Rückepferd
Arbeitseinsatz im Wald

Münster-Handorf -

Roland Jansing möchte ein fast vergessenes altes Handwerk wieder lebendig machen: die Arbeit mit dem Rückepferd.

Montag, 01.03.2021, 20:12 Uhr aktualisiert: 01.03.2021, 20:20 Uhr
Roland Jansing mit seinem Rückepferd „Moritz“ im Gelände
Roland Jansing mit seinem Rückepferd „Moritz“ im Gelände Foto: hpe

„Moritz“ lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Der Holländische Kaltblüter stapft wie ein sanfter Riese über den leicht feuchten Waldboden in Handorf-Dorbaum und zieht scheinbar mühelos die knapp 300 Kilogramm schweren Baumstämme aus dem Unterholz. Zur Belohnung gibt es für das elfjährige Rückepferd vom Halter Roland Jansing Möhren und Rote Beete.

Jansing, der im Hauptberuf Orthopädie-Techniker am Josefs-Stift in Sendenhorst ist, lebt mit seiner Frau Sabine in Dorbaum am Waldrand unweit des Wasserwerks Hornheide auf einer kleinen Hofanlage, die eher einer Ranch mit Koppel und Ställen ähnelt. Beide sind passionierte Reiter und haben die Liebe zum Pferd vor vielen Jahren entdeckt.

Jetzt starteten sie ein neues Kapitel und wollen ein fast vergessenes altes Handwerk wieder lebendig machen. „Die Arbeit mit dem Rücke­pferd hinterlässt im Wald wenig Spuren. Es verschmutzt kein Trecker mit seiner Dieselwolke die saubere Luft, und wir kommen mit den Tieren in Geländebereiche, wo Fahrzeuge wegen der Enge oder des Untergrunds im Wald keine Chance haben“, so der Handorfer.

„Moritz“, ein Nederlands Trekpaard, ist seit gut einem Jahr fit für den Transport von gefällten und entasteten Baumstämmen. „Das Tier muss ein ausgeglichenes Wesen haben, braucht eine feste Bezugsperson, und die muss auch resolut sein“, so Jansing.

In einem kleinen Waldstück nur 500 Meter vom Hof entfernt liegen Übungsstämme, dort werden die Leinen- und Stimmenkommandos eingeübt. „Mensch und Tier müssen sich vertrauen und eine Einheit sein, sonst funktioniert es nicht“, sagt Jansing. Beim Stammrücken baut sich durch den Halsring und die seitlichen Zugstränge Druck auf der Pferdebrust auf, normalerweise würde das Tier dann stehen bleiben und rückwärts gehen. „Es braucht schon viele Streicheleinheiten und Trainingsstunden, bis das Pferd diese Art des Transportes akzeptiert“, so der Halter. Funktioniert es aber erst einmal, sind die knapp 800 Kilogramm schweren Tiere kaum noch zu bremsen.

Inzwischen hat er ein kleines Unternehmen mit dem Namen „Rückbar“ gegründet und bietet in seiner Freizeit Waldbesitzern an, Bäume umweltfreundlich aus dem Forst zu holen. „So nebenbei nach Absprache, damit die Tiere in Übung bleiben“, sagt er. Noch in diesem Jahr will er sich zum „Zertifizierten Holzrücker“ fortbilden, und mit dem Belgischen Kaltblüter „Little Joe“ ist ein Brabanter bereits in Ausbildung. „Es soll quasi ein kleiner Nebenerwerb sein, mehr aber auch nicht. Wichtig ist mir die Liebe zu den Tieren und der Natur“, sagt er.

Auch könnte er sich vorstellen, Kindern und Jugendlichen sowie Schulklassen das alte Handwerk im Wald näherzubringen. Jansing: „Mehr Natur pur geht ja eigentlich nicht. Wenn wir mit den Pferden unterwegs sind, ist schon jetzt die Aufmerksamkeit groß.“ Jansing ist erreichbar unter  0251/ 3 27 04 29.

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