Hiltrup
Kant-Schüler diskutieren mit Polenz, Strässer, Bahr und Co

Mittwoch, 16.09.2009, 11:09 Uhr

Münster-Hiltrup - Moderator Heribert Schwarzenberg erkennt seinen alten Schüler wieder. „Schon damals kam er immer ein wenig zu spät“, meint der stellvertretende Schulleiter des Kant-Gymnasiums trocken, als hinter seinem Rücken um 8.03 Uhr Daniel Bahr eilig auf die Bühne huscht und seinen Platz sucht.

1996 hat Bahr am Kant sein Abitur abgelegt. Sieben Jahre Bundestag haben ihn offenbar nicht zum Frühaufsteher gemacht. Die erste Schulstunde beginnt am Kant exakt um 7.55 Uhr.

Ein Platz unterdessen, links außen neben Christoph Strässer , bleibt frei. Will da jemand schwänzen? Schwarzenberg gibt eine weitere Kostprobe trockenen Kommentierens: „Der kommt entweder zu spät oder gar nicht“, meint er über den Kandidat der Linken, den Hiltruper Hubertus Zdebel.

Später, nach dem Ende der Podiumsdiskussion, wird SPD-Mann Strässer jedem, der es hören will, erzählen, dass Zdebel neulich beim Pascal-Gymnasium schon einmal gefehlt habe. Es habe Probleme mit seinem Zug aus Hiltrup gegeben, habe er als Entschuldigung angeführt. Mehr sagt Strässer nicht. Braucht er auch nicht. Seinem breiten Grinsen ist anzusehen, dass er ganz gespannt darauf ist, welche Entschuldigung Zdebel sich dieses Mal für sein Fehlen einfallen lässt.

In der Diskussion über den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr macht sich die Abwesenheit der Linken insofern bemerkbar, dass eine bemerkenswerte Einigkeit zwischen den vier Kandidaten herrscht. Von Maria Klein-Schmeink (Grüne) bis zu Ruprecht Polenz (CDU) und dem Liberalen Daniel Bahr betonen alle, dass man derzeit nicht die Truppen zurückholen könne. Selbst Schwarzenberg muss einsehen: „Mein Versuch, etwas mehr Kontroverse hereinzubringen, ist leider gescheitert.“

Anders sieht es bei der Wehrpflicht aus. FDP und Grüne finden ein dankbares Publikum mit ihrer Forderung, die Wehrpflicht abzuschaffen. Die SPD hält sich zurück, die parteiinterne Diskussion ist gespalten. Polenz weiß, dass es vor Schülern unpopulär ist, für ein Fortbestehen der Wehrpflicht einzutreten. Er tut es trotzdem.

Richtig munter wird es schließlich, als die Oberstufenschüler des Kants, die sich in den Sozialwissenschaftskursen von Sebastian Koch auf die Podiumsdiskussion vorbereitet haben, die Themen Mindestlöhne und Begrenzung der Managergehälter aufs Trapez bringen. Bei Strässer und Polenz werden schon nach wenigen Sätzen mehr Meinungsunterschiede deutlich als am Sonntagabend beim Kanzlerduell zwischen Merkel und Steinmeier. Zwischen Grünen und FDP gibt es sogar richtig Zoff.

Gegen 9.30 Uhr ist Schluss. Gegähnt wurde übrigens kaum. Die Politiker und ihre Helfer, die flugs noch eifrig Prospektmaterial an die Erstwähler verteilen, ziehen weiter. Um 10 Uhr müssen sie an der Friedensschule sein. Ob sie dort auf den Links-Vertreter treffen? Für Schwarzenberg jedenfalls steht fest: „Es ist schon ein stressiges Geschäft, so ein Wahlkampf.“

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