„Verlorene Bauernhöfe“: Hubert Bäumer veröffentlicht seine Forschungen
Die Truppe übt auf Bauernland

Münster-Handorf -

Der Osten Handorfs ist bis heute fest in militärischer Hand. Dabei war dieses Land bis in die 1930er-Jahre hinein Bauernland. Hubert Bäumer hat die Geschichte der „Vergessenen Höfe“ erforscht.

Montag, 27.07.2020, 17:54 Uhr aktualisiert: 28.07.2020, 12:38 Uhr
Hubert Bäumer präsentiert sein Buch über die „Verlorenen Bauernhöfe in Münster-Handorf“.
Hubert Bäumer präsentiert sein Buch über die „Verlorenen Bauernhöfe in Münster-Handorf“. Foto: privat

Das Militär nahm Anfang der ersten Jahrhunderthälfte große Flächen im Osten Münsters in Beschlag – ein Zustand, der bis heute im Prinzip unverändert ist. Mehrere Bauernfamilien mussten ihre Höfe deshalb aufgeben. Seit Jahren erforscht der Handorfer Hubert Bäumer die Geschichte dieser „verlorenen Bauernhöfe“ in Münster-Ost. Nun gibt er das Ergebnis seiner Forschungen als Buch heraus.

Von der Geschichtsschreibung übergangen

Dieser Teil der Geschichte Handorfs sei bislang sehr stiefmütterlich beschrieben worden, berichtet Bäumer. Auch in dem Buch „Handorf – Gestern und Heute“ von 1974 sei wenig über die Entwicklung des Standortübungsplatzes und den Ausbau des Fliegerhorstes Handorf zu finden. Erstaunlich, denn dieses Gebiet macht immerhin ein Drittel der ehemaligen Gemeinde Handorf im Amt St. Mauritz aus.

Über 30 Hofstellen waren von der Errichtung der Sperrgebiete betroffen. Es kam damals zu Umsiedlungen von Familien, die zum Teil seit Jahrhunderten auf ihrer Scholle wirtschafteten. Über diese zumeist unbekannten Schicksale des Verlustes der Heimat will das Buch auch berichten.

Hof Bäumer seit 1855

Bäumers Familie selbst kam um 1855 von Ostbevern nach Handorf, und zwar auf eine Hofstelle zwischen der Bahnlinie Münster-Osnabrück und dem späteren Kaffeehaus Ringemann. Dort wurde 1884 Großvater Heinrich Bäumer geboren. In der Messtischkarte von 1935 steht der Hof-Name „Bäumer“.

„Da der ehemalige Hof am Rande des Truppenübungsplatzes liegt, sind mein Opa und ich in meiner Kindheit häufig hier gewesen. So bekam ich als Kind sehr viel Information über diesen besonderen Teil von Handorf“, berichtet Bäumer. Auch sein Vater habe sich schon sehr für das Thema eingesetzt. „Somit haben mehrere Generationen an der Entwicklung dieses Buches geholfen, wofür ich sehr dankbar bin.“

Er selbst hatte zunächst aus beruflichen und familiären Gründen kaum Zeit, sich intensiv um die Forschung zu kümmern: „So blieb es beim Sammeln von Unterlagen über den Fliegerhorst und Dorbaum.“ Nach der Auflösung des elterlichen Hauses kamen Berge von Skizzen, Zeichnungen und Gemälde zum Vorschein.

Die Vielseitigkeit dieser Dokumente verlangte eine genaue Sichtung. „Durch berufliche Veränderungen um 2004 bekam ich mehr Zeit, mich mit diesem komplexen Thema noch intensiver zu beschäftigen“, berichtet Bäumer.

Durch die große Unterstützung des Vermessungs- und Katasteramtes der Stadt Münster sei die geschichtliche Aufarbeitung möglich geworden. Ein Fortsetzungsband zu den Höfen in Dorbaum ist in Vorbereitung.

Hubert Bäumer: Verlorene Bauernhöfe in Münster Handorf – Fliegerhorst – 1933-1950. Selbstverlag, 183 Seiten. Das Buch kann bei der Firma Hörgeräte Schwakenberg, Handorfer Straße 16 ( 02 51 / 32 62 37), erworben werden.

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