Dreiste Betrüger rufen aktuell vermehrt ältere Menschen in Handorf an
Falsche Polizei betrügt Senioren

Münster-Handorf -

Aktuell rufen dreiste Betrüger unter dem Vorwand, von der Polizei zu sein, vermehrt ältere Menschen in Handorf an. Die Polizei rät besonders älteren Menschen, immer den Anrufbeantworter laufen zu lassen und erst selbst dranzugehen, wenn die anrufende Person bekannt ist.

Dienstag, 27.10.2020, 06:48 Uhr
Senioren werden auch in Handorf immer häufiger Opfer von dreisten Trickbetrügern.
Senioren werden auch in Handorf immer häufiger Opfer von dreisten Trickbetrügern. Foto: hpe

Es klingt paradox: Nach ein paar Anrufen von einem Unbekannten fährt Erna T. (84) zu ihrer Bank, holt 15 000 Euro ab und übergibt sie einen Tag später einem völlig fremden Menschen, der an der Tür klingelt.

„Leider keine Seltenheit“, sagt Kriminalhauptkommissarin Alexandra Bruns , zuständig für Kriminalprävention bei der Polizei Münster. Aktuell rufen dreiste Betrüger unter dem Vorwand, von der Polizei zu sein, vermehrt ältere Menschen in Handorf an, insgesamt spricht die Polizei-Pressestelle in Handorf und Mauritz von „mehr als drei Dutzend“.

Die Masche ist immer gleich: Der Anrufer gibt sich als Polizist aus und im Display erscheint auch noch die „110“. Er verunsichert die meist älteren Opfer, spricht von einer Diebstahlserie in der Nachbarschaft und einem festgenommen Täter, bei dem man einen Zettel mit dem Namen des Angerufenen gefunden habe. Der Senior solle nun schnell seine Wertsachen im Haus einsammeln, möglichst auch das Gesparte von der (ebenfalls „betrügerischen“) Bank abheben und es einem Polizisten, der einen Tag später vorbei kommt, zur Aufbewahrung geben.

„Einzig richtig ist, sofort aufzulegen und sich gar nicht erst auf ein Gespräch einzulassen“, meint Bruns. Die Täter sind in Banden organisiert, sprechen akzentfrei die deutsche Sprache und machen am Telefon einen vertrauenswürdigen und höflichen Eindruck.

Bruns: „Sie sind bestens geschult und wissen auf jeden Einwand eine plausible Erklärung. Hat das Opfer erst einmal angebissen, wird es wie von einer Spinne im Netz eingesponnen und mit immer neuen, bis zu 30 Anrufen in kurzer Zeit derart verunsichert, dass die Täter am Ende leichte Beute haben.“

Die Polizei rät besonders älteren Menschen, immer den Anrufbeantworter laufen zu lassen und erst selbst dranzugehen, wenn die anrufende Person bekannt ist. Auch sei es sinnvoll, in Telefonbüchern am besten gar nicht aufzutauchen oder nur einen abgekürzten Vornamen eintragen zu lassen. Bruns: „Die Täter schauen nach alten Vornamen, die heute nicht mehr so üblich sind. Daraus schließen sie dann auf die Betagtheit ihrer Opfer.“

Auch den Helden zu spielen und sich scheinbar auf den Deal einzulassen, um dann vor der Übergabe die Polizei zu alarmieren, bringe nichts. Bruns: „Das geht meistens schief, weil die Betroffenen durch die Betrüger total verwirrt werden.“ Deshalb sich grundsätzlich nicht auf ein Gespräch einlassen, auflegen, eine Vertrauensperson hinzuzuziehen und dann Anzeige bei der Polizei Münster erstatten.

Bruns: „Echte Polizisten würden nie nach Wertsachen im Haus fragen und auch nicht Menschen auffordern, mit niemanden über dieses Gespräch zu reden.“ Und niemals sollte man es auf einen persönlichen Kontakt mit einem Fremden ankommen lassen. Das könne gerade für ältere Menschen gefährlich werden.

Ähnlich wie der „Falsche Polizei-Trick“ verhält es sich mit dem Enkeltrick, bei dem angebliche Verwandte um Geld bitten. Allein im vergangenen Jahr ereigneten sich durch diese Betrugsarten in Münster 800 Straftaten, die Beute lag bei einer halben Million Euro.

Infos zum Thema „Trickbetrug am Telefon“ erteilt Kriminalhauptkommissarin Alexandra Bruns, Polizei Münster, Telefon  275-31 02.

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