Hiltrup
Bernhard Poether – Seligsprechung verpasst?

Sonntag, 20.07.2008, 09:07 Uhr

Münster-Hiltrup. Hätte Bernhard Poether schon längst selig gesprochen sein können? Ähnlich wie Karl Leisner , der einzige junge Mann, der jemals in einem Konzentrationslager zum Priester geweiht worden ist? Oder wie der Priester Bernhard Lichtenberg, der 1938 in Berlin öffentlich für Juden gebetet hatte?

„Ich fürchte, dass wir das bei Bernhard Poether verpasst haben“, meinte Pastor Ewald Spieker selbstkritisch. Während Leisner und Lichtenberg 1996 durch Papst Johannes Paul II. selig gesprochen wurden, ist es um Poether eher still geblieben. Dabei hatte sich Poether sogar noch nach Kriegsausbruch im September 1939 gegen die willkürliche Verhaftung polnischer Katholiken gewehrt und wurde dafür selbst am 22. September 1939 von zwei Gestapo-Beamten verhaftet. „Der letzte Papst wäre der Passende gewesen“, meinte Spieker mit Blick auf die polnischen Wurzeln Johannes Pauls II. „Er hätte Bernhard Poether gewiss selig gesprochen.“ Die Urne mit Poethers Asche befindet sich seit 1980 im Seitenaltar der Clemenskirche.

Am 5. August 1942 war der junge Priester im Alter von 36 Jahren im Konzentrationslager Dachau gestorben. Völlig entkräftig zuletzt mit einem Gewicht von 44 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,80 Metern und erkrankt an der tückischen Ruhr. Jahrelange Isolationshaft im Konzentrationslager Sachsenhausen und die harte Arbeit auf der Plantage der Großgärtnerei in Dachau hatten Spuren hinterlassen.

Pater Jenkner, der bei einem Vortragsabend anlässlich der Kreuzausstellung in der Clemens-Kirche die Vita Poethers in Erinnerung rief, wies darauf hin, wie hoch das Andenken Poethers in Polen gehalten werde. So sei auf einer Gedenktafel in Breslau, die an alle die erinnere, die im Zweiten Weltkrieg ihr Leben für die Sache Polens geopfert hätten, Poethers Name an erster Stelle aufgeführt. „Wie ein vom Himmel gesandter Engel“ sei er den polnischen Katholiken in Bottrop vorgekommen, erinnern sich die Polen durchaus nicht ohne Pathos an Poether.

Der 1906 in Datteln geborene Poether war in Hiltrup aufgewachsen. Am Paulinum legte er seine Abitur ab, im Hohen Dom zu Münster wurde er 1932 zum Priester geweiht. 1934 ließ er sich für zwei Jahre für Sprachstudien in Polen beurlauben. In dem 80 Kilometer südwestlich von Krakau gelegenen Dorf Ciecina wirkte er seelsorgerisch.

Bereits 1936 kehrte er in das Ruhrgebiet zurück, wurde zunächst Kaplan in Gladbeck und wechselte im April 1939 nach Bottrop. Vor der dortigen St. Josef-Kirche erinnert seit Herbst 2007 ein Stolperstein des Künstlers Gunter Demnig an den Priester.

Würde man in Hiltrup ebenfalls einen Stolperstein für ihn verlegen wollen, müsste man dieses vor dem Haus Am Klosterwald 1 tun. In dem Haus, das heute vor der Jugendhilfeinhalt genutzt wird, lebte Poether ebenso – wie in späteren Jahren noch – seine Schwester Maria.

Erstmals aktenkundig war Poether bereits 1937 geworden, als er „den deutschen Gruß verächtlich gemacht gemacht haben soll“, wie ihm von einem Sondergericht vorgeworfen wurde. Statt „Heil Hitler“ soll er mit „Heidewitzka“ geantwortet haben. Zu einem Gerichtsverfahren kam es nur deshalb nicht, weil der Oberstaatsanwalt keine Anklage erhob, da er die Möglichkeit eines Freispruches nicht ausschloss.

Das Gedenken an Bernhard Poether will Pater Jenkner wieder neu aktivieren. Eine kleine, bereits in Vergessenheit geratene Schrift über Poether, die ihm sein Mitbruder Pater Trilling eigens für diesen Vortragsabend zur Verfügung gestellt hatte, soll neu aufgelegt werden und in der Clemens-Kirche ausliegen.

Ungleich voluminöser ist dagegen die Arbeit, mit der Pfarrer Hans Karl Seeger derzeit befasst ist. Fünf Bände mit 3500 Seiten macht der Vorsitzende des Internationalen Karl-Leisner-Kreises derzeit über den selig gesprochenen Leisner druckbar. Darunter die Briefe und Tagebuchnotizen, die der einzige Mann, der jemals in einem Konzentrationslager zum Priester geweiht worden ist, verfasst hat. Diese Priesterweihe im Konzentrationslager war nicht nur für alle Beteiligten eine lebensgefährliche Sache. Sie hatte eine aus heutiger Sicht unverstellbare europäische Dimension.

Ausgerechnet am Tag nach dem Auftakt zur Ardennen-Offensive der Wehrmacht weihte der französische Bischof Gabriel Piguet den aus dem Bistum Münster stammenden jungen Diakon.

2007 wurde das Verfahren zur Heiligsprechung Karl Leisners eingeleitet. Dass verwandtschaftliche Beziehungen Leisners zu Hiltrup bestehen, wie Seeger durchblicken ließ, war für manchen Besucher des informativen wie kurzweiligen Abends eine kleine Überraschung.

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