Vortrag von Willy Schaefers beim Heimatverein
Als „Kännchen“ noch Kannen waren

Münster-Handorf -

Wenn die Münsteraner früher ihre Freizeit genießen wollten, dann führte der Weg viele nach Handorf. Das „Dorf der großen Kaffeekannen“ bot zahlreiche Gastronomiebetriebe, einen Bahnanschluss und mit der Werse ein traumhaftes Ambiente. Willy Schaefers ließ jetzt im Heimathaus in einem Vortrag noch einmal die guten alten Zeiten aufleben.

Mittwoch, 27.03.2019, 08:00 Uhr
Willy Schaefers zeigte im Heimathaus Bilder aus der Zeit, in der Handorf noch das „Dorf der großen Kaffeekannen“ war.
Willy Schaefers zeigte im Heimathaus Bilder aus der Zeit, in der Handorf noch das „Dorf der großen Kaffeekannen“ war. Foto: pd

Für den neuen Vorsitzenden des Heimatvereins, Raphael Castelli , war es ein Programmauftakt nach Maß: Über 80 Gäste versammelten sich im Heimathaus am Kirschgarten, um sich über die Geschichte ihres Dorfes zu informieren.

Willy Schaefers führte seine Vortragsreihe über Handorf fort, und die zahlreichen Zuhörer lauschten gebannt seinen Ausführungen. Witzig und charmant faszinierte er mit vielen unbekannten Anekdoten und Informationen – über die Zeit, als Handorf noch das „Dorf der großen Kaffeekannen“ war.

Werse machte Handorf zum Ausflugsziel

Handorfs Entwicklung als klassisches Ausflugsziel der Münsteraner hing eng mit der Werse zusammen. Der kleine Fluss trieb schon seit Jahrhunderten Wassermühlen an. Durch die Mühlenwehre wurde die Werse aufgestaut, was ihre natürliche Fließgeschwindigkeit drastisch verringerte, andererseits aber auch den Wasserstand stark erhöhte. Dadurch wurde die Werse ein ideales Freizeitgewässer.

Etwa ab 1880 hatte die Werse Anschluss an die Eisenbahn: Sowohl in Handorf als auch in Sudmühle gab es kleine Bahnstationen, und zwischen ihnen verkehrte auf dem Fluss der winzige Ausflugsdampfer „Der kleine Günther“.

Schon im 19. Jahrhundert wurde in der Werse auch gebadet. Was erst in den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts von den Behörden wegen gesundheitlicher Bedenken unterbunden wurde. Damals wurde das Freibad Sudmühle gebaut. Reste des alten Flussschwimmbades sind noch unterhalb der Wersepark-Gaststätte „Schöne Aussichten“ zu sehen.

Bis zu 350 000 Besucher in einer Sommersaison

Wegen der zahlreichen Tagesgäste, die mit der Bahn anreisen konnten, entwickelte sich die Gastronomie an der Werse in rasantem Tempo. Wie Schaefers berichtete, wurden in einer Sommersaison bis zu 350 000 Besucher gezählt, die zahlreichen Gastronomen eine Existenz sicherten. Erst vor wenigen Jahrzehnten änderte sich das Bild: Eine Traditionsgaststätte nach der anderen gab den Betrieb auf und wich neuer Bebauung.

Viele der Besucher hätten am Abend gerne an der Zeitschraube gedreht, heißt es in einer Mitteilung des Heimatvereins: Tolle Bilder von längst verschwundenen Lokalen und Orten wie Vennemann oder Pröbsting stimmten geradezu wehmütig. Den Blick auf die überfüllten Gartenterrassen der vielen Kaffeehäuser konnten die Heimatfreunde tatsächlich nachempfinden.

Mit so vielen Vortragsgästen kommt das Heimathaus an Kapazitätsgrenzen.

Raphael Castelli, Vorsitzender des Heimatvereins

„Mit so vielen Vortragsgästen kommt das Heimathaus an Kapazitätsgrenzen“, meint Raphael Castelli. Die Vorträge von Willy Schaefers, der sich nicht zuletzt mit der Geschichte des Handorfer Flugplatzes beschäftigt hat, sind seit einigen Jahren ein Publikumsmagnet – weshalb sie oft im Wersehof stattfanden. Handorfs letzte Traditionsgaststätte wird jedoch derzeit abgerissen . . .

Der Verein hofft auf eine Fortführung der Vorträge, sagt Raphael Castelli. Das Angebot an Vorträgen und Lesungen sei noch ausbaufähig. Man werde sich mit Themen wie „Dorf der Kaffeekannen“ oder der „längsten Kaffeetafel“ in Zukunft als Aktion beschäftigen.

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