Vorschlag des Stadtplaners Hubert Bäumer
Handorfs Ortskern völlig neu denken

Münster-HAndorf -

Ein offenes Parkdeck an der Sudmühlenstraße, eine Fußgängerbrücke, die direkt auf den Kirchturm zuführt, ein neuer Ortskern nördlich der St.-Petronilla-Kirche – der Architekt und Stadtplaner Hubert Bäumer stellt seine Ideen vor, wie sich Handorfs Ortskern verändern könnte.

Dienstag, 06.08.2019, 08:00 Uhr
Hubert Bäumer präsentiert seinen Planungsvorschlag für ein neues Handorfer Ortszentrum – er möchte damit eine überfällige Diskussion anstoßen, wie er sagt.
Hubert Bäumer präsentiert seinen Planungsvorschlag für ein neues Handorfer Ortszentrum – er möchte damit eine überfällige Diskussion anstoßen, wie er sagt. Foto: spe

Handorf wächst. Vor Kurzem erst hat die Stadt den Ankauf einer Fläche für ein 7,6-Hektar- Baugebiet nördlich der Kötterstraße bekanntgegeben; das nur unwesentlich kleinere Baugebiet auf den alten Sportflächen am Kirschgarten ist bereits in der Planung. Nach vorsichtiger Schätzung der Stadt kämen allein durch das neue Areal 900 Neubürger nach Handorf, am Kirschgarten dürften es kaum weniger sein.

Wie wird der Ort mit diesem enormen Wachstum fertig? Hubert Bäumer ist sicher nicht der einzige, der sich Gedanken darüber macht – aber einer der Profiliertesten. Der Handorfer Architekt hat in seiner aktiven Berufszeit lange Jahre im Büro von Prof. Harald Deilmann gearbeitet, sein Schwerpunkt ist die Stadtplanung. Er empfiehlt dringend, den Ortskern von Handorf völlig neu zu denken: „Wir müssen uns die Frage stellen: Wie sieht Handorf in zehn Jahren aus?“, sagt er. „Darüber müssen wir uns jetzt Gedanken machen – nicht erst nach Fertigstellung der Umgehungsstraße, sonst fehlen uns drei Jahre.“

Bäumers Grundidee: Handorf braucht ein erkennbares Zentrum, einen geschlossenen Ortskern, und zwar möglichst nah am Wasser. Die Werse habe vor über 100 Jahren Handorfs Ruf als Ausflugsziel begründet, werde aber derzeit viel zu wenig beachtet. Als Mittelpunkt biete sich die St. Petronilla-Kirche an – und gerade nördlich der Kirche gebe es Möglichkeiten, ein lebendiges Zentrum nach Telgter Vorbild zu entwickeln, in dem sich vor allem Fußgänger und Radfahrer aufhalten.

Das Problem: Es fehlen nicht zuletzt Parkflächen. Der Hugo-Pottebaum-Platz könne wegen des großen Parkdrucks nicht optimal genutzt werden. Eine mögliche Lösung wäre ein offenes Parkdeck – das nach Bäumers Ansicht jenseits der Werse an der Einmündung der Boniburger Allee in die Sudmühlenstraße entstehen könnte. Die dortigen Höhenunterschiede wären ideal, um Zufahrten ohne aufwendige Rampen anzulegen. Wer sein Auto dort abstellt, sollte über eine neue Fußgängerbrücke, die direkt auf den Turm der St.-Petronilla-Kirche führt, in den Ortskern gelangen.

Für das Zentrum des Ortes bietet sich nach Bäumers Meinung ein Neubau an, der das Pfarrheim an der Sudmühlenstraße ablösen könnte – und der sowohl das Pfarrzentrum als auch Wohnraum und Geschäfte umfassen könnte. Auch Gastronomie sei denkbar, warum nicht ein Biergarten? Der Verkehr auf Sudmühlenstraße und Handorfer Straße werde nach Eröffnung der Umgehungsstraße nachlassen: Ein Kreisverkehr könnte die Kreuzung zur Dorbaumstraße entlasten.

Dies alles, betont Hubert Bäumer, seien zunächst nur Ideen. Er möchte mit seinem Vorschlag eine Debatte eröffnen, denn der Planungsdruck sei groß, wie die zahlreichen baulichen Veränderungen im Ortskern beweisen. „Ich kann mir die Zukunft ganz gut vorstellen“, sagt Bäumer, „man plant so etwas für 20, 30 Jahre im Voraus.“

Kommentar zur Ortskern-Planung: die Diskussion ist eröffnet

ermutlich wird es einige Bedenken geben, sicher auch Zustimmung. Ein Parkdeck jenseits der Werse? Eine neue Brücke? Eine Mini-Fußgängerzone nördlich der St.-Petronilla-Kirche? Nichts davon ist in Stein gemeißelt. Weder sind Eigentumsfragen geklärt, noch wurde vorab verlässlich der Bedarf geprüft. Es ist ein Vorschlag, nicht mehr und nicht weniger.In jedem Fall legt Hubert Bäumer mit seinem Entwurf einen Finger in die Wunde: Wenn Handorf weiterhin zulegt – und man kann sich kaum vorstellen, dass es perspektivisch bei zwei neuen Baugebieten bleibt –, muss die Infrastruktur mitwachsen. Und die beschränkt sich nicht auf Straßen und Kitaplätze: Ein lebendiger Stadtteil lebt von einem lebendigen, deutlich erkennbaren, identitätsstiftenden Zentrum. Dazu gehört der Kirchturm in der Mitte, dazu gehört das schöne Werseufer, dazu gehören Gastronomie und Geschäfte.Die begrenzte Fläche mit parkenden Autos teilen zu müssen, ist kontraproduktiv, andererseits muss der Ortskern für Autofahrer erreichbar sein. Dass ein offenes Parkdeck durchaus funktionieren kann, zeigt das Beispiel Telgte – das überhaupt in der Debatte in Handorf einen immer größeren Vorbildcharakter gewinnt.Wenn Hubert Bäumers Ideen dazu führen, die Diskussion in Gang zu bringen, haben sie ihren Zweck schon erfüllt. Noch ist Zeit dafür. Über die Umsetzung lässt sich reden.

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Lukas Speckmann

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