gäste warteten zwei oder drei Sekunden lang, dann setzte ihr Beifall ein – langer, herzlicher Beifall. Die Botschaft war klar: „Mach dir keine Sorgen. Wir finden es zwar schade, dass der Wersehof schließt. Aber wir können es auch verstehen . . .“

Der Wersehof ist seit Ende September endgültig Geschichte – und mit ihm die letzte traditionelle Dorfkneipe Handorfs. Die letzten Monate seien herausfordernd gewesen, meint Erika Theves. Zum einen habe es einen Andrang gegeben wie in der guten alten Zeit, als die Gäste nach dem Kirchgang in Dreierreihen hinterm Tresen standen – und da sei man schon ins Grübeln gekommen. Zum anderen hätten sich viele Stammkunden verabschiedet, nicht zuletzt Kegelclubs, die seit Jahrzehnten an der Dorbaumstraße spielten. „Da kommen schon die Tränen“, sagt die Wirtin.

Wir haben auch ein Recht auf Rente!

Erika Theves

Kein leichtfertiger Abschied

Und dennoch sei es die richtige Entscheidung gewesen: „Wir haben auch ein Recht auf Rente!“ Die junge Generation habe sich den Belastungen eines solchen Betriebs nicht stellen mögen – dem Fachkräftemangel, den behördlichen Auflagen, der Bürokratie, den unberechenbaren Arbeitszeiten, den veränderten Ansprüchen der Kundschaft.

Das habe selbst die Tradition des Hauses nicht mehr auffangen können: Die Gaststätte war seit 1919 in Familienbesitz, sie trug ihren Namen seit 1965, seit 1985 wurde sie von Erika und Hermann Theves geführt – so etwas gibt man nicht leichtfertig auf. „Wir bedauern es ohne Ende, dass Handorf die Dorfkneipe verliert“, beteuert Erika Theves.

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Erika und Hermann Theves ist der Abschied vom Wersehof nicht leichtgefallen – einer Gaststätte mit fast 100-jähhiger Familiengeschichte. An seinem Standort wird vermutlich ab 2019 ein Neubau mit Wohnungen und einem großen Supermarkt entstehen. Foto: -spe-

Wie geht es weiter? Für die beiden Wirtsleute in ihrem nur wenige Hundert Meter entfernten Hotel „Wersetürm’ken“; einen Teil des Personals hätten sie dorthin mitnehmen können, die anderen seien bereits untergebracht. Einen regelrechten Tagesbetrieb werde es dort nicht geben können, aber immerhin: Für 80 Gäste ist dort Platz, etwa zum Beerdigungskaffee. Das Hotelgeschäft sei wesentlich berechenbarer als ein Restaurantbetrieb mit Saal, man werde künftig mehr Freizeit haben und sich auch um die Familie kümmern können.

Abriss & Neubau

Dass der Wersehof mit allen Seiten- und Nebengebäuden an der Dorbaumstraße abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wird, steht bereits fest. Die Baugenehmigung sei beantragt, aber noch nicht bewilligt. Der Umgang mit der Stadt und ihren Wünschen sei nicht immer ganz leicht gewesen, sagen Erika und Hermann Theves, doch man habe sich letztlich auf ein Konzept geeinigt, das auch einen Investor habe überzeugen können.

Der wichtigste Punkt: Der Lebensmittelmarkt bleibt am Standort erhalten und wird sogar vergrößert – gerade dies war der Stadtplanung im Interesse des Ortskerns ein besonders wichtiges Anliegen.

Dass der alte und neue Betreiber dieses Marktes Friedhelm Rotthowe heißt, ist ein offenes Geheimnis. Derzeit sieht es so aus, als werde er seinen Markt am alten Standort noch bis Ende des Jahres dort betreiben. Mit Abriss und Neubau ist also wahrscheinlich erst 2019 zu rechnen.  

Kommentar

Ausgerechnet an seinen letzten Tagen hat der Wersehof gezeigt, was eine Dorfkneipe kann: Die Vereine stürzten sich auf den Saal, das Restaurant war ausgebucht, manchmal war nicht einmal mehr am Tresen ein freier Platz zu bekommen. Wäre es immer so gewesen – die Wirtsfamilie hätte sich wahrscheinlich nicht von ihrer Gaststätte getrennt. Doch es war ein Strohfeuer, dem nahenden Abschied geschuldet.

Mit dem Wersehof hat Handorf nun seinen öffentlichen Mittelpunkt verloren – eine Erfahrung, die Gelmer bereits 2012 nach dem Brand der Gaststätte Bussmann hat machen müssen. Ob das neue TSV-Vereinsheim oder vielleicht ein neuer Pächter im Haus Münsterland diese Lücke füllen kann, steht noch in den Sternen. Die Zeit für Neugründungen ist nicht eben günstig.

Entscheidend ist, dass die Nachfrage nicht nachlässt, dass Handorf von seinen Bewohnern weiterhin als Lebensmittelpunkt und nicht nur als ein Vorort von Münster verstanden wird. Ein neuer, größerer Supermarkt am Standort des Wersehofs wird dabei helfen. Gelmer hat sich in einer noch schwierigeren Ausgangssituation bislang gut geschlagen. Handorf hat wesentlich mehr Möglichkeiten. Es sollte gelingen. Lukas Speckmann

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