„Politisches Nachtgebet“ zum Thema Klimaschutz
„Fridays for Future“: Feuer und Flamme fürs Klima

Münster-Handorf -

Was ist mit der Jugend los: Die engagiert sich auf einmal für den Klimaschutz und ist damit weltweit im Gespräch? Die Teilnehmer des „Politischen Nachtgebets“ im Benediktshof informierten sich aus erster Hand über „Fridays for Future“.

Dienstag, 23.07.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 23.07.2019, 13:02 Uhr
Verständigung der Generationen: Marlena Grab (r.) spricht beim „Politischen Nachtgebet“ im Benediktshof über die weltweite Schüler-Bewegung „Fridays for Future“ und ihr Eintreten für den Klimaschutz.
Verständigung der Generationen: Marlena Grab (r.) spricht beim „Politischen Nachtgebet“ im Benediktshof über die weltweite Schüler-Bewegung „Fridays for Future“ und ihr Eintreten für den Klimaschutz. Foto: spe

Marlena Grab hat keine Ferien. Die 19-Jährige hat vielmehr gerade ihr Abitur gemacht und steht vor einem neuen Lebensabschnitt. Hätte sie jedoch Ferien – sie würde ihren Freitags-Schulstreik für den Klimaschutz fortsetzen wie bisher. Marlena Grab engagiert sich seit Februar bei „ Fridays for Future “, seit April gehört sie zum münsterischen Organisationsteam und geht für gutes Klima an die Öffentlichkeit. In Handorf muss sie nicht viel Überzeugungsarbeit leisten: Beim „Politischen Nachtgebet“ im Benediktshof rennt sie offene Türen ein.

Umweltschutz – das sei schon in den 80ern ein großes Thema gewesen, heißt es im Teilnehmerkreis. Damals habe Tschernobyl ein Umdenken eingeläutet; heute sei es die spürbare Klima­erwärmung. Die dürfe auf keinen Fall über 1,5 Grad weltweit ansteigen, bestätigt Marlena Grab. Alle in der Runde, die sich am Freitagabend um eine dampfende Feuerschale im idyllischen Garten versammelt, scheinen diese magische Zahl und ihre klimapolitische Bedeutung zu kennen.

Der Arbeitskreis „Mystik und Widerstand“ am Benediktshof lädt regelmäßig zu Treffen ein.

Der Arbeitskreis „Mystik und Widerstand“ am Benediktshof lädt regelmäßig zu Treffen ein. Foto: spe

Gastgeber ist der Arbeitskreis „Mystik und Widerstand“, der sich vor rund einem Jahr auch unter dem Eindruck politischer Diskussion beim Katholikentag gebildet hat. Birgit Böddeling, Gerda Geldschläger und Christiane Reinhard organisieren die offenen Treffen. Grundgedanke ist Dorothee Sölles These: „Jeder theologische Satz muss auch ein politischer sein“ – wobei es zunächst um das Thema „Bewahren der Schöpfung“ geht.

Marlena Grab trifft also auf eine gut informierte, kritische Zuhörerschaft – die im Durchschnitt vielleicht 50 Jahre älter ist als sie selbst, und die sich brennend für die Klimafrage interessiert („ich möchte, dass es meinen Enkeln gut geht“). Die aber auch kritisch nachfragt, ob eine Bewegung in den Wohlstandsländern das weltweite Problem überhaupt lösen könne – und sei es nur als leuchtendes Vorbild. Schließlich sei Verzicht eine Voraussetzung für effektiven Klimaschutz: Verzicht auf Flugreisen, auf ein Grad Wohnungswärme, auf bedenkenlosen Konsum. Sind ausgerechnet Jugendliche dazu bereit?

Anscheinend. Das Plenum ist sichtlich beeindruckt; nicht nur von der souveränen Referentin, sondern vor allem vom Erfolg der „Friday for Future“-Bewegung, die es geschafft habe, das Thema Klimaschutz auf den Schulhöfen zu etablieren, auf die politische Tagesordnung zu setzen und die anfängliche Schulschwänzer-Debatte zu überwinden. „Es hat einen spirituellen Impuls, dass es überall auf der Welt gemeinsam losgeht“, meint Birgit Böddeling.

Marlena Grab wirbt für neue Ortsgruppen in kleineren Gemeinden und Stadtteilen – räumt aber ein, dass „Friday for Future“ in Großstädten leichteres Spiel habe als auf dem Lande. In Münster habe sich mittlerweile auch eine „Grandparents for Future“-Gruppe gebildet. Die Mitwirkung aller Generationen sei ausdrücklich erwünscht.

Zum Thema

Eine Großdemonstration „10 000 fürs Klima“ soll am 20. September um 10 Uhr auf dem Prinzipalmarkt stattfinden. Am selben Tag trifft sich der Arbeitskreis „Mystik und Widerstand“ um 18 Uhr erneut zum „Politischen Nachtgebet“ im Benediktshof, Verth 41. Die Teilnahme ist kostenlos, um eine Spende wird gebeten.

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