Hiltrup
Zwei besondere Zeugnisse

Donnerstag, 25.12.2008, 11:12 Uhr

Münster-Hiltrup. Den Stein ins Rollen hat der Künstler Ludger Hinse gebracht. Als er im Sommer seine vielbeachtete Ausstellung „Das Kreuz mit dem Kreuz“ nach Münster und dabei auch in die Kirche St. Clemens brachte. St. Clemens wählte er aus gutem Grund aus. Im Seitenaltar wird die Urne mit der Asche eines modernen Martyrers verwahrt. Sein Name: Bernhard Poether , aufgewachsen in Hiltrup und gestorben am 5. August 1942 im Konzentrationslager Dachau. Ein weitgehend vergessener Martyrer, wie rasch klar wurde.

Dabei gibt es zahlreiche Parallelen zu einem weiteren modernen Martyrer, dem seligen Karl Leisner . Beide Priester aus dem Bistum Münster starben an den Folgen der Konzentrationslagerhaft in Dachau. Doch während Leisners Erinnerung wach gehalten wird – und die Spuren dabei sogar bis nach Hiltrup führen, ist Poether kaum über die Grenzen der Pfarrgemeinde bekannt.

Ludger Hinse aus Recklinghausen wird ihn vermutlich aus Bottrop gekannt haben. 2007 wurde in Bottrop zur Erinnerung Stolpersteine verlegt. Poether war 1939 Kaplan in Bottrop und kümmerte sich um die polnischen Katholiken. Nach Kriegsausbruch protestierte er gegen die willkürliche Inhaftierung von Polen in Bottrop und wurde dafür selbst am 22. September 1939 von zwei Gestapo-Beamten verhaftet.

Mittlerweile arbeitet die Kirchengemeinde St. Clemens daran, gegen das Vergessen anzuarbeiten. Am Neujahrstag , zum 102. Geburtstag Poethers, wird in den heiligen Messen der Pfarrkirche Poethers Kelch verwendet.

In der Formgebung ist er ein moderner Kelch, der 1932 zur Priesterweihe angefertigt wurde. Das Besondere ist die Gestaltung des Fußes durch den bekannten Kölner Künstler Hein Wimmer. Ein russisches Kreuz samt Insignien schmückt den Kelchfuß. Das russische Kreuz ist das Kreuz der russisch-orthodoxen Kirche, bei dem zwei parallele waagerechte Kreuzarme die Senkrechte schneiden. Diese wird zudem durch einen dritten, schräg gestellten Arm geschnitten. Dieser soll das Brett zum Abstützen der Füße darstellen.

Abgebildet sind zudem die beiden Heiligen Kyrill und Methodius, die im 9. Jahrhundert in der Missionierung der Slawen aktiv waren und auf Beschluss von Papst Johannes Paul II. zu Schutzheiligen Europas erklärt wurden. Als „hochmodern“ schätzt Pfarrer Ewald Spieker das Denken Poethers ein. Eine europäische Dimension des Denkens sei erkennbar ebenso wie bei Karl Leisner. Leisner wurde bekanntlich von einem französischen Bischof in einem deutschen Konzentrationslager geweiht.

„Was hätte aus dem Mann werden können, wenn er nicht 1942 im Konzentrationslager umgekommen wäre?“, fragt Spieker. Vielleicht bringt eine jetzt konstituierte Arbeitsgruppe mehr Licht ins Dunkel, die unter Leitung von Spieker sowie der Nichte von Karl Leisner, Monika Kaiser-Haas, das Leben und Wirken Poethers jetzt aufarbeiten will.

Einen Hinweis gibt abermals der Klech. In kyrillischer Schrift wird Cyprian, ein Kirchenvater aus dem 3. Jahrhundert, zitiert: „Am Altare muss ein Priester stehen, der nicht mit Worten allein, sondern durch die Tat das Volk ermahnt, zu bekennen und Zeugnis abzulegen.“

Ewald Spieker deutet dieses Zitat so: „In seinem Kelch steht sein Lebensprogramm. Er lebte es bis zum Martyrium.“

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