Hiltrup
Forensik: Ministerschelte und Kritik am OB

Samstag, 31.10.2009, 11:10 Uhr

Münster-Hiltrup - Über das Therapiekonzept der künftigen Maßregelvollzugsklinik wollte der designierte Chefarzt Privat-Dozent, Dr. Dieter Seifert , sprechen. Doch beim Forensikforum gab es Ministerschelte sowie Kritik an Münsters Oberbürgermeister. Und das nicht zu knapp.

Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann investiere zu viele Gelder in mechanische Sicherung wie den Zaun und die Detektoren, während er beim Pflegepersonal Einsparungen vorgenommen habe. „Wir haben beim Pflegepersonal keinen Schlüssel von 1:1“, kritisierte Seifert.

Nach dem Regierungswechsel 2005 sei die neue Landesregierung nach der „Rasenmähermethode“ vorgegangen. „Es musste überall gespart werden.“ Dabei sei es aus seiner Sicht entscheidend für eine optimale Sicherheit, „dass man nah am Patienten dran ist“.

Kritik äußerte Seifert auch an dem so genannten Nachteinschluss von Patienten, wie er seit einigen Jahren in Forensikkliniken aus Kostengründen praktiziert werde. „Auf der geschlossenen Station (der Aufnahmestation, Anmerkung der Redaktion) wird es einen Nachteinschluss geben“, kündigte Seifert für Amelsbüren an. „Auf der Reha-Station hoffen wir, dieses verhindern zu können.“

Der Forderung von Oberbürgermeister Markus Lewe bei der Grundsteinlegung, dass es in Amelsbüren keine unbegleiteten Ausgänge geben dürfe, erteilte Seifert eine Absage. Er hielt dem Oberbürgermeister sogar entgegen, nicht auf dem „aktuellen Stand“ zu sein. Wenn ein Patient aus der Region stamme, könnten Lockerungsmaßnahmen auch in Amelsbüren stattfinden. Seifert: „Wir werden nur für Patienten hier die Lockerungen vornehmen, die hier aus der Region kommen.“

Auch die immer wieder geforderte 1:1-Ausgangsregelung, nach jeder Patient ausschließlich in Begleitung eines Pflegers auf Freigang geschickt wird, sah ebenfalls Seifert kritisch. In der Klinik Eickelborn wird diese Regelung bekanntlich seit Jahren praktiziert, von der Bürgerinitiative in Amelsbüren wurde sie vergeblich gefordert. „Der 1:1-Ausgang in Eickelborn steht auf juristisch wackeligen Füßen“, so Seifert.

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