Versammlung des Ortsverbands
Landwirte unter Druck: „Endlich hört man auf uns“

Münster-Ost -

Immer mehr Auflagen, immer höhere Erwartungen, immer größerer Druck: Auch in Münster-Ost sehen viele Landwirte schwarz für ihre Zukunft. Immerhin hat das Thema nun eine breite Aufmerksamkeit erreicht.

Dienstag, 14.01.2020, 08:00 Uhr
Auch Landwirte aus Münster-Ost schlossen sich dem Protestzug nach Telgte an.
Auch Landwirte aus Münster-Ost schlossen sich dem Protestzug nach Telgte an. Foto: Oliver Werner

Auch 2019 war ein für die Landwirtschaft schwieriges Jahr – nicht nur der Trockenheit wegen. Doch nach aufwühlenden Debatten, hartnäckigen Protesten und viel öffentlicher Aufmerksamkeit scheint manches zumindest in Bewegung gekommen zu sein. Heinrich Möllers , der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsverbands St. Mauritz/Handorf, fasst die Stimmung so zusammen: „Endlich hört man auf uns.“

An der Demonstration anlässlich des Neujahrsempfangs mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze am vergangenen Samstag waren auch Landwirte aus Münster-Ost beteiligt. Rund 45 Maschinen kamen nach Angaben des Organisators Kai Hilgensloh zum Treffpunkt, dem alten Handorfer Bahnhof, um sich dem Konvoi nach Telgte anzuschließen.

Hilgensloh ist zufrieden mit dem „reibungslosen Ablauf“ der Aktion: Im Gespräch mit der Ministerin seien die Differenzen zwar klar zutage getreten. Doch die Landwirte hätten ihre Position energisch vertreten, ihre Forderungen überbringen und weitere Gespräche einfordern können – „dafür war die Veranstaltung hervorragend“.

Das Grundproblem bleibt: Die Landwirtschaft steht vor massiven Veränderungen und fühlt sich von strengeren Auflagen, größerem Verwaltungsaufwand und steigenden Kosten unter Druck gesetzt. Die öffentliche Meinung schwärme von bäuerlicher Landwirtschaft alter Art, doch die tatsächlichen Rahmenbedingungen würden zu immer größeren Betrieben führen: „Die jüngeren Bauern haben keine Perspektiven – das ist das Problem“, meint Heinrich Möllers. „Irgendwann fallen die kleineren Höfe weg.“ Noch sei in Münster-Ost der 50-Hektar-Betrieb die Regel.

Diese Themen wurden auch auf der jüngsten Versammlung des Ortsverbands in Gittrup besprochen. Die Kreisverbandsvorsitzende Susanne Schulze Bockeloh, die am 17. Februar für das Amt der WLV-Präsidentin kandidiert, mahnte laut Pressemitteilung, bei Themen wie Tierwohl, Umwelt- und Naturschutz gemeinsam nach Lösungen zu suchen: „Der Dialog ist unverzichtbar, wenn es etwa darum geht, dem Insektensterben entgegenzuwirken und die Tierhaltung fortzuentwickeln.“ Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die Initiative „Mag doch jeder“, mit der die Landwirte in Westfalen-Lippe über ihre Arbeit informieren.

Bei der Versammlung des Landwirtschaftlichen Ortsverbands wurde auch die Aktion „Mag doch jeder“ präsentiert (v.l.): Sonja Friedemann, Susanne Schulze Bockeloh, Heinrich Möllers, Helmut Eismann (Landwirtschaftskammer), Kreislandwirt Heinz-Georg Hartmann und Bezirksbürgermeisterin Martina Klimek. Foto: pd

Bei der Versammlung des Landwirtschaftlichen Ortsverbands wurde auch die Aktion „Mag doch jeder“ präsentiert (v.l.): Sonja Friedemann, Susanne Schulze Bockeloh, Heinrich Möllers, Helmut Eismann (Landwirtschaftskammer), Kreislandwirt Heinz-Georg Hartmann und Bezirksbürgermeisterin Martina Klimek. Foto: pd

Intensiv wurde auch über den geplanten vierspurigen Ausbau der B 51 zwischen Münster und Telgte gesprochen: „Wir begrüßen grundsätzlich Infrastrukturmaßnahmen – aber so geht’s nicht“, machte Heinrich Möllers deutlich. Rund 30 Landwirte aus Münster und Telgte, deren Höfe und Flächen entlang des fraglichen Straßenabschnitts liegen, seien betroffen – eine autobahnähnlich ausgebaute Straße wäre für ihre Maschinen ein nur schwer überwindliches Hindernis. Durch den größeren Platzbedarf, Ausgleichsmaßnahmen und ein mögliches Ersatzwegenetz würden wertvolle landwirtschaftliche Flächen für die Bewirtschaftung verloren gehen.

Landwirtschaftlicher Ortsverband

Die Landwirtschaftlichen Ortsverbände bilden die Basis des Bauernverbands auf lokaler Ebene. Der Bauernverband kümmert sich nach eigenen Angaben als freie Interessenvertretung auf allen Ebenen darum, die Interessen seiner Mitglieder im Dialog mit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu vertreten; im Kreisverband beispielsweise gegenüber Stadtverwaltung und Kommunalpolitik. Zudem findet auf lokaler Ebene Information, Austausch und Willensbildung zu agrarpolitischen Themen statt. Für alle Mitglieder des Kreisverbandes bieten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der WLV-Kreisgeschäftsstellen in Münster und Warendorf Dienstleistungen wie Steuer-, Finanz-, Rechts- und Sozialberatung an.

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