Heftige Diskussion um den Streckenverlauf im Ortskern
Veloroute Handorf: Der Zankapfel heißt Kirschgarten

Münster-Handorf -

Bis Handorf ist alles klar. Hinter Handorf ist alles klar. Nur in Handorf wird es schwierig mit dem Verlauf geplanten Veloroute Münster-Telgte. Die Planer möchten sie durch den Kirschgarten führen. Aber das möchten die Handorfer nicht . . .

Dienstag, 16.07.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 16.07.2019, 09:15 Uhr
Im „Handorfer Huus“ wurde intensiv um Details des Streckenverlaufs gerungen.
Im „Handorfer Huus“ wurde intensiv um Details des Streckenverlaufs gerungen. Foto: spe

Wer einer besorgten Öffentlichkeit ein wenig populäres Projekt erklären soll, muss dafür keine Vergnügungssteuer zahlen – ob es sich nun um einen Gefängnisneubau, ein Flüchtlingsheim, ein Windrad oder eine vierspurige Straße handelt. Eine Veloroute gilt hingegen als unproblematisch. Die Planer und Verwaltungsmitarbeiter, die vor Kurzem im „Handorfer ­Huus“ den Vor­entwurf der Veloroute Münster-Telgte vorstellten, waren vom scharfen Gegenwind aus dem Plenum sichtlich überrascht.

Weil im ersten Teil der Veranstaltung noch keine Diskussion zugelassen wurde, schien die unfreundliche Stimmung völlig zu kippen. Sie fing sich im Laufe des Abends während der Diskussion an Einzeltischen – und nach drei Stunden löste sich die Versammlung nicht ohne Zuversicht auf. Die Referenten um den stellvertretenden Tiefbauamtsleiter Gerhard Rüller haben ganz offenbar verstanden, dass die von ihnen bevorzugte Streckenführung über Sudmühlen­straße und Kirschgarten auf massiven Widerstand stößt.

Empfehlung: gesicherte Überwege für Kinder

Zum einen gibt es Bedenken, ein geplanter Kreisverkehr am Beginn der Dorbaumstraße sowie die Vorfahrt für Radfahrer könnten ganz Dorbaum vom Ortskern abschneiden. Zum anderen melden die Handorfer Grundschulen Bedenken an: Ein Großteil der 420 Schülerinnen und Schüler nutzt den Kirschgarten als Schulweg, sagen Susanne Ben Achour (Matthias-Claudius-Schule) und Anja Niedballa (Kardinal-von-Galen-Schule). Gerade kleine Kinder rechnen nicht mit schnellen Fahrrädern, das fehlende Fahrgeräusch sei ein ernstes Problem. Anja Niedballa empfahl, wenigstens zwei gesicherte Überwege für die Kinder einzuplanen.

Die rote Strecke über den Kirschgarten wird von den Planern bevorzugt; sie müssen nun allerdings auch die Varianten prüfen.

Die rote Strecke über den Kirschgarten wird von den Planern bevorzugt; sie müssen nun allerdings auch die Varianten prüfen.

Und schließlich: Der Kirschgarten leidet unter hohem Parkdruck, erst recht bei Veranstaltungen der evangelischen Kirchengemeinde. Wenn die Straße zur rot gefärbten Fahrradstraße wird, würden die meisten Parkplätze entfallen. Dass die Kirschgarten-Route außerdem einen etwas umständlichen Umweg über die Hobbeltstraße bedeuten würde, räumen selbst die Planer ein.

Veloroute Münster-Telgte

Zwei neue Velorouten sollen künftig Münster und Telgte miteinander verbinden. Die eine entsteht als Direktverbindung parallel zur ausgebauten Warendorfer Straße – wird also noch auf sich warten lassen. Die andere soll von der Promenade über Bohlweg, Dieckstraße, Schleuse und Boniburger Wald direkt durch Handorf hindurchführen, um schließlich die Stadtgrenze an der Lauheider Straße zu erreichen.

Der Entwurf dieser ersten von 13 geplanten münsterischen Velorouten wird derzeit öffentlich diskutiert. Nach dem förmlichen Baubeschluss sollte das Projekt bis 2023 abgeschlossen sein. Der Ausbau dieser für Radfahrer sicheren und durchgängig beleuchteten Vorfahrtsstrecke soll rund 3,87 Millionen Euro kosten. 

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Planungsausschuss und Bezirksvertretung hatten die Verwaltung vor Kurzem aufgefordert, auch die Alternativen genau zu prüfen. Variante 1 (grün) sieht vor, die Handorfer Straße als Fahrradstraße auszuweisen – und wird gerade deshalb von Bezirksbürgermeisterin Martina Klimek bevorzugt: Für den Durchgangsverkehr wäre die Handorfer Straße damit unattraktiv. Die Verkehrsplaner bezweifeln allerdings die rechtliche Zulässigkeit dieses Vorgehens: Die Handorfer Straße sei dafür viel zu stark frequentiert.

Die Alternativroute

Variante 2 (blau) schlägt vor, die Veloroute über Hobbeltstraße und Pröbsting­straße südlich um den Ort herumzuführen. Damit wäre allerdings der Ortskern außen vor – und im Landschaftspark Boniburg müsste eine zusätzliche Wersebrücke gebaut werden, was den Kostenrahmen sprengen würde. Das Kostenproblem ergäbe sich auch bei Variante 3 (gelb), einer Kombination der beiden Alternativrouten.

Der übrige Verlauf der Velo­route von der Promenade bis zur Stadtgrenze ist unumstritten. An der Kötterstraße hat die Stadt bereits Abschnitte fertiggestellt.

Kommentar

Zeit für kreative Ideen

Ganz offensichtlich wirkt die hitzige Diskussion um den vierspurigen Ausbau der B 51 nach: Die Handorfer Öffentlichkeit ringt um die Veloroute im Ortskern mit einer Heftigkeit, die der verständlichen Angst vor einem möglichen Verkehrskollaps entspringt. Wobei die Veloroute selbst das kleinste Problem sein dürfte: Radverkehr hat es in und um Handorf immer schon gegeben; nur künftig soll er auf der neuen Route die Hauptrolle spielen.

Kraftfahrzeuge werden deshalb nicht ausgeschlossen, sie werden allerdings Anteile am Verkehrsraum abgeben müssen. Das mag im Einzelfall – etwa für Anlieger, deren Parkplätze vor der Tür entfallen – ärgerlich sein, ist aber als Teil einer Verkehrswende ausdrücklich von Politik und Verwaltung beabsichtigt. Die Idee, die Handorfer Straße in die Veloroute einzubeziehen, um die Strecke für den motorisierten Durchgangsverkehr ein für alle mal unattraktiv zu machen, verdient eine ernsthafte Prüfung.

Zur Wahrheit gehört: Es wäre verkehrsrechtlich schwierig – und überhaupt nicht im Sinne der Planer, die eine attraktive Fahrrad-Verbindung und kein Verkehrshindernis schaffen wollen. Doch so lange die Planung nicht in trockenen Tüchern ist, sind kreative Ideen und Kompromisse gefragt.

von Lukas Speckmann

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