Hiltrup
Wall bot Angreifern die Stirn

Montag, 04.08.2008, 22:08 Uhr

Münster-Hiltrup. Versteckt unter dichtem Farn und verwachsenen Brombeerbüschen lugt die alte Hiltruper Landwehr hervor. Nur wird dieser alte Schutzwall heute wohl kaum noch einem feindlichen Angriff standhalten. Die Einzigen, mit denen er zu kämpfen hat, sind Jogger, die den Trimm-Dich-Pfad zum Hiltruper See einschlagen. Auch die WN haben sich im Rahmen der Hohe-Ward-Serie dort umgeschaut und die Überreste der Landwehr gefunden.

Früher sah es an dieser Stelle ganz anders aus: 15 bis 16 Meter breit soll die Landwehr bei ihrer Entstehung im 14. Jahrhundert gewesen sein. Am Emmerbach nahm sie ihren Anfang, streifte die Hohe Ward an der Nordseite an und setzte sich in südwestlicher Richtung fort. Sie bestand aus dreifachen Wallhecken mit Wassergräben dazwischen und bot der Bevölkerung dadurch Schutz. Mittelalterliche Angreifer hatten es in der Tat schwer: Zunächst mussten sie einen steilen Wall erklimmen. Halt war an den Wänden kaum zu finden und als die Räuber erschöpft und erleichtert oben angelangt waren, wurden sie von weiteren Strapazen überrascht: Verworrenes Strauchwerk bedeckte die Wallgipfel und machte das Weiterkommen zusätzlich kompliziert und schmerzhaft.

Dann mussten die Angreifer den Wall runter, einen tiefen Wassergraben überqueren und das ganze Prozedere noch zwei Mal wiederholen. Wie viele wirklich auf der anderen Seite ankamen, das ist ungewiss.

Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts war die alte Landwehr fast noch vollständig erhalten. Bis heute hat die Zeit aber ihr Werk getan – die Wälle sind kaum einen Meter hoch, von den Wassergräben ist nichts mehr übrig geblieben. Allein die Büsche und Sträucher halten sich noch wacker und setzen sich jedem, der den Wald auf unbefestigten Wegen betreten will, zur Wehr. „Heute bedecken außerdem dicke Bäume die Anhöhen, die Ursache dafür ist die Aufforstung in der Mitte des 19. Jahrhunderts“, erklärt Andreas Beulting vom Naturschutzbund Münsterland.

Die beste Sicht auf die Landwehr haben Spaziergänger vom Trimm-Dich-Pfad aus. Aber auch der Sportpfad selbst ist nur schwer wiederzufinden. Ab und an werden Geräte älteren Datums sichtbar, die auf jeden Fall schon bessere Zeiten gesehen haben. Die Beschilderung zu den einzelnen Stationen ist hingegen gänzlich verschwunden. „Das Orkantief Kyrill hat den Trimm-Dich-Pfad ziemlich zerstört. Deswegen haben wir erstmal versucht, die Wege zu räumen und die alten, umgefallenen Geräte wieder aufzustellen“, so Stadtförster Hans-Ullrich Menke. Kyrill ist aber nicht die einzige Ursache für den Zustand des Pfades – dass der Pfad einer Sanierung bedarf war schon vor dem Sturm offensichtlich. Ob es damit etwas wird, darüber wird noch in diesem Jahr entschieden – im Moment ist noch nicht sicher, ob die Geldsumme, die zur Aufhebung der Kyrill-Schäden ausgestellt wurde, auch für den Trimm-Dich-Pfad ausreicht.

Ab dem 17. August wird neben dem Trimm-Dich-Pfad auch der neue Naturlehrpfad durch das kleine Waldstück zwischen Parkplatz und Hiltruper See verlaufen. Hohe-Ward-Besucher können sich dann noch näher und ausführlicher über die alte Landwehr informieren und deren Überreste begutachten. Und sichdabei vielleicht bald auch ein wenig trimmen.

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