Hiltrup
Prägend für das Ortsbild

Sonntag, 29.06.2008, 07:06 Uhr

Münster-Hiltrup. Hiltrup ist schon etwas Besonderes. Welcher Bewohner dieses Stadtteils, der sich als lebenswert und liebenswert bezeichnet, würde das bestreiten. Der Hiltruper Künstler Erwin Löhr macht jetzt auf eine Besonderheit aufmerksam, die vielfach etwas in den Hintergrund zu geraten droht.

Ungleich stärker als in vergleichbaren Gemeinden oder Stadtteilen, so Löhrs Beobachtung, ist in Hiltrup ein religiös-spiritueller Aspekt zum Tragen gekommen. Zwei Klöster des MSC-Ordens prägten nicht nur das Zusammenleben im Ort, sie drückten auch dem Ortsbild durch aussagekräftige architektonische Bauwerke ihren Stempel auf.

Im drittem Teil seiner Hiltruper Trilogie spürt Löhr den architektonischen Spuren der MSC-Bauwerke nach. Im Mittelpunkt stehen das alte Missionshaus der Patres sowie das Hiltruper Krankenhaus. Den südlichen Teil Hiltrups dominierte früher das Missionshaus der Patres. Das mächtige Gebäude, ganz im Geist der Gotik gebaut, bezeichnet Löhr als „lichtbezogenes Bauobjekt“. Die nach oben strebenden Formen gäben dem Gebäude eine geradezu spirituelle Struktur.

Als das Missionshaus noch singulär im Süden Hiltrups stand und noch nicht umgeben war von den nüchternen Zweckbauten der 1970er Jahre – wie Stadthalle, Schulzentrum, Hallenbad und den Turnhallen – entfaltete es ungleich stärker seine Wirkungskraft. Heute wirkt das Kloster, das als Studentenwohnheim genutzt wird, von zurückhaltender Anmut und vermittelt den Eindruck vornehmer Repräsentanz, wie Löhr empfindet.

Ebenfalls vom Architekten Wucherpfenning wurde das erste Mutterhaus der Missionsschwestern entworfen. Weitere Gebäude der MSC-Orden entstanden im Laufe der Jahrzehnte: Im rechten Teil des Bildes sind das Hauptgebäude des KvG-Gymnasiums zu sehen, in dem das Gymnasium 1946 seinen Schulbetrieb aufnahm. Später folgte der Erweiterungsbau für das KvG. Im Klosterwald entstand 1975 der Flachdachbau des neuen Klosters, während die Kapelle des alten Missionshauses Opfer der Abrissbirne wurde.

Der linke Bereich wird geprägt vom burgähnlichen Mutterhaus der Schwestern, der kleinen Marienkapelle sowie dem stärker funktional anmutenden Provinzialat an der Hohen Geest, das den schwesterlichen Gebäudekomplex abrundet.

Die Impulse, die von dem MSC-Orden auf das Zusammenleben in Hiltrup ausgingen, schätzt Löhr als „enorm“ ein. Dieser Einfluss stelle eine Besonderheit im Wandel zu einem städtischen Erscheinungsbild dar.

Allein im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts erbrachte die im Jahr 1854 in Frankreich von Pater Chevalier vollzogene Ordensgründung der Missionare vom Heiligsten Herzen Jesu den Hiltrupern zwei neue Klöster: Nach der Gründung der Norddeutschen Ordensprovinz durch Pater Hubert Linckens in der Nähe des Roten Berges das Missionshaus (1896/97). Kurze Zeit später folgte nach Gründung der Ordensgemeinschaft der Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu für die Südseemission, ebenfalls durch Pater Linckens, der Bau des erstes Mutterhausgebäudes an der heutigen Westfalenstraße. In den 1930er Jahren errichte die Schwesternschaft das gewaltige „Burggebäude“ mit umgebendem Parkgelände. Von 1950 bis 1960 folgte das Herz-Jesu-Krankenhaus, das ständig ausgebaut und zuletzt für alle sichtbar an der Westfalenstraße erweitert wurde.

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