Umweltausschuss entscheidet über Machbarkeitsstudie
Stadt stellt Pläne zur Werse-Sanierung vor

Münster-Ost -

Seit über drei Jahren führt die Werse Niedrigwasser. So lange hat es gedauert, bis die Stadt mit Hilfe auswärtiger Planungsbüros ein Konzept für den Fluss und seine maroden Wehre entwerfen konnte. Klar ist jetzt schon: Die Sanierung wird sehr teuer.

Dienstag, 11.12.2018, 08:00 Uhr
Im Sommer 2015 musste der Pegel der Werse um knapp einen Meter gesenkt werden. Seitdem wird hinter den Kulissen eifrig berechnet, wie sich die teils maroden Wehre an Pleistermühle, Sudmühle und Havichhorster Mühle sanieren lassen.
Im Sommer 2015 musste der Pegel der Werse um knapp einen Meter gesenkt werden. Seitdem wird hinter den Kulissen eifrig berechnet, wie sich die teils maroden Wehre an Pleistermühle, Sudmühle und Havichhorster Mühle sanieren lassen. Foto: Matthias Ahlke

Seit über drei Jahren herrscht Ebbe in der Werse. 2015 musste das Tiefbauamt den Pegel um fast einen Meter senken, weil am Wehr Sudmühle schwere Schäden entdeckt worden waren und sogar ein plötzliches Versagen nicht mehr ausgeschlossen schien. Seitdem liegt ein Teil der Böschung frei, Bootsanleger hängen in der Luft, einige Bäume verloren den Halt und stürzten ins Wasser.

Die Reparatur an der Sudmühle würde mindestens ein Jahr dauern, hieß es damals. Statt einer Reparatur kam nur die Erkenntnis, dass auch das Wehr an der Havichhorster Mühle in einem bedenklichen Zustand ist – und dass die Stadt nicht drum herumkommt, eine ganz große Lösung für den Fluss und die drei Wehre Pleistermühle, Sudmühle und Havichhorster Mühle zu finden.

Das Wehr Sudmühle

Das Wehr Sudmühle Foto: spe

Jetzt, dreieinhalb Jahre später, ist zum ersten Mal etwas spruchreif: Der Umweltausschuss darf im Januar über eine Machbarkeitsstudie entscheiden, die das Tiefbauamt mit Hilfe des Planungsbüros Koenen aus Hilden und des Ingenieurbüros Pro Aqua aus Aachen erstellt hat. Die Bezirksvertretung Münster-Ost bekam ausnahmsweise schon jetzt eine Vorab-Präsentation, weil sie so oft danach gefragt hat. Der städtische Gewässerbeauftragte Berthold Reloe und Joachim Steinrücke (Pro Aqua) stellten die Ergebnisse in der Mehrzweckhalle Gelmer vor.

Erste Erkenntnis: Auf die drei Wehre kann nicht verzichtet werden. Zwar verwandeln sie das Fließgewässer Werse in einen mehrstufigen, trägen Stauteich. Aber dieser Zustand als Kulturgewässer ist nun schon so etabliert, dass seine Änderung dramatische Folgen für den Grundwasserpegel hätte. Mehr als 25 bis 30 Zentimeter sollte der Pegel schon im Interesse der Landwirtschaft nicht sinken.

Zweite Erkenntnis: Europäische Richtlinien fordern, dass der Fluss in einen „guten Zustand“ zu versetzen sei. Das heißt, er muss schneller fließen und für Fische und andere Lebewesen durchgängig sein. Zugleich darf es am Hochwasserschutz keine Abstriche geben, und die Freizeitqualität soll nicht sehr beeinträchtigt werden. Das geht, wie Steinrücke erläuterte, entweder mit festen, unbeweglichen Wehren („Überfallschwellen“) oder mit frisch sanierten Wehrklappen, die künftig nicht mehr nur das Gewässer aufstauen, sondern den Fluss durch eine „ökologisch orientierte Steuerung“ in Bewegung halten sollen. Die Werse würde dann künftig einen halben Meter höher stehen als derzeit.

Dritte Erkenntnis: Es wird teuer. Feste Wehre kosten pro Stück 1,3 Millionen Euro, denn sie würden quer in den Fluss gebaut, müssten also über 50 Meter lang werden. Gesteuerte Wehre sind für 1,02 Millionen Euro pro Stück zu haben. Ein dringend erforderlicher Organismenaufstieg an der Sudmühle schlägt mit einer Million Euro zu Buche, weitere Maßnahmen, um das Profil des Flusses zu verändern, kosten etwa zwei Millionen. Sechs bis sechseinhalb MIllionen Euro insgesamt – günstiger geht es wohl nicht.

Wer soll das bezahlen? Für neue Wehre müsste die Stadt im Prinzip allein aufkommen, meint Berthold Reloe. Wenn aber der ökologische Zustand deutlich verbessert wird, ist mit Zuschüssen zu rechnen: „Vieles ist bis zu 80 Prozent förderfähig.“ Die Stadt plane bereits unter Hochdruck.  

Kommentar: Problemkind Werse

Die Werse ist nicht etwa vergessen worden – auch wenn es in den vergangenen dreieinhalb Jahren manchmal so schien. Den überforderten Fluss und seinen Zustand in den Griff zu bekommen, hat sich als eine Mammutaufgabe erwiesen, die umso größer wurde, je genauer die Gewässerexperten hinsahen.Die Werse muss nämlich alles zugleich sein: Freizeitparadies, Naturreservat, Wasserreservoir, Energieträger für zwei Kraftwerke und Symbol der münsterländischen Kulturlandschaft. In Wirklichkeit ist sie dies alles ein bisschen, aber nichts ganz und gar. Einen Kompromiss zu finden, der möglichst alle Interessen irgendwie berücksichtigt, wird die öffentliche Hand jedenfalls Millionen kosten. Ohne wirklich ideal zu sein.Ist es das wert? Unbedingt. Das unvergleichlich trockene Jahr 2018 hat gezeigt, wie wichtig zuverlässig intakte Gewässer für die Stadt sind. Und im Vergleich mit dem anderen Problemkind der Stadt, dem Aasee, ist Münsters größtes Fließgewässer ziemlich stabil.

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Lukas Speckmann

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