Interview mit der langjährigen Verwaltungsleiterin
Nach 17 Jahren: Karin Groh verlässt die Bezirksverwaltung

Münster-Ost -

Die Bezirksverwaltung verliert ihre langjährige Leiterin, die Bezirksvertretung ihre Geschäftsführerin: Karin Groh, seit 17 Jahren für Münster-Ost zuständig, geht in den Ruhestand – und zieht im Interview Bilanz.

Donnerstag, 31.10.2019, 07:00 Uhr
2002 wurde Karin Groh Leiterin der Bezirksverwaltung Münster-Ost an der Vennemannstraße. Nach 17 Jahren im Amt tritt sie nun in den Ruhestand.
2002 wurde Karin Groh Leiterin der Bezirksverwaltung Münster-Ost an der Vennemannstraße. Nach 17 Jahren im Amt tritt sie nun in den Ruhestand. Foto: spe

Der Stadtbezirk Münster-Ost hat sich seit 2002 sehr verändert – eins ist 17 Jahre lang gleich geblieben: Die Bezirksverwaltung an der Vennemannstraße wird von Karin Groh geleitet. Diese Ära geht zu Ende. Am 1. November beginnt für Karin Groh die passive Phase der Altersteilzeit. Unser Redakteur Lukas Speckmann sprach mit ihr.

Sie haben die Bezirksverwaltung aus der Taufe gehoben?

Groh: Vor meiner Zeit gab es in Handorf ein Bürgerbüro: Einmal pro Woche kam eine Kollegin zur Sprechstunde, die Leitung war in der Stadt. 2002 dann haben wir die erste Bezirksverwaltung Ost in der „alten Post“ in Handorf in Betrieb genommen. So habe ich erstmals die Bezirksvertretung Ost aus dem Bezirk heraus betreut und sieben Jahre lang mit Bezirksbürgermeister Siegfried Grenda, zehn Jahre lang mit Bezirksbürgermeisterin Martina Klimek zusammengearbeitet.

So viel Kontinuität – das klingt nach Traumjob?

Groh: Das ist es auch. Ich leite ein kleines Rathaus vor Ort. Wir bieten direkten Bürgerservice und leben im engen Kontakt mit den Menschen im Bezirk. Auch die Zusammenarbeit mit der Bezirksvertretung bringt immer wieder neue Themen, so dass Routine und Langeweile in meiner Arbeit ein Fremdwort ist. Besonderen Spaß hat mir die Mitarbeit bei der Stadtteilentwicklung und Kulturarbeit gemacht. Hier konnte ich eigene Schwerpunkte setzen. Das Musikfest „MusicO“ von 2005 bis 2013 war mein Highlight.

Das hat vor sechs Jahren ein Ende gefunden?

Groh: 2013 wurde ich im Rahmen von Konsolidierungsmaßnahmen auch Leiterin der Bezirksverwaltung Südost in Wolbeck, seitdem habe ich meine Arbeit im Wesentlichen auf die Leitung der Bezirksverwaltungen und die Geschäftsführung der Bezirksvertretungen konzentriert. Mit zwei Stadtbezirken bin ich gut ausgelastet, die Zeit für besondere Projekte oder Kulturarbeit fehlt leider.

Nicht zuletzt, weil Ihnen gerade Handorf so viel Arbeit beschert?

Groh: Tatsächlich hat sich in Handorf sehr viel verändert, aber Stadtteile entwickeln sich. Wenn dieser Prozess positiv begleitet wird, kann es gut werden. Denken Sie an die Einflussnahme der Politik in Sachen Einzelhandel – sie hat sichergestellt, dass die Versorgung in der Mitte des Stadtteils bleibt.

Und dennoch bleibt die Sorge, Handorf könnte zur Schlafstadt werden.

Groh: Das sehe ich nicht. Handorf ist doch ein lebendiger Stadtteil mit einer starken Vereinslandschaft und Menschen, die sich aktiv einbringen. Momentan scheint zwar einiges im Umbruch, aber die neuen Baugebiete werden dazu beitragen, dass der Stadtteil sich verjüngt und lebendig bleibt.

Inwiefern bilden die Stadtteile im Bezirk eine Einheit?

Groh: Der Stadtbezirk Ost als Ganzes hat an einem 2007 von Münster Marketing ausgelobten Förderwettbewerb „Stadtteilmarketing“ erfolgreich teilgenommen. Was alle Stadtteile trotz ihrer Eigenständigkeit verbindet, ist die herrliche Natur. Das Motto war seinerzeit „grün & blau – Natürlich Münsters Osten erleben!“ und zielte auf die Bereiche Tourismus, Wohnen, Gewerbe und Gastronomie, der gemeinsame Nenner für den Osten. Seither gibt es übrigens den Förderverein Münster-Ost, der die Ziele weiterhin verfolgt.

Seitdem hat der Straßenverkehr stark zugenommen.

Groh: Das ist deutlich zu spüren. Es gibt mehr Staus, in Handorf warten alle händeringend auf den Ausbau der Umgehungsstraße B481 n. Aber eine Verkehrswende kann es nur geben, wenn es Alternativen wie Velorouten oder Bahnhaltepunkte gibt. Vor allem muss der ÖPNV attraktiver und günstiger werden, und er muss entlegenere Gebiete erreichen. Handorf hat immer noch einen guten Bustakt, aber Gelmer ist etwas stiefmütterlich behandelt worden, da fährt nach 21 Uhr nur noch der Taxibus.

Lassen sich im Bezirk leicht neue Wege beschreiten?

Groh: Die politisch Agierenden haben ein offenes Ohr, und große Themen werden oft sehr einmütig beschlossen – das hat die BV Ost immer ausgezeichnet. Ich wünsche dem Bezirk, dass sich diese Kultur auch nach den nächsten Kommunalwahlen fortsetzt.

Und wie steht es mit der Nachfolge Ihrer eigenen Arbeit?

Groh: Meine Nachfolgerin, die die Stelle am 1. Januar übernehmen soll, ist schon bekannt – aber die Personalie muss noch in der Sitzung der Bezirksvertretung am 7. November beschlossen werden.

Übernimmt sie einen Traumjob?

Groh: Auf jeden Fall! Es hat Spaß gemacht, im und für den Stadtbezirk Münster-Ost zu arbeiten.

Karin Groh

Karin Groh trat am 1. August 1972 als Verwaltungspraktikantin in den Dienst der Stadt Münster. 1977 erhielt sie ihre erste Planstelle beim Personalamt. Anschließend durchlief sie viele Stationen. „Besonders viel Verantwortung“ übernahm sie 1978 im Jugendamt, wo sie als Amtspflegerin für Vaterschafts- und Unterhaltsfragen zuständig war. Nach fünf Jahren im Sozialamt wechselte sie zum Frauenbüro. Besonders setzte sie sich dort für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein – ein Thema, das die Mutter eines Sohnes bis heute begleitet. In ihre Zeit als Standesbeamtin (1999 bis 2001) fiel der „denkwürdige“ 9.9.99, als „halb Münster heiraten wollte“. 2002 wurde Karin Groh Leiterin der Bezirksverwaltung Ost, 2013 übernahm sie auch den Bezirk Südost. -isa-

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