Auftaktveranstaltungen in Gelmer und Handorf
Stadtteilentwicklung: Viele Wünsche für die Zukunft

Münster-Ost -

Wie sieht der Stadtbezirk in zehn Jahren aus? Wie steht es um Wohnen und Verkehr, um Bildung und Tourismus? Die Stadt arbeitet an einem Stadtteilentwicklungsprozess – und lädt zur Mitarbeit ein.

Dienstag, 10.12.2019, 08:00 Uhr
Bezirksbürgermeisterin Martina Klimek eröffnete die Veranstaltungen zur Zukunft der Stadtteile im Bezirk Münster-Ost.
Bezirksbürgermeisterin Martina Klimek eröffnete die Veranstaltungen zur Zukunft der Stadtteile im Bezirk Münster-Ost. Foto: rkr

Es ist ein einziges Stadtteil­entwicklungskonzept, aber es sind mehrere Stadtteile. Zum Auftakt gab es deshalb gleich zwei Bürgerinformationen – in der Mehrzweckhalle für Gelmer, im Handorfer Huus für Handorf. Themen aus Mariendorf und Sudmühle wurden in beiden Veranstaltungen angesprochen.

Wie berichtet, kümmert sich das Stadtplanungsamt derzeit um die Stadtteil­entwicklung in Münster-Ost: Ein neues Konzept soll den elf Jahre alten „Stadtteilentwicklungsplan“ von 2008 ersetzen. Dabei lässt sich die Stadt vom Dortmunder Büro „plan-lokal“ beraten; dessen Chef Alfred Körbel erläuterte das Konzept und die Vorgehensweise.

Auf die Erfahrung der Einwohnerschaft möchte man nicht verzichten: „Die Bürger sind die Experten“, sagte Bezirksbürgermeisterin Martina Klimek zur Eröffnung. So wurden die Gäste gleich im Eingangsbereich gebeten, sich vorab zu äußern: Was sind die Qualitäten der Ortsteile, was sind die Probleme – und wo ist der größte Handlungsbedarf?

Das Interesse an den Veranstaltungen war groß, in Gelmer mit geschätzt etwa 90 Teilnehmern sogar noch etwas größer. Woran lag es? Vielleicht an der zuletzt nicht geringen Zahl von Bürgerinformationsveranstaltungen zu strittigen Fragen im „Handorfer Huus“. Maria Derking vom Stadtplanungsamt bestätigt den Eindruck, dass in Gelmer mehr „Aufbruchstimmung“ zu spüren gewesen sei. „Wichtig, aber längst überfällig“ – die Ansicht zur Auftaktveranstaltung war auch in Handorf mehrheitsfähig.

Der Schuh drückt an vielen Stellen – aber er drückt nicht nur. Insgesamt scheinen sich die Anwohner bewusst zu sein, dass sie in ruhigen Stadtteilen mit hoher Lebensqualität wohnen. Zu den vier Themenkomplexen „Wohnen, Soziale Infrastruktur und Bildung“, „Ortsmitte und Erscheinungsbild“, „Verkehr“ sowie „Natur und Umwelt“ konnten sich die Teilnehmer äußern, loben, kritisieren und Verbesserungsvorschläge machen.

Anregung und Hinweise zum Stadtteil Gelmer.

Anregung und Hinweise zum Stadtteil Gelmer. Foto: rkr

Dabei ergab sich je nach Stadtteil ein unterschiedliches Bild. In Mariendorf und Sudmühle sind die Bahnübergänge und die daraus resultierende Verkehrsbelastung ein riesiges Thema, ferner besteht der Wunsch nach neuen Wohngebieten.

Auch Gelmer sorgt sich um sein Wachstum – ferner um den Zustand des zu unprofilierten Ortskerns, um die Raumnot von Schule und Kindergarten und die schlechte Internetverbindung. Ein Seniorenheim oder ein Treffpunkt wird in Gelmer schmerzlich vermisst. In diesem Zusammenhang wurde auf das alte Pfarrhaus verwiesen, das manche als eines der wenigen historischen Gebäude gerne erhalten möchten. Viel Lob gibt es für den Gelmermarkt.

In Handorf weht ein schärferer Wind. Der Verkehr im Ortskern sei „eine mittlere Katastrophe“, es gebe zu wenig Fläche für den Radverkehr und zu wenige Parkplätze – und dass der Handorfer Bahnhof im jüngst vorgestellten S-Bahn-Konzept nicht berücksichtigt wurde, stößt auf Unverständnis. Die derzeitigen Neubauprojekte im Ortskern werden nicht einhellig begrüßt; es fehle vor allem an bezahlbarem Wohnraum. Chancen sieht man nicht zuletzt für den Tourismus.

Nach 45 Minuten wurden die Ergebnisse im Plenum vorgetragen. Die Steuerungsgruppe tritt am Donnerstag zusammen, um das Material auszuwerten. Für Februar ist ein Workshop mit Vertretern von Vereinen, Schulen oder Kirchengemeinden vorgesehen. Dabei sollen die Themen so vertieft werden, dass daraus handfeste Projekte entstehen – die dann im Sommer erneut öffentlich vorgestellt werden. Weitere Anregungen zu den Stadtteilen werden per E-Mail entgegengenommen (handorf-gelmer@plan-lokal.de). Das Protokoll soll in Kürze veröffentlicht werden.  

 

Kommentar: Noch mehr Bürgernähe

Man muss es den Stadtplanern lassen: Sie fragen diesmal gründlich nach. Das neue Stadtteilentwicklungskonzept für Münster-Ost setzt von vornherein auf die Expertise der Einwohnerschaft und macht den Einstieg in die Zusammenarbeit leicht. Zwei unabhängige Auftaktveranstaltungen, Arbeitsgruppen statt vorbereiteter Referate, die Einladung zur Mitarbeit – die Zeichen stehen gut, dass das neue Konzept nicht so gründlich im Sande verläuft wie sein Vorgänger von 2008, an den sich kaum noch jemand erinnern kann.Doch die Gefahr ist nicht ausgeräumt. Der Stadtbezirk steht vor der Herausforderung, in der rasant wachsenden Großstadt Münster Profil zu behalten und nicht zu einer Ansammlung von Schlafstädten zu werden. Um nachhaltig zu wirken, müssen aus guten Ideen handfeste Pläne hervorgehen – und die müssen auch verwirklicht werden. Die Stadt ist sich dieser Schwäche bewusst und setzt auf ihre neuen „Stadtteilkümmerer“. Die wiederum müssen das große Ganze im Blick behalten, ohne aus dem Auge zu verlieren, dass die Probleme in Handorf eben doch ganz andere sind als in Gelmer.Dass Mariendorf und Sudmühle in beiden Auftaktveranstaltungen nur eine Nebenrolle spielten, mag an der geringen Größe dieser Ortsteile liegen – doch eine dritte Auftaktveranstaltung etwa im Heidehof wäre ein schönes Zeichen für noch mehr Bürgernähe gewesen.Lukas Speckmann

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